Lothar Nicht (Quelle: rbb/Friebel)
Audio: Andreas Friebel | 28.03.2014

Fußball | Serie: Energie vor dem Abstieg - Wenigstens den Relegationsplatz...

Die rote Laterne brennt weiter in der Lausitz, aber die Hoffnung stirbt auch bei den Fans von Energie Cottbus zuletzt. Auch wenn es jetzt um die letzten, kleinen Chancen auf das Fußballwunder namens Klassenerhalt gibt. Und so drückt man in Cottbus überall weiter fest die Daumen. Auch im Rathaus, wie Andreas Friebel festgestellt hat.

Lothar Nicht ist der Beigeordnete für Ordnung und Sicherheit in der Stadt Cottbus. Auf seinem Tisch steht immer eine Energie-Tasse meist mit frischen Kaffee und in seinem Portmonee trägt er voller Stolz seinen Mitgliedsausweis, es ist der Ausweis mit der Nummer 2901. Er fiebert immer mit, wenn es um seinen Verein geht. Bis an die Grenze der Gesundheitsgefährdung fiebere er mit, sagt der 61-Jährige, der seit 2007 in der Lausitz lebt: "Eigentlich müsste ich mich nach jedem Spiel in kardiologische Betreuung begeben".

Trauer in der Nordwand

Vor seinem Umzug nach Cottbus gehörte sein Fußball-Herz Stahl Riesa. Doch der gebürtige Sachse wurde schnell mit dem Energie-Virus infiziert. Was auch daran lag, dass Cottbus zu dieser Zeit noch in der 1. Bundesliga spielte. Damals als Bayern München sogar von Energie zu schlagen war – und Lothar Nicht war live dabei. Genau wie auch bei dem Relegationsspiel gegen Nürnberg, leider ein "sang- und klangloser Abstieg" aus dem Liga-Oberhaus, wie er sich mit leichtem Schaudern erinnert. Das war im Mai 2009, als Lothar Nicht auf der Nordwand unter den treusten der Treuen miterleben musste, wie Cottbus wieder zweitklassig wurde.

Wichtig für den Selbstwert der Region

Egal, wie es ausgeht, für Nicht ist die Stimmung bei den Fans immer was ganz besonderes. Insbesondere wenn die Lieder angestimmt werden und die ganze Nordwand hüpft, inklusive des Beigeordneten für Ordnung und Sicherheit. Er ist sich ja auch ganz sicher, dass die Statik hält. "Da kann man das machen", sagt die Nummer zwei in der Energie-Rathaus Fan-Hierarchie. Ganz vorn steht selbstverständlich Stadtoberhaupt Frank Szymanski.

Und als Verantwortungsträger in der öffentlichen Verwaltung hat Lothar Nicht auch einen besonderen Blickwinkel auf Energie Cottbus und die Strahlkraft des Zweitligisten. Und dieser Wirtschaftsfaktor ist nicht zu unterschätzen, erzählt er. "Ernstzunehmende Wissenschaftler einer Berliner Hochschule haben mal ausgerechnet, dass die Stadt einen Werbe-Etat von 20 Millionen Euro bräuchte, um die Marketingeffekte eines Topvereins auszugleichen". Also pures Geld für die Restaurants und Hotels in Cottbus, aber natürlich auch wichtig für das Selbstwertgefühl der Menschen in der Region, sagt Nicht. Und so bleibt sein größter Wunsch, dass Cottbus wenigstens noch den Relegationsplatz erreicht und über diesen Weg dann die 2. Liga hält.

Serie: Energie vor dem Abstieg

Der Cottbusser Spieler Detlef Irrgang jubelt am Freitag (26.05.2000) kurz nach seinem Führungstreffer zum 1:0 (Quelle: dpa)

Fußball | Serie: Energie vor dem Abstieg - "Die letzten Chancen nutzen"

Seit 17 Jahren spielt Energie Cottbus entweder in der ersten oder zweiten Liga. Die Lausitzer haben große Zeiten erlebt mit Siegen über Bayern München und Borussia Dortmund. Aber das ist im Moment weit weg. Die Mannschaft stemmt sich gegen den Abstieg und die Region steht hinter ihr. Auch der Mann, der den Verein überhaupt erst nach oben geschossen hat.

1999: Cottbus-Trainer Eduard Geyer (l.) und Präsident Dieter Krein (Quelle: imago)

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Dieter Krein war viele Jahre der Präsident von Energie Cottbus. Gemeinsam mit Manager Stabach und Trainer Ede Geyer führte er den Klub Mitte der 1990er Jahre aus der vierten bis in die 1. Liga. Inzwischen ist er nicht mehr im Amt, aber das aktuelle Schicksal von Energie bewegt ihn trotzdem. Denn der Fußball-Zweitligist steht vor dem Abstieg. Andreas Friebel hat einen sehr nachdenklichen Ex-Präsidenten getroffen - und macht damit den Auftakt zu einer rbb-online-Serie zum Abstiegskampf der Lausitzer.