
Fußball | Spitzenspiel gegen Bayern - 11 Spielverderber für die Feierbiester
Rein rechnerisch hat bisher keine Mannschaft in dieser Saison so gut gegen die Über-Bayern gespielt wie Hertha BSC: Die Berliner trotzten den Münchnern beim Hinspiel ein 2:3 ab und könnten nun den historischen März-Meistertitel verhindern. Allerdings geht die Mannschaft von Jos Luhukay geschwächt in die Partie. Hertha-Manager Preetz freut sich trotzdem: Für solche Spiele habe man hart gearbeitet.
Eine spezielle Überraschung für Pep Guardiola hat Hertha BSC nicht vorbereitet. "Nein, das ist nicht unsere Aufgabe. Und wenn es wirklich so kommt, dann werden wir ihm herzlich gratulieren", sagte Berlins Manager Michael Preetz. Am liebsten würde er aber mit seinem Team den Partyschreck spielen und den Titelgewinn des FC Bayern schon am 27. Spieltag verhindern. "Beim Hinspiel konnten unsere Jungs zeigen, dass es großen Spaß macht. Wir hatten die Bayern beim 2:3 mindestens am Rande eines Punktverlustes, vielleicht sogar einer Niederlage", bemerkte Preetz.
Die Vorzeichen sind an diesem Dienstag im Olympiastadion allerdings eindeutig: Der zuletzt schwächelnde Tabellen-Neunte braucht schon ein kleines Wunder, um die Rekordfeier der Bayern zu verschieben. "Wir müssen als Team annähernd eine Leistung abrufen wie in München", forderte Hertha-Coach Jos Luhukay: "Das sind die Momente, in denen man noch mehr Anerkennung bekommen kann."
Luhukay sieht Chance von zehn Prozent
Dass Hertha seit vier Spielen ohne Sieg ist und am Samstagabend bei Borussia Mönchengladbach schon das zweite 0:3 nacheinander kassierte, interessiert Luhukay vor dem Top-Spiel nicht die Bohne: "Ob in einer guten oder weniger guten Phase: Wenn Bayern München kommt, hat man vielleicht eine Zehn-Prozent-Chance zu gewinnen. Wir müssen versuchen, unser Spiel umzusetzen und den Fans etwas zu bieten."
Allerdings steckt der Aufsteiger nach einer starken ersten Halbserie 2014 in einem sportlichen Tief. "Wir sind nicht in der gleichen Phase wie beim ersten Spiel", räumte Luhukay vor der Heimpartie vor 76.197 Fans im ausverkauften Olympiastadion ein. Hertha ist vier Spiele ohne Sieg, hat in diesem Jahr zu Hause überhaupt noch nicht gewonnen.

Ausfälle schwächen die Berliner
"Die Serie schreckt mich nicht. Auch Mannschaften, die über uns stehen, durchleben schwierige Phasen", erklärte Luhukay. "Ich sehe es nüchtern und realistisch: Wir sind ein Aufsteiger, der in der Hinserie häufig am Limit und über seinem Maximum gespielt hat. Wenn wir dann, so wie in den letzten Wochen, Leistungsträger nicht auf dem Platz haben, dann ist das für uns schwierig, Topleistungen abzurufen", sagte Luhukay dem TV-Sender Sky.
Vor allem die längerfristigen Ausfälle von Kapitän Fabian Lustenberger oder Mittelfeldkämpfer Tolga Cigerci bringen Hertha derzeit aus dem Rhythmus. "Wir werden versuchen, so gut wie möglich unsere Leistung im positiven Sinn umzusetzen", versprach der Luhukay. Ein wenig aber fehlt auch dem Niederländer die Überzeugung: "Wir müssen sehen, wie weit wir in der Lage sind, Widerstand zu leisten." Auch Alexander Baumjohann kämpft nach langer Verletzungspause noch um den Anschluss. Verletzt ist zudem Ersatztorwart Sascha Burchert. Nach der fünften Gelben Karte ist Innenverteidiger Sebastian Langkamp für die Partie gesperrt.
Lewan Kobiaschwili und Marcel Ndjeng sollen gegen die Münchner in den Hertha-Kader zurückkehren. Zum 18er-Aufgebot von Trainer Luhukay gehört auch der gerade 19 Jahre alt gewordene Abwehrspieler Anthony Syhre aus dem U23-Team.
