Ein Einschussloch ist am Abend des 09.08.2015 in Bielefeld (Nordrhein-Westfalen) in der Windschutzscheibe des Mannschaftsbusses von Hertha BSC zu sehen. Der Bundesligist bestreitet am Abend das Spiel im DFB-Pokal gegen Arminia Bielefeld. (Quelle: dpa)

Fußball | Polizei ermittelt - "Das war ein Anschlag auf Leib und Leben"

Der Mannschaftsbus von Hertha BSC ist am Sonntag von einem Schuss getroffen worden. Verletzt wurde niemand, die Polizei hat inzwischen eine Ermittlungskommission eingerichtet. Im rbb-Interview zeigte sich Hertha-Manager Michael Preetz schockiert. Das Pokalspiel soll aber wie geplant stattfinden.

Die Spieler, Verantwortlichen und Fans von Hertha BSC sind geschockt. Der Schuss auf den Teambus des Berliner Fußball-Bundesligisten vor dem Pokalspiel am Montag bei Arminia Bielefeld (18.30 Uhr) stellt alle bei der Erstrunden-Partie vor eine besondere Herausforderung. Das sei ein Anschlag auf Leib und Leben gewesen, sagte Hertha-Manager Michael Preetz am Sonntag im rbb. Das gehöre geahndet. "Wir hoffen sehr, dass die Polizei den Täter ermitteln kann."

Die Polizei in Bielefeld reagierte schnell auf den Anschlag und richtete eine
Ermittlungskommission ein. Diese "EK Hertha" besteht aus Beamten der Direktionen Verkehr und Kriminalität sowie aus szenekundigen Beamten und ermittele in alle Richtungen, hieß es in einer Mitteilung am Montag. "Das Spiel wird wie geplant stattfinden", bekräftigte ein Polizeisprecher am Montag. Allerdings werde der Mannschaftsbus von der Polizei auf dem Weg vom Hotel zum Stadion begleitet.

"Anschlag auf Leib und Leben"

Der Mannschaftsbus sei auf dem Weg vom Quartier in Bielefeld zum Bahnhof gewesen, so Manager Preetz, "als ein Motorradfahrer mit einer Drohgebärde - mit der geballten Faust - an dem Bus vorbeigefahren, im nächsten Kreisverkehr gedreht, auf den Busfahrer zugefahren, eine Pistole gezogen und geschossen hat." Der Fahrer habe sich allein im Bus befunden, das Geschoss sei vor ihm in die Scheibe eingeschlagen, habe sie aber nicht durchschlagen. Verletzt wurde niemand. Hertha veröffentlichte via Twitter ein Foto mit dem Einschussloch.  

Preetz sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wenn man sich das Einschussloch ansieht, kann man sich ja vorstellen, was passiert wäre, wenn die Kugel die Scheibe durchdrungen hätte." Wie Hertha-Sprecherin Anne Grubert sagte, geht es dem Busfahrer den Umständen entsprechend gut. Er habe den Schock einigermaßen verarbeitet und nehme ganz normal mit der Mannschaft an den gemeinsamen Mahlzeiten teil.

Polizei leitet "Schutzmaßnahmen" für die Spieler ein

Der Manager hofft, dass der Vorfall keine größeren Auswirkungen auf das Pokalspiel am Abend haben wird. "Die Mannschaft war im Zug und hat unmittelbar von dem Vorfall nichts mitbekommen", betonte Preetz und appellierte an alle: Man soll "nicht die Tat eines Einzelnen auf das gesamte Spiel herunterbrechen". Trotz des Vorfalls hatte der Fahrer die Mannschaft mit dem beschossenen Bus vom Bahnhof abgeholt, und die Spieler haben auch mit ihm gesprochen.

Die Polizei Bielefeld erklärte, dass Ermittlungen in der Sache eingeleitet wurden wegen "gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr". Außerdem gebe es "Schutzmaßnahmen" für die Hertha-Spieler, teilte Polizei-Sprecher Achim Ridder mit. Man stehe in Kontakt zum Verein. Der flüchtige Täter soll eine schwarze Motorrad-Kombi und einen silberfarbenen Helm getragen haben und auf einem schwarzen Motorrad unterwegs gewesen sein.

Motorradfahrer droht Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren

Man habe die Scheibe des Busses sichergestellt und sei wegen der erfolgenden kriminaltechnischen Untersuchung und mehrerer Zeugenaussagen "hoffnungsvoll", den Täter bald zu ermitteln, sagte Ridder. Zunächst ermittelt die Polizei wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, der gebildeten Ermittlungskommission gehören laut Ridder aber auch "Ermittler aus dem Bereich Tötungsdelikte" und in der Fußballszene kundige Beamte an. Im Endeffekt drohe dem Täter eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Arminia Bielefeld kündigte an, die Sicherheitsmaßnahmen beim DFB-Pokalspiel zu verstärken. Nach Angaben eines Arminia-Sprechers werden zum Schutz des Teambusses und des Spielerbereiches im Stadion zusätzliche Sicherheitskräfte eingesetzt. Der Bielefelder Zweitligist hatte sich nach dem Schuss auf den Bus des Bundesligisten "schockiert über den Angriff" gezeigt. "Es ist ein großes Glück, dass der Berliner Kollege unverletzt blieb", hieß es in einer Stellungnahme.

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