Hertha findet Investor - Plötzlich schuldenfrei
Eine Ära endet: Seit über einem Jahrzehnt ächzt Hertha BSC unter teils horrenden Schulden. Doch jetzt steigt der Finanzinvestor KKR bei den Berlinern ein und spült gut 60 Millionen Euro in die Kasse. Hertha will aber "nicht abheben" und feiert den Deal als "Quantensprung". Jetzt stellt sich nur die Frage, was der Investor mit seiner Partnerschaft beabsichtigt.
"Klasse, nu koofen wir die Bayern" - "Ramos ist weg, wann kommt Ibrahimovic?": Einige Fans jubeln auf der Facebook-Seite von Hertha BSC über den Deal, den der Bundesligist am Freitag bekanntgegeben hat. Weltfußballer werden sich die Berliner zwar nach wie vor nicht leisten können, aber immerhin ist der Druck von 37 Millionen Euro Schuldenlast weg.
Für Hertha brechen nun neue Zeiten an - zumindest finanziell. Der Finanzinvestor KKR steigt groß beim Hauptstadtclub ein und spült genau 61,2 Millionen Euro in die Kassen des notorisch klammen Vereins, bestätigte Finanzvorstand Ingo Schiller.
Hertha wird damit der erste Bundesliga-Verein, an dem sich ein Finanzinvestor beteiligt, ein Testballon also. Bisher hatten Mäzene wie Dietmar Hopp bei der TSG Hoffenheim sowie Unternehmen wie Adidas oder Audi beim FC Bayern München investiert, die zugleich Sponsoren sind.
Führung jubelt über Millionen-Deal
Die Millionen bringt das Private-Equity-Unternehmen in eine siebenjährige Partnerschaft ein und erhält damit zunächst einen Club-Anteil von 9,7 Prozent der Aktien der Hertha BSC GmbH & Co KG und einen Sitz im Aufsichtsrat. 20 Millionen Euro gibt es für die Aktien, 40 Millionen fließen "in andere Komponenten", so Schiller. Eine Aufstockung auf 33 Prozent des Aktionpakets ist möglich.
Die Verantwortlichen übertrumpften sich in ihrer Freude: Von einem "Quantensprung" sprach Hertha-Manager Michael Preetz. Von einer "bahnbrechenden Vereinbarung" spricht Präsident Werner Gegenbauer. Schiller erlebte sogar "den schönsten Tag, seit ich bei Hertha in der Verantwortung stehe." Immerhin ist er bereits seit 16 Jahren im Verein.

Preetz: "Wir behalten unsere Philosophie"
Hertha plagen seit Jahren finanzielle Probleme. Allerhand Rechte - für Catering und Marketing - wurden verpfändet oder verkauft, die Verbindlichkeiten konnten etwas abgebaut werden. Die Schuldenzahlen schwankten genauso wie die sportliche Leistung in den vergangenen Jahren: 2004: 16 Millionen Euro, 2006: 54 Millionen Euro, 2008: 30 Millionen Euro, 2013: 37 Millionen Euro.
"Wir haben bei der Mittelverwendung vor allem darauf geachtet, dass wir zukünftig entlastet werden. Wir werden sämtliche Verbindlichkeiten tilgen und Rechte zurück erwerben. Das führt neben der Kostenersparnis dazu, dass wir positives Eigenkapital und eine langfristige Planungssicherheit haben", so Schiller.
Doch was ändert sich dadurch? Sport-Geschäftsführer Michael Preetz sagt: "Wir werden nicht abheben, wir bleiben der gleiche Verein, wir behalten unsere Philosophie und setzen weiter auf unsere Nachwuchsakademie."
Kaufen, rentabel machen, verkaufen
Einfluss auf die sportliche Leitung - wie in der englischen Premier League beispielsweise - hat KKR allerdings nicht. In Großbritannien werden zahlreiche Vereine (unter anderem Chelsea, Manchester United, Aston Villa, Liverpool) von Investoren finanziert und zum Teil kontrolliert. Einige wie Manchester United leiden unter der Schuldenlast, die ihnen aufgebürdet wurde.
Die "50+1"-Regel der Deutschen Fußball-Liga verbietet es Kapitalanlegern allerdings, die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften zu übernehmen.
Private Equity-Unternehmen werden oft als "Heuschrecken" (Franz Müntefering) bezeichnet. Ihre Methoden sind umstritten, da sie die Schulden für den Firmenkauf den gekauften Firmen selbst auferlegen - wie eben bei Manchester United. Die müssen ihren Gewinn seit Jahren in die Entschuldung stecken.
Zwei Jahre Arbeit für Hertha-Deal
Weltweit bekannt wurde die KKR, als sie Ende der 80er Jahre für 25 Milliarden Dollar den Konzern Nabisco kaufte, in Sparten aufspaltete und über Jahre hinweg mit Gewinn verkaufte.
In Deutschland ist die Beteiligungsgesellschaft in den vergangenen Jahren als Käufer und Verkäufer etwa des Gabelstaplerherstellers Linde, der ProSiebenSat.1 Media AG, des Geldautomaten-Herstellers Wincor Nixdorf oder der Werkstatt-Kette ATU in Erscheinung getreten. Das private Vermögen der KKR-Gründer wird auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt.
Experten vermuten, dass die Hertha-Beteiligung weniger mit unmittelbaren Gewinnererwartungen zu tun hat, sondern eher dem Aufbau neuer Netzwerke in Berlin dient. Also: neue Kontakte knüpfen, Präsenz zeigen, Partnerschaften schließen.
Hertha habe an diesem Deal insgesamt zwei Jahre lang gearbeitet, sagte Schiller dem rbb. "Vor über zwei Jahren haben wir mit einer Schweizer Investmenthaus erste Kontakte geknüpft und dort eine Struktur erarbeitet, die KKR letztlich überzeugt hat." Auch die Zusammenarbeit mit KKR bestehe seit zwei Jahren, "die letzten sechs Monate dann sehr intensiv."







