
Brandenburger Sportler des Jahres - Seriensiegerinnen und ein Newcomer
Wer waren in diesem Jahr die besten Sportlerinnen und Sportler Brandenburgs? Während in den Vorjahren Leser, Hörer und Zuschauer entschieden, waren diesmal die Sportjournalisten des Landes gefragt. Am Samstagabend gaben sie in Potsdam ihre Entscheidung bekannt. Neben altbekannten Namen waren auch diesmal wieder einige Newcomer dabei. Von Andreas Ulrich
Sie hat ohnehin immer dieses Strahlen im Gesicht, dieses Franziska Weber-Lachen. Bei der Brandenburger Sportler-Gala am Sonnabend, schien es, strahlte die 24-Jährige ganz besonders. Schließlich hatte sie gerade zum vierten Mal in Folge die Umfrage nach der beliebtesten Sportlerin des Landes gewonnen. Weber stellte damit den Rekord von Birgit Fischer ein. Die einstige Weltklasse-Kanutin hatte die Brandenburger Umfrage ebenfalls vier Mal gewonnen.
Seit 1992 kürt Brandenburg an jedem Jahresende seine beliebtesten Athleten. Hatten in der Vergangenheit Leser, Hörer und Zuschauer entschieden, bestimmten in diesem Jahr die Brandenburger Sportjournalisten die Umfragesieger. Bei der Sportlerin des Jahres, heißt es, seien sich die Experten ganz besonders einig gewesen.
Schnelle Zeiten, Medaillen und Emotionen
"Franzi" hat in diesem Jahr keinen Druck verspürt
Schließlich war "Franzi", wie ihre Freunde sie nennen, nicht nur die erfolgreichste deutsche Olympiateilnehmerin in London 2012, als sie im Kanurennsport Gold und Silber gewann. Im jetzt zu Ende gehenden nacholympischen Jahr paddelte sie bei der Weltmeisterschaft gemeinsam mit ihrer Leipziger Bootspartnerin Tina Dietze gleich wieder zu zwei Goldmedaillen.

"Wir hatten in diesem Jahr auch nicht so diesen Druck", erklärt die Potsdamerin. Die Olympiamedaillen hätten ihr einfach viel Selbstvertrauen gegeben, und schließlich sei die WM in Duisburg in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes ein Heimspiel gewesen. Franziska Weber ist ein fröhlich-positiver Mensch, einerseits. Andererseits, so nennt sie es selbst, ist sie "im Training und erst recht im Wettbewerb wie ein Uhrwerk, ausdauernd und beständig".
Auf dem zweiten Platz der Umfrage landete mit Katrin Wagner-Augustin ebenfalls eine Kanutin. Brandenburg bleibt "Kanu-Land" und Potsdam der wichtigste Kanu-Standort der Welt. Denn auch bei den Männern und den Mannschaften geht der zweite Platz jeweils an Kanuten, an das Duo Kurt Kuschela und Peter Kretschmer und an den Kanu-Weltmeister Sebastian Brendel.

Levys großes Jahr
Auch Maximilian Levy ist einer, den die Sportfans fast nur lächelnd kennen. Physiologisch liegt das an den Grübchen im Gesicht des Cottbusers. In diesem Jahr gab es für den Lausitzer allerdings auch fast ununterbrochen Grund zur Freude. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Levy, der schon als 16-Jähriger als Riesentalent galt, hatte so manches Mal Pech in seiner Karriere, nicht zuletzt auch, weil ihn Verletzungen zurückwarfen. Inzwischen aber läuft es, besser gesagt: rollt es.
Einer, der Verantwortung übernimmt
Vor ein paar Tagen erst war der Bahnradsportler beim Weltcup in Mexiko zu einem neuen deutschen Rekord im 200-Meter-Sprint gerast. Zuvor hatte Levy in diesem Jahr vier Medaillen bei den Weltmeisterschaften und Europameisterschaften gewonnen. Besonders beeindruckt hat Levy die Kenner mit seinen Auftritten im anspruchsvollen Keirin-Sprint. Bei dieser aus Japan stammenden Art des Radsprints treten sechs Fahrer gleichzeitig gegeneinander an. Kraft, Beschleunigungsvermögen und Überblick sind beim Keirin gleichermaßen gefragt. Levy wurde in dieser Disziplin Europameister und belegte Platz zwei bei der WM.
Und Levy hat in diesem Jahr Verantwortung übernommen und sich in das Präsidium seines heimischen Radsportclubs wählen lassen. Beim RSC Cottbus will sich Levy besonders um die Belange der jungen Sportler kümmern. Maximilian Levy ist einer der sich kümmert, auch als Sprecher der Aktiven in der Nationalmannschaft. Für ihn war es sein erster Titel als Brandenburger Sportler des Jahres.

"Torbienen" bleiben beliebteste Mannschaft
Die Kickerinnen von Turbine Potsdam dagegen brachten es in diesem Jahr bereits zum neunten (!) Umfrageerfolg. Die "Torbienen", wie ihre Fans sie nennen, waren im Frühjahr Vizemeister geworden und belegen auch in der derzeit laufenden Saison den zweiten Tabellenplatz.
Auch das Endspiel um den DFB-Pokal hatten die Potsdamerinnen erreicht, dort allerdings gegen Wolfsburg verloren. Das von einem großen Autokonzern gesponserte Team aus Niedersachsen hatte auch Meisterschaft und Champions League gewonnen und Potsdam damit im nationalen "Ranking" auf Platz zwei abgedrängt. "Wir bleiben trotzdem ganz entspannt", hat Turbine-Trainer Bernd Schröder vor ein paar Tagen im rbb gesagt und erklärt: "Wir hier in Potsdam setzen auf Kontinuität, auf gute Nachwuchsarbeit und auf unsere Sportschule."
Schröder könnte Recht behalten. Das zusammengekaufte Wolfsburger Star-Ensemble jedenfalls gibt in diesem Jahr schon nicht mehr den Ton an im deutschen Frauenfußball. Dass seine Frauen in der Sportler-Umfrage mal wieder vor den Männern von Energie Cottbus landeten, versetzt Trainerlegende Schröder in diesem Jahr allerdings nicht in Hochstimmung. Die Lausitzer sind derzeit Tabellenletzter in der zweiten Liga. Für Schröder wäre es "eine Katastrophe, wenn Cottbus absteigen würde."

