
Sotschi 2014 | Nach Kufen-Eklat - Landessportbund kritisiert Bestrafung von Bobpilot Machata
Jetzt schaltet sich auch der Brandenburger Landessportbund ein: Nach der Disziplinarstrafe für den Potsdamer Bob-Piloten Manuel Machata hat der LSB den Bob- und Schlittenverband scharf kritisiert. Der Ex-Weltmeister habe nichts Unrechtes getan, als er in Sotschi seine 30.000 Euro teuren Kufen an einen russischen Kollegen weitergab. Dieser war damit zur Goldmedaille gerast.
Der Landessportbund Brandenburg (LSB) hat die Sperre für Manuel Machata kritisiert und den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) aufgefordert, die Strafe gegen den Potsdamer Bobpiloten zurückzunehmen. Machata müsse "eine weitere sportliche Perspektive" ermöglicht werden, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes vom Dienstag.
Die harte Bestrafung löste beim LSB-Präsidium Unverständnis aus. "Nach jetzigem Erkenntnisstand hat Machata gegen keine Bestimmungen oder Vereinbarungen verstoßen, die eine solche Maßregelung rechtfertigen", erklärte LSB-Präsident Wolfgang Neubert und kritisierte zudem das Verhalten des BSD. "Wir haben Verständnis für die Enttäuschung des Verbandes über das Abschneiden der Bobsportler bei den Winterspielen in Sotschi, erwarten aber dennoch
ein sachliches und korrektes Vorgehen und keinen Aktionismus."

30.000 Euro teure Kufen verhalfen Subkow zum Sieg
Der BSD hatte den für den SC Potsdam startenden Bobpiloten wegen seiner umstrittenen Kufen-Leihgabe mit einer einjährigen Wettkampfsperre und einer Strafe in Höhe von 5.000 Euro belegt. Es gilt allerdings als wahrscheinlich, dass Machata Einspruch gegen das Urteil einlegen wird.
Der Ex-Weltmeister war vom BSD nicht für die Olympischen Winterspielen von Sotschi nominiert worden und hatte daraufhin seine Kufen dem russischen Piloten geliehen. Der Russe war daraufhin zum Doppel-Olympiasieg gefahren, während die deutschen Bobpiloten erstmal seit 50 Jahren ohne olympische Medaille nach Hause fahren mussten.
Harte Strafe soll nationale Interessen wahren
Machata hatte für die Kufen laut eigener Angaben 30.000 Euro bezahlt und die Leihgabe mit einer Vereinbarung mit seinem Schweizer Hersteller begründet. Kritik daran hatte er zurück gewiesen. Andere hätten vor ihm auch schon Kufen verliehen, er könne die ganze Aufregung nicht verstehen und lasse sich nicht als Verräter hinstellen.
"Natürlich ist uns bekannt, dass auch in der Vergangenheit Kufen international verliehen und gehandelt wurden. Diese Verfahrensweise habe ich schon immer kritisch gesehen," erläuterte BSD-Präsident Andreas Trautvetter jetzt die Strafe gegen Machata. "Wir werden die Olympischen Winterspiele von Sotschi zum Anlass nehmen, um klare Regelungen für deutsche Athletinnen und Athleten in unseren Regularien festzulegen. Diese relativ harte Strafe gegen Manuel Machata soll ein erster Schritt sein, um nationale Interessen zu wahren," so Trauvetter weiter.
Unterstützer starten Petition gegen eine Strafe
Der Viererbob-Weltmeister von 2011 habe "mit seinem Verhalten den Interessen des Verbandes großen Schaden zugefügt," führte der Verbandspräsident weiter aus. Das Präsidium sehe aber zwischen der Kufen-Leihgabe und dem schlechten Abschneiden seiner Bobteams bei den Olympischen Winterspielen keinen Zusammenhang.
Unterstützter von Manuael Machata reagierten auf facebook mt Unverständnis auf die Strafe. Sie starteten auf der Website open-petition eine Petition an den Deutschen Bob- und Schlittenverband, in der sie fordern, Machata nicht zu bestrafen. Darin sprechen sie von einer "sportlich absolut fairen Geste", die den "olympischen Gedanken in vorbildlichen Art und Weise" mit Leben fülle. Die Petition hatte am Montagnachmittag allerdings erst rund 100 Unterstützer.


6 Kommentare
Man stelle sich vor ,Manuel Machata hätte SEINE Kuven den Amerikanern "verkauft", wäre er dann auch bestraft worden???Ich glaube auch dieser "Fall" passt genau in die Strategie des "schlechtmachens" der Olympiade in Sotschi ,und die Wiederaufbelebung des "Kalten Krieges".Die Verantwortlichen sollten sich schämen.Und an Manuel ,gehe doch nach Monaco ,die können bestimmt einen guten Bobfaherer gebrauchen.
Die "Bestrafung" Manuel Machatas ist Ausdruck der Hilflosigkeit des Verbandes und des Bundestrainers, mit den schlechten Ergebnissen von Sotschi umzugehen. Es ist ein Totalversagen festzustellen; nur die Funktionäre des Verbandes wollen oder können das nicht begreifen. Ihnen kann man nur dringend einen Rücktritt empfehlen, damit ein Neuanfang möglich ist. Mit der alten Funktionärsriege wird das nichts. Manuel Machata wird bei diesem Neuanfang eine wichtige Rolle spielen und im nächsten Winter beweisen, dass er ein Spitzenathlet ist (vielleicht mit Kevin Kuske im Bob).
Ja, so ist das; hier werden die Unterschiede zwischen Ost und Westwieder mal deutlich. Die bayrischen Rodler sind unter Leitung des Herrn Hackl egoistisch, aber "patriotisch". MIRI braucht keine Olympianorm schaffen. Evi Sachenbacher-Stehle ist arm dran, es waren die Anderen, bei Pechsteins wäre das Anders. Und bei Manuel Machata waren es seine Kufen und nicht die falsche Bobpolitik der Oberen. UNGLAUBLICH.
Wird jetzt der Hackl Schorsch auch bestraft, wenn er als vom Verband Bezahlter "sein" Material nicht allen Sportlern der Republik zur Verfügung stellt? Zweierlei Maß!!!
Die Sperre ist lächerlich und wird meiner Einschätzung nach keinen Bestand haben. Es gibt keine Rechtsgrundlage dafür, und wenn Machata vor ein ordentliches Gericht zieht, werden die Richter den offenbar hoffnungslos überforderten Verbandsheimern die Leviten lesen. Es zeigt aber die ganze Nervosität in der Szene: Wenn keine Medaillen mehr geliefert werden, ist es ziemlich schwer zu erklären, warum sich Deutschland als einziges Land für viele Millionen vier Kunsteisbahnen leistet plus die dazugehörigen Piloten plus eine Heerschar von Entwicklern beim FES, die es ja wohl auch nicht mehr bringen.
Ich finde diese Strafe total unangemessen. Er hat die Kufen aus eigener Tasche bezahlt, daher ist
ihm nach dem bisherigen Regelwerk nichts vorzuwerfen. Für mich sieht das nach einem Racheakt aus,
mit dem der Bobverband vom miserablen Abschneiden bei Olmypia ablenken will. Der Verband sollte
sich stattdessen lieber fragen, warum die eigenen Kufen offenbar nicht konkurrenzfähig waren.