Herthas Tolga Cigerci, Sami Allagui, John Anthony Brroks und Sebastian Langkamp freuen sich über ihren 1:2 Auswärtssieg in Stuttgart (Quelle: dpa)

Fußball | Auswärtsspiel gegen VfB - Aus Stuttgart mit drei Punkten

Es war eine Art Auftragssieg: In der Rückrunde hatte die Hertha in vier Spielen drei Niederlagen hinnehmen müssen und brauchte dringend einen Dreier. Auch wenn es holprig war und der Siegtreffer erst wenige Minuten vor Schluss fiel - die Hertha holte diese ersehnten Punkte bei den Schwaben und schoss Stuttgart noch tiefer in die Krise.

Hart umkämpft und sehr, sehr glücklich: Hertha BSC hat beim VfB Stuttgart ein 2:1 errungen und damit in die Erfolgsspur zurückgefunden. Der eingewechselte Sandro Wagner besiegelte drei Minuten vor Abpfiff mit seinem Treffer zum 2:1 (1:1) den so erhofften Sieg der Berliner - und die siebte Niederlage der Schwaben nacheinander.

Lange hatte es zumindest nach einem Punktgewinn für Stuttgart ausgesehen - doch die Berliner waren einfach spielerisch überlegen.

Vor 45.700 Zuschauern brachte Lewan Kobiaschwili (5. Minute) die clever auftretende Hertha in Führung, ehe Arthur Boka (45.) kurz vor dem Pausenpfiff mit einem wuchtigen Schuss aus 20 Metern der Ausgleich gelang. Die Hertha machte dank des zehnten Dreiers einen weiteren Schritt in Richtung Europa-League-Ränge. Vor allem dank Wagner, der in der 80. Minute eingewechselt wurde, dann traf und zwei Minuten nach Ablauf der regulären Spielzeit noch mit Gelb-Rot vom Platz musste.

Frühe Führung nach nur fünf Minuten

Gerade einmal fünf Minuten hatte die Hertha gebraucht, um vorzulegen: Adrian Ramos spitzelte den Ball nach der ersten Ecke für die Berliner weiter an Kobiaschwili, der sich aus wenigen Metern die Gelegenheit zur Führung nicht nehmen ließ. Mit 36 Jahren und 227 Tagen ist der georgische Dauerbrenner nun der älteste Torschütze in der Bundesliga-Geschichte der Hertha.

Die Führung gab dann den Berlinern Sicherheit. Sie übernahmen das Kommando und attackierten früh. Der VfB, der auf der Doppelsechs auf Arthur Boka und Rani Khedira setzen musste, hielt aber dagegen. Mit zunehmender Dauer schien der Startschock verdaut. Martin Harnik (11.) prüfte dann Berlins Keeper Thomas Kraft. Die Stuttgarter zeigten Wille, Einsatz - es tauchten jedoch die alten Mängel auf: In der Defensive fehlt die Sicherheit, in der Offensive gelingt der entscheidende Pass in die Tiefe nicht.

Der Herthaner Marcel Ndjeng bedrängt von mehreren Stuttgarter Spielern
Herthas Marcel Ndjeng geht bedrängt von gleich mehreren Stuttgartern zu Boden

Die Hertha kann sich auf ihre Auswärtsstärke verlassen

Beflügelt vom Vertrauen auf ihre Auswärtsstärke  - vier Siege aus den vergangenen fünf Auswärtsspielen - und von dem frühen Führungstor agierte dann die Hertha: Ramos (28.) ließ VfB-Kapitän Georg Niedermeier aussteigen, drosch den Ball aber weit übers Tor.

Auf der Gegenseite aber machte es dann Kraftpaket Boka besser. Nach einer Ecke von Alexandru Maxim faustete Torwart Kraft den Ball vor die Füße des Ivorers, der aus 20 Metern den Ausgleich schaffte.

Nach dem Wechsel dann sorgte die Hertha mit ihren rasanten Kontern für Gefahr beim VfB. Die Mannschaft wollte mehr. Immer wieder drängte das Luhukay-Team die Stuttgarter in ihre eigene Hälfte.

Doch dann kam Cacau (67.) für den unauffälligen Mohammed Abdellaoue bei den Stuttgartern und beflügelte das Spiel der Schwaben. Einen Maxim-Freistoß leitete der gebürtige Brasilianer an Harnik weiter, der den Ball aber nicht kontrolliert verarbeiten konnte. Aus rund 25 Metern nahm sich dann für die drängenden Schwaben Gotoku Sakai (78.) ein Herz, Kraft war jedoch zur Stelle und parierte.

Doch all die Bemühungen der Stuttgarter blieben ergebnislos. Und Wagner sorgte dann nur wenige Minuten vor Schluss für den K.O. des VfB.

Das Spiel in Zahlen

VfB Stuttgart: Ulreich - Schwaab (90.+4 Haggui), Rüdiger, Niedermeier, Gotoku Sakai - Khedira (76. Yalcin), Boka - Harnik, Maxim, Timo Werner - Abdellaoue (67. Cacau). - Trainer: Schneider

Hertha: Kraft - Pekarik, Sebastian Langkamp, Kobiaschwilli, van den Bergh - Hosogai - Ndjeng (85. Brooks), Nico Schulz (80. Wagner) - Cigerci - Allagui, Ramos (90.+3 Niemeyer). -Trainer: Luhukay

Schiedsrichter: Robert Hartmann (Wangen)
Tore: 0:1 Kobiaschwilli (5.), 1:1 Boka (45.), 1:2 Wagner (87.)
Zuschauer: 45.700
Beste Spieler: Boka, Timo Werner - Cigerci, Hosogai
Gelb-Rote Karte: Wagner wegen Foulspiels (90.+2)
Gelbe Karten: Allagui (2)
Torschüsse: 14:9
Ecken: 5:8
Ballbesitz: 50:50 Prozent

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