Spieler des Flüchtlingsclub "Welcome United" mit Flüchtlingsspielern aus Hamburg (Bild: rbb/Rüger)

Flüchtlingsteam beim SV Babelsberg - Kicken in der neuen Heimat

Der SV Babelsberg ist kein gewöhnlicher Fußballverein, denn den Kiezklub aus Potsdam zeichnet ein großes gesellschaftliches Engagement aus. Er tritt offen gegen Homophobie im Sport ein und unterstützt Flüchtlinge. Seit vier Monaten hat Babelsberg nun als erster Verein Deutschlands auch eine Flüchtlingsmannschaft. Von Jakob Rüger

Die erste Mannschaft des SV Babelsberg hatte gerade ihr Punktspiel absolviert, da durfte das Flüchtlingsteam von "Welcome United" auf  den Platz. 400 Fans blieben im Stadion, um das  Freundschaftsspiel gegen den FC Lampedusa aus Hamburg zu sehen.

Der hart erkämpfte  4:3-Sieg für "Welcome  United" war Mannschaftskapitän Hasan aber eigentlich egal. Er sei einfach froh, endlich einmal im Stadion von Babelsberg gespielt zu haben, sagte er nach dem Spiel.

Flüchtlinge haben fast keinen Zugang zu Vereinen

Allein das Spielen auf dem Platz hat für Flüchtlinge wie Hasan oder den Nigerianer Johnson eine riesige Bedeutung, denn ohne finanzielle Mittel und Geräte ist Sport treiben für sie gar nicht so einfach.

"Fußball war immer mein großes Hobby, seit ich in der Grundschule angefangen habe zu spielen. Vor drei Jahren habe ich mein Heimatland verlassen und hatte seitdem keine Chance mehr zu spielen, denn man kann hier wegen des Aufenthaltsstatus nicht einfach in einen Verein gehen wie andere", erklärt Johnson auf Englisch.

Spieler des Flüchtlungsclub "Welcome United" im Stadion des SV Babelsberg (Bild: rbb/Rüger)
Der Fußball hilft, Probleme leichter zu ertragen

Fußball gegen Angst und Stress

Die Potsdamerin Manja Thieme hatte vor rund einem Jahr von Johnsons  Sehnsucht, Fußball zu spielen gehört. Sie stellte Kontakt zum SV  Babelsberg her und so bekam der Kiezklub als erster in Deutschland sein vereinseigenes Flüchtlingsteam. Nun kicken Kenianer, Afghanen und  Somalier friedlich zusammen.

"Man muss nichts mehr tun, sie kommen. Wir hatten schon über 60 oder 70 Spieler da. Manche kommen halt nicht wieder, manche kommen regelmäßig. Und gerade wenn man die Nachrichten sieht und von Abschiebewellen hört, dann macht man sich schon Sorgen", erklärt Thieme.

Behördenstress und die Angst vor der Abschiebung, da ist Fußball für Hasan aus Mazedonien fast schon eine Therapie. "Das Beste für die, die mentale Probleme oder Angst haben, ist hierher zu kommen, ein bisschen Fußball spielen, dann gehen die Probleme automatisch weg."

Eintritt in die untere Liga

Und beim wöchentlichen Training wird jeder neue Flüchtling herzlich in  der Mannschaft begrüßt. In der kommenden Saison soll das Team für  Babelsberg sogar am unterklassigen Ligabetrieb teilnehmen.

Thoralf  Höntze vom Verein ist dabei aber für die Zukunft eines wichtig. Es sei nicht so, dass jetzt eine Leistungsmannschaft betrieben werde. Es sei nach wie vor jeder eingeladen, mitzuspielen und mitzutrainieren, erklärt Höntze.

Beitrag von Jakob Rüger

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