
Berliner Sportler des Jahres 2013 - So sehen Sieger aus!
Zum 35. Mal wurden die Berliner Sportler des Jahres in mehreren Kategorien gewählt. Entschieden haben das Publikum und eine Jury. Jeweils zehn Sportler oder Mannschaften standen pro Kategorie zur Wahl. Unter den Gewinnern ist ein altbekanntes Gesicht bei dieser Auszeichnung – und drei Senkrechtstarter. Von Andreas Ulrich
Bei den englischen Tennisfans heißt sie seit diesem Sommer "The Fabulous Sabine“, kurz Fab Sab, die sagenhafte Sabine. Die Berlinerin Sabine Lisicki begeisterte das Publikum in Wimbledon mit ihrer spektakulären Art Tennis zu spielen. In Deutschland schaffte es Tennis plötzlich wieder auf die Titelseiten, als 14 Jahre nach Steffi Graf wieder eine Deutsche ins Wimbledon-Finale einzog.
Lisicki hat das Endspiel des wichtigsten Tennisturniers der Welt zwar verloren, zuvor besiegte sie aber Serena Williams, die Nummer eins der Weltrangliste. Jetzt ist die 24-Jährige zu Berlins Sportlerin des Jahres 2013 gewählt worden. Die Fans schätzen Lisickis mitreißenden Stil auf dem Centre Court ebenso, wie ihr ansonsten bescheidenes Auftreten. Lisicki ist keine, die auf dem Platz brüllt oder Tennisschläger zertrümmert. Zu Hause in Berlin, heißt es, wohne sie noch immer bei ihren Eltern. Über ihr Privatleben lässt sie nicht viel nach außen dringen. Ob sie, wie Boulevardmedien spekulieren, mit dem TV-Moderator Oliver Pocher liiert ist, lässt Lisicki unkommentiert.
Höchstleistung in Bildern
Ohnehin bleibt für Berlins Sportlerin des Jahres derzeit wenig Zeit für ein Leben neben dem Sport. Nach ihrem Sieg in Wimbledon hatte sie sich gerade mal drei Tage Pause gegönnt und erklärt, warum sie unmöglich mehr als zehn Tage aussetzen könne. Sie treffe den Ball dann nicht mehr richtig, ihr Gefühl gehe verloren. Schließlich ist da noch die Sache mit der Nummer eins. Als Jugendliche hatte Lisicki forsch erklärt, irgendwann die beste Spielerin der Welt werden zu wollen. Derzeit rangiert Lisicki auf Platz 15. Das Ziel, Nummer eins zu werden, sagt sie "ist immer noch aktuell".

Man nimmt es der Frau ab, die nach 2011 schon zum zweiten Mal Berlins Sportlerin des Jahres geworden ist. Auch für die nächste Zeit hat sie klare Pläne: Im kommenden Jahr wolle sie "noch einen Schritt weiter vorankommen", ließ die Wimbledon-Finalistin verlauten. Das hieße: 2014 steht der Sieg auf dem heiligen Rasen von London auf der Agenda. "Doch vorerst denke ich an die Australian Open, zu denen ich in zwei Wochen aufbrechen werde", erklärte sie vor rund 2.300 Gästen.
Robert Harting siegt zum dritten Mal in Folge
Bereits zum dritten Mal in Folge siegte Diskuswerfer Robert Harting in der Sportlerumfrage bei den Männern. Im Sommer war der 2-Meter-Mann in Moskau Weltmeister geworden, auch das zum dritten Mal in Folge.
Wie Lisicki, hat auch Harting neue Ziele. „Wenn es meine Gesundheit zulässt“, sagt er „ bin ich nächstes Jahr bei der EM in Zürich dabei, bei der WM 2015 in Peking und bei Olympia 2016 in Rio. Doch Harting will sich nicht mehr allein auf Edelmetall fixieren. Er habe auch andere Ziele, die ihm wichtig seien: der Bachelor in Gesellschafts-und Wirtschaftskommunikation, sowie sein Engagement für eine bessere Sportförderung.

