Alba Berlins Basketballprofi Dragan Milosavljevic im Bundesliga-Auswärtsspiel bei den Giessen 46ers am 24.10.15 (Quelle: imago / Jan Huebner).

Basketball | Alba siegt zum Jahresabschluss in Würzburg - Triumph des Stillen

Alba Berlins letzte Schicht des Jahres geriet zu einer ziemlichen Plackerei: Beim 80:69-Auswärtssieg gegen die Baskets Würzburg machten die fahrigen Berliner es unnötig spannend. Doch weil der beste Stoiker der Bundesliga traf wie er wollte, rutscht Alba auf Platz zwei ins neue Jahr. Von Sebastian Schneider 

Sein Name ein Zungenbrecher, sein Gesicht pure Unschuld und sein Wurf eine Offenbarung: Dragan Milosavljevic kam im Sommer zu Alba Berlin, als serbischer Nationalspieler und ehemaliger Kapitän Partizan Belgrads. Seitdem hat der 26-Jährige Shooter in vielen Szenen angedeutet, dass er ein kompletter Basketballer sein kann - und in zu vielen, dass er es noch nicht ist. Am Mittwochabend liefen Milosavljevic und seine Spielkameraden bei den Baskets Würzburg auf, sie gewannen mit 80:69. Es war nicht einfach.

"Es ist so ein serbisches Ding"

In Unterfranken zeigte der große Schweiger wieder seine zwei Gesichter - dabei schaut er eigentlich pausenlos, als ginge ihn dieser ganze Zirkus nichts an. Er guckte auch so, als er während einer Auszeit auf einem Stuhl saß und die Gesichtsfarbe seines Berliner Trainers Sasa Obradovic an die feuerroten Würzburger Trikots erinnerte. Milosavljevic hatte seinem Verteidiger zuerst einen fixen Dreier ins Gesicht tapeziert. Dann verdribbelte er sich kläglich, kurz darauf verlor er den Ball. Obradovic beschimpfte seinen Landsmann so laut auf serbisch, dass man befürchtete, er würde gleich platzen. "Das ist nicht hart. Es ist so ein serbisches Ding. Für uns ist das ganz normal", gab Milosavljevic später tonlos zu Protokoll.

Der Kasten der Würzburger ist eng, der Begriff "Mehrzweckhalle" wurde für Orte wie diesen erfunden. Es gibt holzvertäfelte Tribünen, man versteht jedes Wort auf dem Parkett und die Tore zu den Geräteräumen liegen direkt am Spielfeldrand. Im Grunde sieht die Halle immer noch so aus, wie zu der Zeit, als Dirk Nowitzki hier seine ersten Profispiele machte. Die Baskets sind im Sommer aufgestiegen, jetzt stehen sie sensationell auf dem siebten Platz. Den kühlen Spielzügen der Berliner wollten sie Frechheit, Ellenbogen und Spielwitz entgegenwerfen. Das klappte am Anfang auch ganz gut. Aber Obradovics Wutausbruch im zweiten Viertel machte all ihre Pläne zunichte. Denn Dragan Milosavljevic wachte auf.

Sasa Obradovic, Trainer des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin, beim Auswärtsspiel gegen die Skyliners Frankfurt in Frankfurt am 06.12.2015 (Quelle: imago / Michael Schick).
Nachdem sein Team gegen Würzburg gut begonnen hatte, schlichen sich die alten Unkonzentriertheiten wieder ein. Sasa Obradovic rastete formvollendet aus - und weckte die Mannschaft auf.

Kurz vor Schluss kommt Würzburg bis auf zwei Punkte heran

Er jagte Dreier durchs Netz wie er wollte, vier von sieben Versuchen gingen rein, am Ende kam Milosavljevic auf 27 Punkte. Wenn es von draußen nach nichts aussah, täuschte er den Wurf eben an, stakste gekonnt in die Zone und hängte seinen Gegnern Fouls an. Er war von diesem fleißigen, aber trotzdem mittelmäßig begabten Team nicht aufzuhalten. "Wir haben ein paar wilde Würfe getroffen", lenkte Milosavljevic später geschickt von sich ab. Die Würzburger hängten sich zwar rein, trafen aber vor allem von außen nichts. Darauf reagierte Obradovic mit einer Zonenverteidigung - den Gastgebern fiel nun erst recht nichts mehr ein. Zur Pause führte Alba mit 38:27. Es war ein hässliches Spiel.

Danach geschah das, was in dieser Saison zu jedem Spiel gehört, in dem die Berliner vermeintlich komfortabel führen. Sie verlieren ihren Faden, sie treffen dämliche Entscheidungen und müssen dann ihre Kraft vergeuden, um diese Entscheidungen wieder zu korrigieren. Im dritten Viertel ließ Alba die Würzburger mit einem 12:2-Lauf wieder herankommen. Milosavljevic traf zwar weiter, wie er lustig war, aber seine Mitspieler nicht. Obradovic zeterte sträflich und wurde deshalb mit einem technischen Foul bedacht, Mitchell Watt vergab zwei Freiwürfe, Jordan Taylor (14 Punkte) verlor wieder einmal undurchsichtig den Ball. Kurz vor dem Ende kam Würzburg noch einmal auf 62:64 heran.

Nach einem weiteren Einlauf des Chefs aber konzentrierten sich die Berliner wieder und spielten so eisig, wie sie es die ganze zweite Halbzeit hätten tun sollen. Dragan Milosavljevic nagelte die entscheidenden "Silencer", wie es im Basketball so schön heißt, in den Korb, die Gastgeber verloren dadurch erst den Glauben und dann das Spiel. Durch den Auswärtssieg bleibt Alba auf dem zweiten Platz und den Bambergern damit auf der Spur.  

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