Rechenspiele zur März-Meisterschaft
Luhukay freut sich auf das Kräftemessen des Aufsteigers mit den übermächtigen Bayern, die sich am Dienstag als erste Mannschaft in der Bundesliga-Geschichte den Titel bereits im März sichern könnten - sofern sie gegen Hertha gewinnen.
Nur, wenn Dortmund gegen Schalke verliert oder die beiden Unentschieden spielen, würde Bayern gegen Hertha auch ein Remis reichen, um Meister zu werden. Aber auch, wenn Hertha wider Erwarten gewinnen sollte, könnte Bayern die Meisterschaft vorzeitig feiern - vorausgesetzt, Dortmund und Schalke würden Unentschieden spielen.
Aber wie immer es auch kommen mag - für Jos Luhukay ist das Spiel gegen den FCB in jedem Fall einer der Saison-Höhepunkte: "Wenn man sich nicht darauf freuen würde, hätte man seinen Beruf verfehlt. Das gilt für die ganze Mannschaft, für den Trainerstab und alle Menschen, die ins Stadion kommen." Das sieht auch Herthas Manager Michael Preetz so: "Wir haben ein Jahr hart gearbeitet, um wieder diese Spiele erleben zu dürfen."
Pep Guardiola will keine Weißbier-Dusche
Generell werde die erdrückende nationale Dominanz der Bayern noch über Jahre anhalten, meinte Preetz. "Ich sehe im Moment in der Liga keine Mannschaft, die in der Lage ist, in den nächsten Jahren den Abstand zu Bayern München zu verkürzen. Dieser Verein hat sich seinen Status einfach durch herausragende Arbeit in den vergangenen vier Jahrzehnten verdient."
Für den Meister in spe wäre eine ausgiebige Feier im Berliner Olympiastadion keine Neuheit: Schon im Mai 2010 reckte der Rekordmeister hier die Schale in die Höhe, während die Berliner in die zweite Bundesliga absteigen mussten. Unvergessen sind die Jagdszenen auf den damaligen Bayern-Trainer Louis van Gaal, der viele Meter im Vollsprint zurücklegte und so der Weißbier-Dusche seiner Schützlinge entgehen wollte.
Pep Guardiola allerdings hat schon angekündigt, keinen zweiten Anzug mit nach Berlin nehmen zu wollen: "Ich bleibe nicht auf dem Platz, ich gehe in die Kabine", sagte Guardiola am Montag. Dass er mit dem Titel rechnet, geht auch daraus hervor, dass er seinen kompletten Kader mit nach Berlin nehmen wird.

Kaderplanung läuft schon
Mut sprach Gladbachs Chefcoach Lucien Favre den Berlinern zu. "Hertha war bisher die beste Mannschaft, die gegen Bayern gespielt hat. Beim 2:3 in München haben sie unverdient verloren", sagte der ehemalige Berliner Trainer: "Es ist eines der besten Auswärtsteams der Liga." Allerdings hakt es derzeit vor allem auch zu Hause: 2014 gab es noch keinen Heimsieg für die Herthaner.
Für die kommende Saison hat Trainer Luhukay bereits für fast alle Positionen Verbesserungsbedarf angemeldet. "Wir werden uns in der Abwehr, im Mittelfeld und im Angriff verstärken", kündigte der Niederländer in der "Berliner Morgenpost" an. "Ich denke, dass wir etwa vier Spieler holen müssen, um wieder gut aufgestellt zu sein", konkretisierte der Coach, betonte allerdings: "Wir können im Sommer keine großen Transfers tätigen."
Bayern BSC gegen FC Hertha München
Wenn am Abend Rot gegen Blau im Olympiastadion aufläuft, dann sind das natürlich Bayern-Profis und Hertha-Spieler, allerdings auch Ex-Herthaner und ehemalige Bayern. Beide Vereine kleben irgendwie aneinander, weil in jeder Saison und über die Jahre auf nahezu allen Positionen Spieler hin- und herwechselten. Hier elf Freunde samt Trainer und Manager, geprägt von der Hertha, von denen dann auch Bayern profitierte. Manchmal, aber nur manchmal, war es auch ein wenig umgekehrt.




