Bob-Pilot Manuel Machata aus Potsdam (dpa-Archivbild von 2011)

rbb-Exklusiv-Interview zum Streit um Kufen - Machata will gerichtlich gegen seine Sperre vorgehen

Im Streit um die Wettkampfsperre des Potsdamer Bobpiloten Manuel Machata äußert sich nun der Sportler selbst: Er will sich vor Gericht gegen den Beschluss des Bob- und Schlittenverbands wehren, kündigte der 29-Jährige im rbb an. Die einjährige Strafe bedrohe seine Existenz. Machata hatte in Sotschi seine Kufen dem Russen Subkow gegeben, der damit Olympia-Gold holte.

Der Potsdamer Bobpilot Manuel Machata hat rechtliche Schritte gegen seine durch den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) verhängte Wettkampfsperre angekündigt. "Ich werde auch gerichtlich dagegen vorgehen", sagte der für den SC Potsdam startende Bobpilot am Mittwoch im rbb, wo er sich erstmals selbst zu dem Fall äußerte. "Ein Jahr Wettkampfsperre wäre brutal." Es sei für ihn eine "Riesenenttäuschung, dass der Verband da nicht hinter mir steht."

"Kein Vaterlandsverräter"

Es sei "massiv", als Vaterlandsverräter beschimpft zu werden. "Ich habe die letzten Jahre immer alles für Deutschland gegeben oder für den Sport an sich", erklärte der 29-Jährige, der aus dem bayerischen Berchtesgaden stammt. Die Kufe habe er sich "quasi privat organisiert" und sie weitergeben müssen, "weil's der Deal war", so der Bobpilot. "Die Kufe kam aus dem Ausland, das war keine deutsche Kufe. Man hat probiert, ob einem die was bringt." Es sei "mehr oder weniger eine Leihgabe" gewesen, die er habe "einfach weitergeben müssen, weil unser privater Deal einfach so war."

Zuvor hatte Machata angegeben, für die Kufen 30.000 Euro bezahlt zu haben. Die umstrittene Leihgabe an den russischen Bobpiloten, der mit den Kufen Olympiagold in Sotschi holte, hatte er mit einer Vereinbarung mit seinem Schweizer Hersteller begründet.

Kufen "nicht mehr ganz so superentscheidend"

Im rbb relativierte er am Dienstag die Bedeutung der Kufen in Wettkämpfen. Sie seien "inzwischen nicht mehr ganz so superentscheidend". Es gehe "viel um den Schlitten, viel ums Starten, viel ums Fahren". Da es bei Wettkämpfen um Hundertstel-Sekunden gehe, könnten die Kufen hier allerdings tatsächlich den letzten Unterschied machen: Sie seien "das letzte Tüpfelchen, wo man einfach dann die paar Hundertstel nochmal rausholen kann."

Sollte sich die einjährige Sperre nicht abwenden lassen, sieht Machata dramatische Folgen für seine Sportkarriere. Durch den Verlust des Kaders und der Sporthilfe der Bundeswehr sei seine "komplette Existenz erst einmal weg."Es sei schwierig, ein Jahr ohne Wettkampfpraxis, Sponsoren und Anschieber zu überbrücken. "Das Team fällt ja auseinander." Es sei "eine ganz harte Nummer, ob man überhaupt noch zurückkommen kann oder ob es mehr oder weniger das Karriereende bedeutet."

Kein Angebot aus Jamaika

Angesprochen auf das Gerücht, dass er in der nächster Saison möglicherweise für Jamaika an den Start gehen könnte, lachte Machata. Und sagte dann: "Man kennt sich halt. Man hat sich auch schon öfter mal unterhalten, einfach so aus Jux und Tollerei. Aber ich habe da jetzt keinerlei Angebote irgendwo."

Unterstützung vom Landessportbund

Unterstützung hatte Manuel Machata am Dienstag vom Landessportbund Brandenburg (LSB) bekommen. Der LSB kritisierte die Sperre und forderte den Bob- und Schlittenverband (BSD) für Deutschland auf, die Strafe zurückzunehmen. Machata müsse "eine weitere sportliche Perspektive" ermöglicht werden, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes. "Nach jetzigem Erkenntnisstand hat Machata gegen keine Bestimmungen oder Vereinbarungen verstoßen, die eine solche Maßregelung rechtfertigen", erklärte LSB-Präsident Wolfgang Neubert. 

Trotz der Kritik will der BSD die Wettkampfsperre für Machata jedoch nicht noch einmal hinterfragen. "Das ist eine ganz einfache Sache: Wir haben im geschäftsführenden Präsidium einen ordentlichen Beschluss gefasst, der ist zunächst bindend. Wenn Herr Machata dagegen vorgehen will, muss er den Rechtsausschuss des BSD anrufen", sagte BSD-Vizepräsident Rainer M. Jacobus dem Sportinformationsdienst.

Bereits zuvor hatte BSP-Präsident Andreas Trauvetter angekündigt, die Winterspiele in Sotschi zum Anlass nehmen, "um klare Regelungen für deutsche Athletinnen und Athleten in unseren Regularien festzulegen." Denn bereits in der Vergangenheit seien Kufen international verliehen und gehandelt worden. "Diese relativ harte Strafe gegen Manuel Machata soll ein erster Schritt sein, um nationale Interessen zu wahren."

Mit Kufen-Leihgabe zu Doppel-Olympasieg

Der Ex-Weltmeister Manuel Machata war vom BSD nicht für die Olympischen Winterspiele von Sotschi nominiert worden und hatte daraufhin seine Kufen dem russischen Piloten Alexander Subkow geliehen. Der Russe hatte dann damit einen Doppel-Olympiasieg erzielt, während die deutschen Bobpiloten erstmals seit 50 Jahren ohne olympische Medaille nach Hause fahren mussten. Wegen dieser Kufen-Leihgabe hatte der BSD Machata mit einer einjährigen Wettkampfsperre und einer Strafe in Höhe von 5.000 Euro belegt.

1 Kommentare

  1. 1.

    Seit 50 Jahren keine olympische Medaille und nun sollen ausgerechnet die geliehenen Kufen daran Schuld sein? Da hat das geschäftsführenden Präsidium einen ordentlichen Beschluss gefasst (für Fehlverhalten, das zuvor noch keines war). Das ist doch zum Lachen.
    Ist denn dieses Präsidium auch bereit dazu, selbst die Konsequenzen aus dieser Misere zu ziehen und zurückzutreten? Da muss vor den Spielen ja einiges nicht gut gelaufen sein.

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