Und dann seien da ja Freundin Julia und Bruder Christoph, beide ebenfalls Diskuswerfer. Damit die beiden nicht mehr wie in Moskau schon in der Qualifikation ausscheiden, wolle Robert Harting in nächster Zeit sportlich etwas nachhelfen. Insofern dürfen sich die Leichtathletik-Fans für die kommende Diskus-Saison schon mal die Namen Julia Fischer (Freundin) und Christoph Harting (Bruder) vormerken.
Ein besonderes Lob gab es von oberster Stelle: Der Ehrenpräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Manfred von Richthofen, huldigte Diskus-Olympiasieger und -Weltmeister Harting: "Er ist ein Mann, der absolute Weltklasse verkörpert und der unserer Stadt gut tut. Deshalb hat er es absolut verdient, wieder die Wahl in Berlin gewonnen zu haben."
Volleyballer siegen vor Hertha und Eisbären
Wenn Berlins Sportler des Jahres in der Vergangenheit fürs Gruppenfoto posierten, ragte Robert Harting mit seinen 2,02 Metern stets deutlich heraus aus dem Bild. In diesem Jahr war der 29-Jährige nur ein Großer und vielen. Das lag an den Hünen der BR Volleys, in deren Mitte der Diskus-Riese kaum "auffiel". Die Volleyballer wurden von den Berlinern zur Mannschaft des Jahres gekürt. Sie verwiesen Hertha BSC und die Eisbären auf die Plätze zwei und drei.

Die Volleyballer sind im Frühjahr zum zweiten Mal in Folge deutscher Meister geworden. Kamen zu den Heimspielen noch vor einiger Zeit nur ein paar Hundert Zuschauer, sind es inzwischen nicht selten über 7.000.
Allerdings hatte die Mannschaft zuletzt über viele Wochen ausschließlich auswärts gespielt, weil die heimische Max-Schmeling-Halle an den Spieltagen schon langfristig für Konzerte und ähnliche Events vergeben war. "Umso schöner, dass wir jetzt auch wieder Heimspiele haben", freut sich Außenangreifer Robert Kromm. Der 2,12 Meter große Volleyballer und seine Kollegen kamen am Sonnabend direkt vom Bundesligaspiel gegen Dresden zur Sportler-Gala im Estrel-Hotel.

Der Mann für's Understatement
Auch in der Umfrage nach Berlins populärstem Trainer schneiden die Volleyballer sehr gut ab. Mark Lebedjew, der Coach der BR Volleys, landete in dieser Wertung auf Platz zwei hinter Hertha-Trainer Jos Luhukay. Der Niederländer hatte Hertha BSC im Frühjahr zurück in die erste Bundesliga geführt.
Dabei ist Luhukay der Gegenentwurf zum Typ Selbstdarsteller vom Schlage eines Jürgen Klopp. Luhukay verwendet gerne die Formulierung, dass er die Dinge "realistisch und nüchtern" einschätze. Im heutigen Profifußball klingt das fast schon langweilig. Andererseits schafft Luhukays Understatement eine schöne Distanz zur jüngsten Hertha-Vergangenheit mit all den Abstiegen, Entlassungen und Chaosspielen. Immerhin ist das Team souverän in die Saison gestartet. Bei der Gala am Sonnabend allerdings fehlten Trainer und Mannschaft entschuldigt. Schließlich stand am Sonntag noch das Bundesliga-Auswärtsspiel in Braunschweig auf dem Programm.
2013 war nicht nur das Jahr von Lisicki, Harting, Luhukay oder der BR Volleys. Insgesamt gewannen Berlins Spitzensportler neben ungezählten Deutschen Meisterschaften in diesem Jahr 59 Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie 15-mal Edelmetall bei internationalen Wettbewerben.
Berlin – so haben Statistiker gerade wieder festgestellt - bleibt damit auch 2013 die erfolgreichste Sportmetropole der Welt.
