
Basketball | Alba startet in Eurocup-Zwischenrunde - Der rätselhafte Zwischen-Fall
Acht Mal in Folge hat Alba zuletzt gewonnen - am Mittwoch empfangen die Berliner SIG Straßburg. Der Auftakt zur Zwischenrunde des zweitklassigen Eurocups wirft Fragen auf, zum Beispiel: Was sollen die Berliner dort überhaupt lernen? Und: Wo liegen eigentlich Kragujevac oder Juschne? Von Sebastian Schneider
Für Alba ist es das erste europäische Spiel im neuen Jahr, noch dazu geht es gegen den französischen Vizemeister - zum Auftakt der Zwischenrunde im Eurocup empfängt Berlin am Mittwoch (20 Uhr) die Mannschaft von SIG Straßburg. Allein: Ginge es nach den Berliner Verantwortlichen, blieben die Lichter in der Arena am Ostbahnhof aus.
Denn Alba fremdelt noch immer mit dem international zweitklassigen Wettbewerb, obwohl das Team in der Vorrunde überzeugte. Berlins Manager Mithat Demirel und Geschäftsführer Marco Baldi haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie Alba lieber in der Euroleague, der Königsklasse des europäischen Basketballs, gemeldet hätten. Per Wildcard, also einem der nachträglich vom Verband vergebenen Starterplätze. "Es ist nicht klar, nach welchen Kriterien die Wildcards vergeben wurden. Nach sportlichen Gesichtspunkten sicher nicht“, giftete Marco Baldi im Sommer, nachdem die neuerdings reichen Basketballer des FC Bayern Alba den Platz wegschnappten.
Inzwischen aber dürfte auch bei den Berlinern die Einsicht gereift sein, dass die Euroleague für Albas neu zusammengestellte Mannschaft momentan eine Nummer zu groß ist. Der Eurocup jedoch taugt nur bedingt als Prüfstein.
In dieser Saison spielen 48 statt wie zuvor 32 Mannschaften im Wettbewerb - dadurch sinkt dessen Leistungsdichte. Die Spannung zu halten, fällt angesichts des aufgeblähten Spielplans schwer. Selbst in der nun beginnenden Zwischenrunde spielen noch 32 Teams mit.

Weiterkommen ist "kein Muss"
Die Alba-Profis müssen im ungeliebten Vorspiel der K.O.-Runde keinen übermäßigen Druck befürchten. "Ein Weiterkommen ist kein Muss. Wir wollen, die Chance ist da, aber geplant haben wir nur mit dieser Runde, auch in unserem Etat", sagte Marco Baldi der B.Z vor der Partie gegen Straßburg.
Vielleicht sind derlei Streicheleinheiten auch nötig: Im Gegensatz zu den matten Berlinern, die zuletzt vier Spiele in acht Tagen bestreiten mussten, kommen die Straßburger ausgeruht und fidel in die Arena am Ostbahnhof. Allerdings stehen sie nicht im Verdacht, den Eurocup allzu motiviert anzugehen. Straßburg war zunächst in der Euroleague angetreten, dann aber gemeinsam mit dem Deutschen Meister Bamberg nach der Vorrunde ausgeschieden.
Im Dezember musste das Team seinen französischen Center und Europameister Alexis Ajinca in die NBA verabschieden. Obwohl sich der 2,15 Meter lange Romain Duport inzwischen gut in die Startaufstellung integriert hat, suchen die Straßburger noch nach einem Ersatz unter den Körben.
Ungeheuer von einem Jupitermond
Angeführt wird das Team vom US-Aufbau Louis Campbell, der mit den heutigen Alba-Profis Reggie Redding und Akeem Vargas in Tübingen zusammengespielt hat. Aber auch auf den Franzosen Antoine Diot müssen die Berliner vorbereitet sein: Der 24-jährige Flügelspieler ist der beste Schütze seines Teams und gewann mit Frankreich im vergangenen Sommer die Europameisterschaft.
Marco Baldi aber zeigte sich wenig beeindruckt von Albas vermutlich stärkstem Gruppengegner: "Ich gehe davon aus, dass wir sie schlagen können. Wir haben zurzeit viel Selbstvertrauen", sagte Baldi vor dem Spiel. Ein Sieg wäre hilfreich, um dieses Vertrauen für die Jagd auf Bayern und Bamberg in der Bundesliga einzufrieren.
Im Eurocup allerdings wäre es nicht mehr als ein kleiner Schritt Richtung K.O.-Runde. Nur die ersten beiden von vier Teams der Gruppe kommen weiter, es warten ermüdende Hin- und Rückspiele mit Reisen an die Ränder Europas.
Und im Vergleich zu Straßburg klingen die Namen der anderen Berliner Gegner wie feuerspeiende Ungeheuer von einem Jupitermond: Chimik Juschne und Radnicki Kragujevac. Was also hat man von ihnen zu befürchten? Nach näherem Studium einschlägiger Landkarten aber kann Entwarnung gegeben werden: Erstere ist eine mutmaßlich reizende ukrainische Hafenstadt am Schwarzen Meer, letztere ein bedeutendes Industriezentrum im Herzen Serbiens.


