1999: Cottbus-Trainer Eduard Geyer (l.) und Präsident Dieter Krein (Quelle: imago)

Fußball | Serie: Energie vor dem Abstieg - "Die Mannschaften vor uns müssten den Spielbetrieb einstellen"

Dieter Krein war viele Jahre der Präsident von Energie Cottbus. Gemeinsam mit Manager Stabach und Trainer Ede Geyer führte er den Klub Mitte der 1990er Jahre aus der vierten bis in die 1. Liga. Inzwischen ist er nicht mehr im Amt, aber das aktuelle Schicksal von Energie bewegt ihn trotzdem. Denn der Fußball-Zweitligist steht vor dem Abstieg. Andreas Friebel hat einen sehr nachdenklichen Ex-Präsidenten getroffen - und macht damit den Auftakt zu einer rbb-online-Serie zum Abstiegskampf der Lausitzer.

Elf Jahre stand Dieter Krein an der Spitze des FC Energie Cottbus. Nachdem der Klub 2005 finanzielle Probleme bekam, musste er gehen. Aber noch heute ist er einer der populärsten Persönlichkeiten des Cottbuser Fußballs.

Sein Wort hat in der Öffentlichkeit Gewicht. Schon im November letzten Jahres hatte er offen von Abstieg gesprochen - und wurde dafür von der aktuellen Klubspitze angezählt.

"Der Grundfehler war, dass man den Trainer Stephan Schmidt eingesetzt hat: Der letzte Höhepunkt der schiefgegangenen Maßnahmen. Und ich hoffe, dass es mit Jörg Böhme ein Stückchen Erfolg, ein Stückchen Hoffnung aufkommt. Ich will es dabei belassen, ich will sachlich kritisieren und helfen. Da muss man natürlich zuhören und nicht gleich so tun, als hätte man einen neuen Feind gefunden."

Nicht nur Profizeugs im Schädel

Sollte Cottbus tatsächlich in die 3. Liga absteigen, sieht der Ex-Präsident kaum Chancen auf eine schnelle Rückkehr. Auch weil die Nachwuchsarbeit in den letzten Jahren konsequent vernachlässigt wurde. Ein Team aus der Region, das gemeinsam für die Lausitz kämpft, wie 1997 beim legendären Pokalfinale gegen Stuttgart oder den gewonnen Aufstiegsspielen zur 2. Liga gegen Hannover 96 - es ist nicht da.

"Das war dann die entscheidende Phase, wo du dir etwas erkämpft hast. Mit Leib und Seele. Und einer Mannschaft, die nicht nur Profigedanken im Schädel hatten. Das waren einfach Jungs, das war eine Mannschaft. Die haben gekämpft und die haben das geschafft, was eigentlich unmöglich war."

Es gibt nur noch eine Hoffnung

Der Aufstieg in die 2. Liga und drei Jahre später sogar in die Bundesliga. Das ganze aber immer ohne Druck von außen. Bescheidenheit war in der Lausitz die Devise. Mit dem Herzen dabei sein- das vermisst der inzwischen 72-jährige heute bei Energie. Hoffnung auf den Klassenerhalt gibt es nur noch in einem Fall.

"Die Mannschaften vor uns müssten den Spielbetrieb einstellen. Es kann natürlich – wenn sensationelles passiert – doch noch eine Hoffnung bestehen, den Relegationsplatz zu erreichen. Aber wenn man 20 Jahre in dem Geschäft war, wird man realistisch."

Und diese Realität heißt: 3. Liga. Dort sollte nach Meinung von Dieter Krein ein Neuanfang in allen Bereich stattfinden. Als Präsident will er aber nicht mehr zurückkehren. Er hat sein Fußball-Wunder mit Cottbus schon geschafft.

Beitrag von Andreas Friebel

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