Claudia Pechstein (vorn, l), Monique Angermüller und Jennifer Bay (Quelle: dpa)

Eisschnelllauf | Blamage in Berlin - Pechstein-Staffel verpasst Olympia-Ticket

Wie schon bei den Männern hat auch die Frauen-Staffel um Claudia Pechstein die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpasst. Pechstein, die in Sotschi über die Einzelstrecken starten wird, holte nach der Enttäuschung zu einem Rundumschlag aus.

Das deutsche Eisschnelllauf-Trio der Damen hat beim Eisschnelllauf-Weltcup in Berlin die Olympia-Qualifikation endgültig verpasst. Claudia Pechstein, Monique Angermüller (beide Berlin) und Jennifer Bay (Dresden) belegten am Sonntag in der Teamverfolgung in 3:05,86 Minuten nur den deprimierenden neunten Platz.

Sie verfehlten damit nach zuvor schon schwachen Läufen in Übersee die Sotschi-Fahrkarten. Für das Erreichen der Qualifikation wäre ein Sieg beim Heimspiel nötig gewesen. Diesen erkämpfte das Team der Niederlande in 2:58,18 Minuten.

Nur Claudia Pechstein auf dem Podest

2006 und 2010 hatte das deutsche Frauen-Team bei Olympia jeweils Gold gewonnen. "Bei den Frauen wussten wir, dass wir ein Wunder brauchen. Die ersten Weltcups wurden vergeigt. Anscheinend haben wir zu wenig trainiert, auch wir machen unsere Fehler", sagte Chef-Bundestrainer Markus Eicher: "Wir haben aber auch nicht die Ausgeglichenheit im Team wie 2006 und 2010. Wir müssen nach den Spielen in der Struktur etwas umstellen und verändern, sonst kommen wir aus dem Dilemma nicht heraus."

Zuvor hatten schon die deutschen Männer mit den Erfurtern Patrick Beckert und Robert Lehmann sowie dem Chemnitzer Alexej Baumgärtner (Chemnitz) in Berlin die Qualifikation für Olympia verpasst.

Der Weltcup in Berlin wurde für das deutsche Team mit nur einem Podestplatz zum Reinfall. Die 41-jährige Pechstein hatte mit Platz zwei über 3000 m die einzige Top-Drei-Platzierung geholt.

Pechstein kritisiert Nachwuchsläuferinnen und Trainer

Pechstein machte Trainer und Nachwuchs verantwortlich für das gegenwärtige Tief im deutschen Eisschnelllauf. "Der Nachwuchs rückt mir nicht auf die Pelle. Da kann man darüber nachdenken, bis 2018 weiterzumachen", sagte die 41-Jährige und schloss eine Fortsetzung ihrer Karriere bis Olympia 2018 nicht mehr aus. Pechstein wundert sich selbst über ihre guten Platzierungen. "Ich bin seit 1992 in der Weltspitze, das ist krass. Ich denke oft: 'Die anderen müssen viel schneller sein.' Zum Glück sind sie es nicht", sagte die Berlinerin.

Nachdem sie in Berlin auch auf den wenig geliebten 1.500 Metern mit Rang neun beste Deutsche wurde, holte die fünfmalige Olympiasiegerin zum Rundumschlag aus. "Es gibt Athleten, da fasse ich mir ungläubig an den Kopf, wenn ich mir deren Trainings- und Wettkampfplatzierung anschaue. Teilweise wissen sie scheinbar selbst nicht, was sie wollen. Es gibt Mädels, die Sprint trainieren und Mehrkampf laufen. Da weiß jeder Laie, dass das nicht funktioniert."

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