Radfahrer umrunden beim 104. Sechstagerennen am 25.01.2015 im Velodrom in Berlin das Oval während sich ein Fahrer auf der Rolle warm fährt (Quelle: dpa/Oliver Mehlis)

Bahnradsport | Start der Deutschen Meisterschaften - Nutzung des Velodroms stößt auf Kritik

Das Velodrom ist zwar eine Radsporthalle, aber nur wenige Tage im Jahr könnten die Bahnradsportler hier auch trainieren und Wettkämpfe austragen, kritisiert Bahnsprinter Robert Förstemann zum Auftakt der Deutschen Meisterschaft auf dem Rund. Am Mittwoch starteten im Velodrom die Wettkämpfe mit Ausscheidungen der U17. Am Wochenende geht es bei Männern und Frauen um Titel.

Teamsprint-Weltmeister Robert Förstemann hat sich vor den deutschen Bahnmeisterschaften in der Hauptstadt über die Trainingsbedingungen für die Berliner Radsportler beklagt. Vor allem bekämen die Sportler nicht die zugesagten Übungszeiten im Velodrom, sagte der Bahnsprinter am Dienstag. "Uns wurden pro Jahr 100 Tage zugesagt, tatsächlich waren es 2014 genau 56 Tage", bilanzierte Förstemann. "Das ist unmöglich, gerade im vorolympischen Jahr."

"Wenn das so weitergeht, ist der Bahnradsport am Olympiastützpunkt Berlin tot", warnte der Radsportler. Für den 18. Juni ist laut Förstemann ein klärendes Gespräch mit dem Hallen-Betreiber Velomax und dem Berliner Senat vorgesehen.

Velodrom ist nur einen Tag pro Woche eine Radsporthalle

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres kommen die Radsportler auf rund 30 Tage im Velodrom, mit Wettkämpfen und Trainings - also auch nicht wesentlich mehr als im letzten Jahr. Umgerechnet heißt das: Noch nicht einmal an einem Tag in der Woche ist das Velodrom auch ein Velodrom. Vor allem wird hier geträllert statt gefahren: So treten Carmen Nebel, Take That und Scooter auf.

Förstemann warnte vor den Folgen dieser verringerten Trainingsmöglichkeiten. So schob der 29-Jährige den Grund für seinen Bandscheibenvorfall im Winter zum Teil auch auf die prekäre Trainingssituation: "Ich saß stundenlang im Auto, um nach Frankfurt (Oder) auszuweichen. Das tat meinem Rücken nicht gut."

40 Entscheidungen bis zum Sonntag

An den fünf Wettkampftagen der nun bereits 129. Auflage der Deutschen Titelkämpfe fallen rund 40 Entscheidungen. Am Start sind dabei Athleten von der Klasse "Jugend U17" bis hin zu den Profis der Männer und Frauen. Das Gros der Hauptwettbewerbe und Finals findet am Wochenende statt.

Im Velodrom fanden zuletzt 2011 die Deutschen Meisterschaften im Bahnradsport statt. Im vergangenen Jahr war Cottbus Ausrichter der Titelkämpfe.

Mit Blick auf Titelkämpfe sagte Förstemann, hier würden nun bereits die erste Weichen für Olympia 2016 in Rio gestellt: "Drei dürfen zu Olympia, wir haben sechs bis sieben Mann, die dafür infrage kommen. Da ist die Meisterschaft schon eine ganz wichtige Station."

Auch Bundestrainer Detlef Uibel spricht von einer harten Auswahl: "Die Konkurrenz ist groß. Bis zur WM und Olympia ist zwar noch Zeit, aber es geht darum, sich jetzt für die Weltcup-Mannschaften anzubieten", sagte er vor dem Auftakt der Wettbewerbe. Bis zum Sonntag werden im Elitebereich 15 Titel vergeben. Die Meister haben dann die Chance, sich im Weltcup für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Der Radrennfahrer Maximilian Levy beim Berliner Sechstagerennen 2015 (Bild: imago/Sebastian Wells)
Der Cottbuser Bahnsprinter Maximilian Levy

Levy blickt optimistisch auf die anstehenden Aufgaben

Mit Robert Förstemann, Maximilian Levy (Cottbus), René Enders (Erfurt), Joachim Eilers, Max Niederlag und Stefan Bötticher (alle Chemnitz) dürfen sich sechs Fahrer Hoffnungen auf einen der drei deutschen Startplätze für die Spiele 2016 im Kurzzeitbereich der Männer machen. Schon bei der WM Ende Februar bei Paris war der zunehmende Konkurrenzkampf zu spüren. "Die Meisterschaft ist eine wichtige Standortbestimmung“, erklärte Uibel.

Sorgenkind ist momentan Ex-Sprint-Weltmeister Bötticher. Der Titelverteidiger im Sprint und Keirin muss wegen muskulären Problemen in Berlin passen. In die Lücke wollen vor allem Förstemann und Levy stoßen. “Ich lege meinen Fokus bei den Meisterschaften auf den Sprint und das Keirin“, sagte Förstemann, der sich nach den Meisterschaften auf die Rolle als Anfahrer im Teamsprint-Trio konzentrieren will.

Nach einem verkorksten Jahr mit WM-Sturz 2014 und langer Zwangspause konzentriert sich der Cottbuser Maximilian Levy in dieser Saison bisher auf den Sprint und will damit seine Vielseitigkeit unterstreichen. “Das lief überraschend gut. Ich bin gesund und merke, dass mein Körper auf die normalen Reize reagiert“, sagte Levy, der im Keirin seit Jahren zur Weltspitze zählt und auch zum Stamm der Teamsprinter-Auswahl gehört.

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