Tolga Cigerci und Johannes van den Bergh (r). nach der Wolfsburg-Pleite (Quelle: imago)

Hertha nach der Wolfsburg-Pleite - Wie in Hamburg, nur ohne Punkte

Viele Chancen, viel Kampf, aber keine Punkte: Hertha hat das Duell der Euroleague-Anwärter gegen Wolfsburg verloren. Was vor einer Woche in Hamburg noch klappte, ging am Sonntag schief. Besonders geknickt wirkten Spieler und Verantwortliche am Montag aber nicht mehr. Streicheleinheiten gab es für den glücklosen Topstürmer Adrian Ramos.

Das Lächeln ist zurück bei Hertha BSC. Vom Ärger über die bittere 1:2-Heimpleite am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg war bei den Berliner Protagonisten am Montag nicht mehr viel zu spüren. "Wir haben die entscheidenden Momente verpasst, um den VfL zu knacken. Uns fehlte das zweite Tor", analysierte Chefcoach Luhukay die fünfte Saisonniederlage im eigenen Stadion.

Das Problem: keine Effizienz im Abschluss

Mehr haben nur der Tabellenvorletzte Hamburger SV (dort wurde Mirko Slomka am Montag als neuer Trainer vorgestellt) und der Letzte Braunschweig (je 7) auf dem Konto. Eigentlich sei das Spiel der Berliner identisch gewesen mit dem 3:0 in Hamburg zuvor, bemerkte der Niederländer. "Wir waren taktisch gut, haben das Spiel kontrolliert und hatten ein gutes Umschaltspiel. Nur die Effizienz hat gefehlt."

Vor allem Liga-Toptorjäger Ramos fehlte dieses Mal die Konsequenz im Abschluss. "Adrian ist auch ein normaler Mensch, der nicht immer den Unterschied ausmachen kann", verteidigte Luhukay den Kolumbianer. 14 der insgesamt 32 Hertha-Treffer in der Bundesliga hat Ramos seit dem Wiederaufstieg im Sommer schon erzielt. Dazu kommen fünf Torvorlagen. Der 28-Jährige spielt die wohl beste Saison seiner Karriere.

Damit hat der Stürmer einen wesentlichen Anteil daran, dass der Aufsteiger mit dem Abstiegskampf in dieser Spielzeit bisher nichts zu tun hatte und als Achter (31 Punkte) sogar noch ein wenig an den Startplätzen für die Europa League schnuppert.

Adrian Ramos (Quelle: dpa)
Durfte am Sonntag ausnahmsweise nicht jubeln: Adrian Ramos

Hertha ist abhängig von Ramos

Der Nebeneffekt wurde gegen die ambitionierten Wolfsburger besonders deutlich: Wenn der 22-malige kolumbianische Nationalspieler nicht trifft, wird es schwer für die Berliner. "Hätte Adrian die letzte Schärfe in seinen Aktionen gehabt, hätte ich sehen wollen, wie Wolfsburg nochmals zurückkommt", sagte Luhukay. Hertha ist abhängig von Ramos.

Neben dem besten Ligaschützen haben in dieser Saison nur sechs weitere Herthaner überhaupt das Tor getroffen. Und gerade Sami Allagui (7) und Ronny (4) sind von ihrer Bestform im Moment weit entfernt, Änis Ben-Hatira (3) ist nach einer Verletzungspause gerade erst zurück.

Keine Chance gegen Dortmund und Atletico

"Wir machen es diese Saison sehr gut, müssen uns nur noch mehr belohnen, vorne eiskalt sein", bemerkte der Ex-Wolfsburger Tolga Cigerci. Wegen einer Handverletzung musste er am Montag ebenso mit dem Training aussetzen wie 1:0-Torschütze Per Skjelbred und Ersatz-Torwart Marius Gersbeck (beide Magen-Darm-Infekt). "Normal müssen wir drei Punkte holen.

Luhukay hat schon Pläne für die Zeit ohne Ramos im Kopf, denn er kennt das Geschäft genau. "Wenn Topmannschaften Interesse haben, auch internationale, wird es schwer", sagte der Trainer am Montag. Zwar hat Hertha seinem Topspieler ein neues Vertragsangebot unterbreitet. Doch mit Borussia Dortmund oder Atletico Madrid kann der Hauptstadtclub trotz der neuen Millionen eines US-Finanzinvestors nicht mithalten. "Es geht ihm nicht nur um finanzielle Dinge", erklärte Luhukay: "Natürlich würde ich ihn sehr gern behalten aus sportlicher Sicht. Aber wir können Adrian keine Champions League bieten."

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Adrian Ramos - kolumbianischer Stürmer in Diensten von Fußball-Bundesligist Hertha BSC (Bild: dpa)

Laut "Sport Bild" - Ramos-Wechsel nach Dortmund ist offenbar perfekt

Während die Geschäftsstelle von Hertha weiterhin dementiert, scheint der Wechsel von Adrian Ramos zu Borussia Dortmund perfekt zu sein. Das berichtet die "Sport Bild" unter Berufung auf eigene Recherchen. 11 Mio. Euro soll der Kolumbianer kosten. Wirtschaftlich betrachtet, wäre der Deal für Hertha ein Gewinn, sportlich aber ein schwerer Verlust.