
Entwicklungshilfe durch Basketball - Alba setzt junge Führungskräfte in den Rollstuhl
Entwicklungshilfe ist mehr als Brunnenbauen, Nahrungsmittelspenden oder Bildungsprogramme in armen Ländern. Die Vereinten Nationen setzen auch auf den Sport. Eine Gruppe junger Führungskräfte aus Afrika und dem Nahen Osten soll in Kienbaum und Berlin lernen, wie man mit Hilfe von Sportprogrammen die Gesellschaft in ihren Heimatländern weiterbringen kann. Von Philipp Büchner
In der Theoriestunde im brandenburgischen Kienbaum klang alles noch so einfach: In den Rollstuhl setzen, einen Basketball nehmen und ab damit in den Korb. Erst jetzt in der Max-Schmeling-Halle in Berlin merkt die 21-jährige Alaa El-Hariri aus dem Libanon, wie ungewohnt sich das für sie anfühlt. "Ich habe es zum ersten Mal ausprobiert. Es macht mir zwar Spaß, ich finde es aber auch gefährlich", sagt El-Hariri.

Damit hier niemand umkippt, erklärt ein Trainer des Programms für Rollstuhlbasketball von Alba Berlin die Technik. Die 25 jungen Führungskräfte veranstalten in den ungewohnten Rollstühlen ein kleines Chaos. Sie kommen aus Gambia, dem Kongo oder Jordanien und haben zu Hause bereits für soziale Projekte gearbeitet und nehmen jetzt an dem Programm der Vereinten Nationen in Berlin und Brandenburg teil. Alba Berlin unterstützt das UN-Programm.
"Einfach, günstig und spielerisch"
Zwei Wochen lang lernen sie die Theorie sozialer Sportprojekte und schnuppern in Disziplinen rein, die für sie eher ungewöhnlich sind - wie zum Beispiel Albas Rollstuhl-Basketball. Das Ziel: später eventuell zu Hause ein ähnliches Programm zu organisieren.
"Der Sport ist deshalb wichtig, weil er selbst nicht das Ziel, sondern ein Instrument ist, um viele unterschiedliche Ziele zu erreichen" erklärt Anna Fischer vom Entwicklungshilfe-Büro der Vereinten Nationen, die das Projekt betreut. "Sport ist ein einfaches, günstiges und ein spielerisches Mittel."

Vom Land in die Stadt holen
Der einzige Programmteilnehmer mit einem körperlichen Handicap ist McLean Dzidzieno-Atsu. Seit einem Behandlungsfehler in der Kindheit sind seine Beine gelähmt. "Wir wollen in ländliche Gebiete fahren, wo behinderte Menschen nicht gut versorgt sind und ein schlechtes Leben haben", sagt der Rollstuhl-Basketballer Dzidzieno-Atsu, der für Ghana in der Nationalmannschaft spielt. "Die Menschen auf dem Land wollen wir in die Stadt holen und ihnen beibringen, einen Rollstuhl zu benutzen und Sport zu treiben."
Nach dem Führungskräfte-Programm in Deutschland geht es zurück in die Heimatländer. Und wer weiß: Vielleicht gibt es bald im Kongo, in Gambia oder dem Libanon Rollstuhl-Basketballer.
