
Fußball | Hertha gegen Bremen - Hertha hat die Euro-League im Blick
Ein komfortabler siebter Platz und mehr Punkte als erhofft: Zwei Spieltage vor der Winterpause hat die Hertha ihr Soll bereits erfüllt. Am Freitagabend kommt nun Werder Bremen ins Berliner Olympiastadion, eine Woche nach der höchsten Heimniederlage, die die Bremer je erlitten haben. Hertha-Fans wittern schon die Chance auf einen Euro-League-Platz. Und auch Ronny würde gerne wieder spielen.
Über solch ein 0:7 lässt es sich trefflich orakeln. Vielleicht habe der Gegner durch die Niederlage "etwas Selbstbewusstsein verloren" und trete nun entsprechend verzagt an, sagte Herthas Trainer Jos Luhukay. Vielleicht werde er auch - in seiner Ehre getroffen - eine "absolute Trotzreaktion" zeigen. Vermutlich aber, das sagte Luhukay nicht, wird Werder Bremen bei seinem Gastspiel in Berlin am Freitag (20.30 Uhr) eine Leistung zeigen, die irgendwo dazwischen liegt.
Die Bremer trauerten am vergangenen Wochenende gegen Bayern München über die höchste Heimniederlage ihrer Bundesligageschichte, sieben Tore, keine Chance. Welche Lehren sie daraus für das Spiel bei Hertha BSC gezogen haben - für Luhukay und seine Mannschaft bleibt das ein Rätsel. "Wir werden Taten folgen lassen. Das ist besser, als im Vorfeld öffentlich zu reden", teilte Bremens Trainer Robin Dutt am Mittwoch verdrossen mit. Er sei nur auf das Spiel in Berlin fokussiert.
Die Hertha kann dieses Spiel beruhigt angehen, 22 Punkte hat die Mannschaft schon geholt, sie steht auf einem überraschenden siebten Tabellenplatz. Ihr Hinrundenziel haben die Berliner damit bereits zwei Spieltage vor der Winterpause erreicht. Die Spiele gegen Bremen und Dortmund geraten zur Kür. Auch wenn Trainer Luhukay in der Pressekonferenz vor der Partie die üblichen Absichtserklärungen zu Protokoll gab: "Natürlich wollen wir unser letztes Heimspiel in diesem Jahr gewinnen", sagte Luhukay, und dabei "endlich wieder die Früchte unserer Arbeit ernten."
Kostbare Untrainierbarkeiten
Offensivspieler Änis Ben-Hatira fällt für die Erntearbeiten aus, er hat sich das Syndesmoseband an seinem rechten Knöchel angerissen und kehrt erst zur Rückrunde aufs Feld zurück. Herthas wohl begnadetster aber widerspenstiger Linksfuß Ronny hat Ben-Hatira zuletzt prächtig ersetzt. Beim Auswärtssieg in Braunschweig am vergangenen Wochenende bereitete er beide Tore vor, mit Pässen, die man "so nicht trainieren" könne, lobte sein Trainer danach. Weil der launische Ronny solche kostbaren Untrainierbarkeiten aber nur selten zeigt, wollte Jos Luhukay sich nicht auf dessen Einsatz in der Startelf festlegen. Er werde darüber erst am Freitag befinden, sagte Luhukay.
Fest steht inzwischen, dass Luhukay auf Linksverteidiger Johannes van den Bergh verzichten muss. Der 27-Jährige steht wegen einer Oberschenkel-Verhärtung nicht im Kader. Levan Kobiashvili könnte van den Bergh ersetzen.
Mit einem Sieg könnte die Hertha auf einen Europa-League-Platz springen, gewissermaßen knapp unter den Dachboden der Tabelle. Der einst so stolze SV Werder müsste sich dann den Winter über in den unteren Stockwerken der Tabelle einrichten. Die Bremer haben bereits doppelt so viele Gegentore eingefangen wie die Hertha. Nun könnte auch Defensivmann Clemens Fritz ausfallen, er musste das Training am Mittwoch abbrechen.
Bremens Manager eilt nun nach Turin, mutmaßlich, um sich von Rekordmeister Juventus neue Abwehrspieler auszuborgen. Mit der Klatsche gegen Bayern habe sein Trip nichts zu tun, ließ der Mann ausrichten. Die Berliner jedenfalls dürften sich bis Freitagabend nicht auf einen neuen Verteidiger einstellen müssen. Andererseits: Wer könnte schon sagen, ob das bloß Spekulationen sind? Nach so einem 0:7.


