
Fußball | Hertha verliert umstritten - Schiedsrichter im Mittelpunkt
Rückrundenfehlstart für Hertha BSC: Nach zwei Spielen stehen zwei Niederlagen auf dem Konto der Berliner. In beiden Partien konnten sie nicht vollends überzeugen, doch beide Male hatten sie auch Pech mit Entscheidungen der Schiedsrichter. Auch das Geld spielte am Sonntag wieder eine große Rolle.
Wenn nach einem Fußballspiel mehr über den Schiedsrichter als über schöne Tore, tragische Helden oder katastrophale Abwehrfehler gesprochen wird, dann ist das meistens ein schlechtes Zeichen. Die Sonntagspartie zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Nürnberg ist ein Lehrbeispiel dafür. Was war passiert?
88. Minute im Berliner Olympiastadion: Hertha liegt 1:2 zurück. Nürnberg-Torwart Schäfer klärt einen Ball per Grätsche, der Ball landet 25 Meter vor dem Tor - bei Ronny. Der Brasilianer nimmt ihn direkt, der Ball fliegt in hohem Bogen in den linken Winkel des Club-Gehäuses. Dort springt Petrak hoch und klärt per Hand, Ramos schießt den Ball zur Sicherheit noch über die Linie. Schiedsrichter Weiner zögert nicht: Rote Karte für Nürnberg, Elfmeter für Hertha.
Doch dann meldet sich Assistent Grudzinski, die beiden besprechen sich. Weinert nimmt seine Entscheidung - für alle überraschend – zurück. Warum? Sein Assistent moniert eine Abseitsposition, Ramos soll bei der Bogenlampe von Ronny im (passiven) Abseits gestanden und gleichzeitig den Torwart behindert haben (dann also aktiv). Weiner sagte später selbst: "Eine komplexe Situation. Da spricht man in Ruhe und fällt dann seine Entscheidung."
Das Spiel begann eigentlich nach Plan
Fraglich ist allerdings, ob der Nürnberger Torwart jemals an den Ball gekommen wäre. "Albern, Schäfer hatte keine Chance mehr", bilanzierte auch Hertha-Manager Michael Preetz. "Rot und Elfmeter. Da war sonst gar nichts." Dass Nürnberg ein paar Minuten später selbst einen Elfmeter zugesprochen bekam, und Drmic ihn verwandelte (94.), war für die Berliner negativer Höhepunkt des Nachmittags. 1:3 statt 2:2. Auf Platz acht steht die Hertha nun, Rang sechs wäre es bei einem Sieg gewesen.
Auch Trainer Jos Luhukay haderte mit dem Schiedsrichter und beklagte nach dem 19. Spieltag und einem Null-Punktestart in die Rückrunde das verloren gegangene Glück. "Ein Schiedsrichtergespann muss ein Spiel leiten und sollte nicht der Hauptdarsteller sein", so Luhukay. Er hatte sich schon eine Woche zuvor beim 0:1 in Frankfurt bei einer Entscheidung mit möglichem Rot und Elfmeter benachteiligt gefühlt hatte. Dort war Ramos im Strafraum mehrfach mit dem Ellenbogen bearbeitet worden.
"Die zwei Spiele sind einfach nicht glücklich verlaufen", sagte Luhukay am Sonntagabend dem rbb. Er wusste aber auch, dass die Niederlage nicht nur bei den Unparteiischen zu suchen ist. "Wir haben es verpasst, mit einer Führung in die Halbzeit zu gehen. Davor hatten wir unsere besten Chancen. Es war ein Spiel auf ein Tor."
Das Spiel begann nach Plan. Durch ihren Toptorschützen Ramos waren die Berliner mit 1:0 in Führung (4. Minute) gegangen. Doch Markus Feulner (20.) und Drmic (68.) drehten vor 37.483 Zuschauern das Ergebnis. Korrekt war die Entscheidung Weiners, in der vierten Minute der Nachspielzeit nach Foul von Marcel Ndjeng an Drmic Strafstoß für Nürnberg zu geben. Der Gefoulte traf selbst zum Endstand (94.).

"Wir werden nicht mit dem Geldbeutel losziehen"
Wohin geht die Berliner Reise nun? "Ich habe immer gesagt, dass der Klassenerhalt unser Ziel ist. Wenn wir am 30. Spieltag immer noch da oben stehen, dann können wir die Europapokal-Plätze anstreben. Wir sind aber weit entfernt davon. Jetzt müssen wir erst einmal in die Erfolgsspur zurückfinden." Die Chance dafür bietet sich am kommenden Samstag beim kriselnden Hamburger SV. Dort trifft Hertha dann auch auf den ausgeliehenen Pierre-Michel Lasogga. Der soll, so Preetz am Sonntag, wieder zurück in die Hauptstadt.
Die zweite Niederlage hintereinander passte auch nicht so recht zum Berliner Stimmungsbild. Am Freitag waren die positiven Wirtschaftsnachrichten das Thema in der Hauptstadt. Dort hatte Hertha einen Anteilsverkauf von 9,7 Prozent an eine US-Beteiligungsgesellschaft verkündet. Insgesamt investiert der Finanz-Investor KKR 61,2 Millionen Euro. "Wir sind nicht reich. Aber wir haben den wichtigsten Meilenstein in der Geschichte von Hertha BSC erreicht", jubilierte Finanzvorstand Ingo Schiller. Was bedeutet das eigentlich für den Trainer? "Wir haben noch kein Wort darüber gesprochen", so Luhukay im rbb. "In erster Linie geht es darum, dass die Schuldenlast weg ist. Wir werden im Sommer aber nicht mit einem großen Geldbeutel losziehen und Topstars nach Berlin holen. Ich hoffe, dass es uns die Arbeit erleichtert, Hertha durch ein paar Verstärkungen in der Bundesliga zu etablieren."
Seit der Verkündung der Millionen-Spritze waren auch Hoffnungen aufgekeimt, Adrian Ramos doch noch in Berlin halten zu können. "Es wird schwer. Wir haben ihm einen Vertrag angeboten. Es geht dabei nicht um das Geld. Es wird für uns sportlich schwer, ihn zu halten", so Luhukay. Ihm und Pierre-Michel Lasogga wurden, so Preetz am Sonntag, unterschriftsreife Verträge vorgelegt, beide sollen also gehalten werden.
Dass die Fans die Finanzmeldungen nicht ausschließlich positiv werteten, war am Sonntag im Olympiastadion kaum zu übersehen. Dort fragten die Fans auf großen Spruchbändern: "Ein wunderbarer Tag für alle Herthaner?", oder: "Partner von der Wall Street - ein Pakt mit dem Teufel?" Es sind Fragen, die die Verantwortlichen nun beantworten müssen.



