
Fußball | Hertha im Trainingslager - Sprint ersetzt Kraft
Drei Hertha-Keeper haben sich im Trainingslager in der Türkei bislang verletzt: Neben Stammtorhüter Kraft fallen auch Rune Jarstein und Marius Gersbeck aus. Gersbeck wird frühestens in zwei Wochen wieder spielen können. Deshalb ließ der Verein am Sonntag den 18-jährigen Nachwuchs-Keeper Philip Sprint in die Türkei einfliegen. Der stand auch gleich beim Testspiel gegen Hannover zwischen den Pfosten.
Die Hinrunde schlossen sie auf einem sensationellen sechsten Platz ab, nun scheinen die Kicker von Hertha BSC dafür mit einem sagenhaften Verletzungspech zahlen zu müssen: Vier der fünf Torhüter fallen momentan aus.
Ersatztorwart Sascha Burchert war gar nicht erst mit ins Trainingslager geflogen, dort ging die Misere dann richtig los: Im Testspiel gegen Aarau am Samstag erwischte es Stammtorwart Thomas Kraft, der sich eine Reizung im linken Knie zuzog. Bald darauf klagte der erst vor kurzem verpflichtete Rune Jarstein über Schmerzen im Oberschenkel. Schließlich verletzte sich Nachwuchshoffnung Marius Gersbeck so schwer am rechten Knie, dass er das Trainingslager im türkischen Belek am Sonntagmorgen verlassen musste. Damit überhaupt noch jemand zwischen den Pfosten steht, wurde Herthas Nummer fünf, der 20-jährige Philip Sprint eingeflogen. "Sorgen mache ich mir nicht. Aber schön ist anders", kommentierte Berlins Trainer Jos Luhukay die Malaise am Mittelmeer. Erst vor kurzem hatte Luhukay Philip Sprint vorläufig ausgemustert und zur U23 geschickt.

Beim Aufstehen aus dem Bett verletzt
Marius Gersbeck wenigstens dürfte bald wieder einsatzfähig sein. Wie eine MRT-Untersuchung am Montag in Berlin ergab, hat sich der 18-Jährige eine Außenmeniskus-Quetschung zugezogen. Zunächst war von einer schlimmeren Verletzung ausgegangen worden. Gersbeck müsse 10 bis 14 Tage mit dem Training aussetzen, erklärte Teamarzt Uli Schleicher in einer Pressemitteilung des Vereins.
Beim Aufstehen am vergangenen Freitag hatte Gersbeck eine Blockade im Knie verspürt und ein "ungutes Geräusch" gehört. "Und dann ging nichts mehr", hatte Gersbeck gesagt. Am Sonntag war er vorzeitig zurück nach Berlin geflogen.
Der Torhüter hatte beim letzten Hinrundenspiel auswärts gegen Borussia Dortmund sein Bundesliga-Debüt gegeben und mit einer starken Leistung maßgeblichen Anteil am 2:1-Sieg der Hertha gehabt. Er war damals für den verletzten Stammkeeper Thomas Kraft eingesprungen.
Zweites Testspiel, zweites Unentschieden
Bis auf die reihenweise dahingestreckten Torhüter verlebt Hertha BSC nach Aussage von Trainer Jos Luhukay ein angenehmes Trainingslager. Sonne, angenehme 16 Grad, zwei akkurat geschnittene Rasenplätze und ein komfortables Hotel - da lassen sich die Ergebnisse der ersten Testspiele verschmerzen: Dem 1:1 gegen den FC Aarau folgte ein 0:0 gegen Hannover 96. "Ich lege nicht soviel Wert auf die Endergebnisse der Testspiele", sagte Jos Luhukay hernach. "Wir können mit einem guten Gefühl weiterarbeiten". Der Berliner Coach war nach dem Testspiel gegen den Liga-Konkurrenten froh, dass sich keine weiteren Profis Verletzungen zuzogen.
Sandro Wagner traf nur die Latte
In einer ausgeglichenen Partie hätte Stürmer Sandro Wagner für einen Sieg der Berliner gegen die Niedersachsen sorgen können, die zum ersten Mal unter ihrem neuen Trainer Tayfun Korkut antraten. Der 26-Jährige vergab mehrere Großchancen und traf in der 50. Minute die Latte. Kurz vor dem Abpfiff hatte Hertha Glück, als ein Schuss von 96-Stürmer Artjoms Rudnevs gegen den Pfosten prallte. Luhukay tauschte zur Halbzeit beinahe die komplette Mannschaft aus, nur Wagner und Torhüter Sprint blieben auf dem Rasen. Coach Luhukay lobte Sprint nach dem Spiel: "Er hat sehr gut gehalten", sagte Luhukay.
Baumjohann übt vorsichtig, Ronny wirkt fit
Rekonvaleszent Alexander Baumjohann ist unterdessen vier Monate nach seinem Kreuzbandriss wieder auf den Rasen zurückgekehrt. Der Spielmacher übt im Trainingslager bereits zaghaft mit dem Ball. Auch der zuvor für seine dürftige Fitness kritisierte Ronny scheint gestärkt aus der Winterpause hervorgegangen zu sein: Er hatte auf einen Heimaturlaub in Brasilien verzichtet und sich freiwillig in Berlin fitgehalten - in Belek wirkt er bisher voll austrainiert und fidel.
Noch ein abschließendes Testspiel gegen Borussia Mönchengladbach am kommenden Mittwoch, danach ein paar würzige Trainingseinheiten und schon geht es für Hertha in die Rückrunde. Das einzige Ziel bleibt der Klassenerhalt, beeilten sich die Verantwortlichen zu betonen. Wenn seine Mannschaft aber tatsächlich Platz sechs halten könne, sei das "eine Sensation", sagte Jos Luhukay.
Mit Informationen von Boris Poscharsky / Belek.

