Archivbild: Die Eisschnelläuferin Claudia Pechstein aus Deutschland trägt am 26.02.2006 während der Abschlussfeier der Olympischen Winterspiele die deutsche Fahne in das Stadio Olimpico in Turin. (Quelle: dpa)

Olympia: Harting für Pechstein als Fahnenträgerin - Claudia, geh Du voran!

Langsam, sehr langsam läuft die Rehabilitierung der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Nun ist sie – aufgrund ihrer Erfahrung und ihrer Erfolge – als Fahnenträgerin im Gespräch. Vom Deutschen Olympischen Sportbund kommen vorsichtige Töne der Unterstützung. Laute Zustimmung erhält die mögliche Nominierung Pechsteins für die Fahnenträgerposition vom Diskusolympiasieger.

Diskus-Olympiasieger Robert Harting hat sich rund zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi für Claudia Pechstein als Fahnenträgerin des deutschen Teams eingesetzt. "Ich finde es prima, dass sich DOSB-Präsident Alfons Hörmann für die Rückkehr Pechsteins in die Sportförderung stark macht. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ein weiterer wäre es, wenn man Claudia bei Olympia die Fahne tragen lassen würde", sagte der "Sportler des Jahres" der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Harting siegt beim ISTAF 2013 (Bild: DPA)
Robert Harting - Mit Fahnen hat er Erfahrung

Pechstein war 2006 Abschluss-Fahnenträgerin

Pechstein hatte bereits 2006 zur Schlussfeier der Winterspiele in Turin die deutsche Flagge getragen. "Sie ist die älteste Athletin im Team, zum sechsten Mal bei Olympia dabei und die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin. Sie hat es verdient. Es wäre ein Zeichen der Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht", fand Harting.

Pechstein war 2009 zwei Jahre wegen eines Blutwertes gesperrt, der als Anzeiger für Doping gewertet wurde, und so hatte sie 2010 die Spiele verpasst. Inzwischen haben Experten bei ihr eine vom Vater geerbte Blutanomalie als Grund für ihre abnormen Werte ausgemacht. Der Weltverband allerdings erkennt die Diagnosen nicht an.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann (Bild: dpa)
DOSB-Chef Alfons Hörmann

DOSB-Chef Hörmann: Fall Pechstein ermöglicht mehrere Herangehensweisen

Der neue DOSB-Präsident Hörmann hatte sich in der vergangenen Woche mit Pechstein getroffen und danach öffentlich für die Wiederaufnahme der 41 Jahre alten Athletin in die Sportförderung der Bundespolizei ausgesprochen. Bei der Auswahl der Fahnenträger sieht er sich nach eigenen Worten der Neutralität verpflichtet:  "Generell bin ich mit einem Fahnenträger aus einer Eis-Sportart ebenso glücklich wie mit einem aus dem Skisport", sagte er der "Sport Bild". Bei Pechstein müsse man zwei Dinge trennen: „Erstens: Wie empfindet man das Thema fachlich, sachlich und menschlich? Zweitens: Wie bewertet man es sportpolitisch?"

Der Fall sei insgesamt "medizinisch und juristisch" einer der komplexesten Fälle der gesamten Sportgeschichte. "Auch hier hat immer die Unschuldsvermutung zu gelten. Dieses Urteil hat das CAS gesprochen. Claudia Pechstein empfindet dieses Urteil als falsch. Moralisch unterstütze ich jeden Athleten, gegen Unrecht zu kämpfen. Aber als Sportorganisation sind wir gehalten, zurückhaltend zu sein", sagte Hörmann.

Fahnenträger soll für Leistung und Erfahrung stehen

Der DOSB-Chef gab bekannt, dass der Fahnenträger oder die Fahnenträgerin am 5. Februar mit der Teamleitung in Sotschi festgelegt werde. "Es geht dabei um Leistung und Erfahrung. Aber es geht auch darum, wer das deutsche Team am besten repräsentiert", sagte er. Von ihm werde es dazu "keine persönlichen Festlegungen geben, zumal ich als ehemaliger Präsident des Deutschen Skiverbandes besonders zur Neutralität verpflichtet bin."

Hörmann würde die Fortsetzung von Pechsteins Karriere nach Sotschi begrüßen. "Es klingt vielleicht hart, aber der größte Rückschlag für die DESG, die in der Vergangenheit goldene Zeiten erlebt hat, wäre es wohl, wenn Claudia Pechstein nach Olympia ihre Karriere beenden würde." Es sei derzeit nicht erkennbar, wer diese Lücke auch nur annähernd schließen könnte.

1984 führte zuletzt eine Eisschnellläuferin die deutsche Mannschaft ins Rund

Harting hatte seinen Einsatz für Pechstein auch mit der derzeitigen Schieflage im Anti-Dopingkampf begründet: "Jeder sollte sich vor Augen führen, dass ein Lance Armstrong Millionen damit verdient hat, dass er Doping zugab. Eine Claudia Pechstein verlor ihr gesamtes Vermögen, weil sie ihre Unschuld juristisch beweisen musste. Kurz: Der eine verdient schuldig Geld, die andere verliert unschuldig alles. Das ist pervers."

2006 hatte die Biathletin Kati Wilhelm die deutsche Flagge getragen, 2010 , als Pechstein aufgrund ihrer Sperre nicht antreten durfte,  Bobpilot André Lange. Die bundesdeutsche Athletin Monika Pflug war 1984 in Sarajewo die letzte Eisschnellläuferin, die eine deutsche Mannschaft zum Auftakt von Winterspielen anführen durfte.

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