Alba Fans bejubeln ihr Team und pfeifen das gegnerische Team Tübingen beim Bundesliga-Spiel am 19.12.2015 in der Mercedes-Benz-Arena Berlin aus (Quelle: imago / Camera 4).

Basketball | Jahresrückblick für Alba Berlin - Nur gucken, nicht anfassen

Lange ist es her, dass Alba Berlin den deutschen Basketball dominierte und sich Saison für Saison mindestens eine neue Trophäe in die Vitrine stellte. Titel holen mittlerweile andere - und so fehlen im Rückblick auf das Jahr 2015 Konfetti und Champagner. Von Jakob Rüger

Training in der Berliner Schützenstraße, hier wo Albas Profi Akeem Vargas einen Großteil des Jahres 2015 verbracht hat. Ein Jahr, in dem er sportlich mit Alba Berlin nicht viel zu feiern hatte. "Das verlorene Halbfinale gegen Bayern kommt mir als erstes in den Sinn. Und das wir's nicht geschafft haben, entscheidende Spiele zu gewinnen - gerade im Pokal gegen Bamberg und im letzten Spieltag der Euroleague gegen Maccabi", sagt der deutsche Nationalspieler.

In den Meisterschafts-Playoffs scheiterte Alba an Bayern München, zum dritten Mal in Folge. Im Pokal-Halbfinale war Bamberg eine Nummer zu groß. Das Jahr endete also zwar ohne Titel, die Albatrosse haben dafür in Europa auf sich aufmerksam gemacht. "Ich glaube, es war kein verlorenes Jahr, weil wir viel erreicht haben was uns vorher keiner zugetraut hätte. Wir waren vier Punkte davor, erstmalig unter die besten Acht in Europa zu kommen", sagt Berlins Geschäftsführer Marco Baldi.

Akeem Vargas, Shooting Guard-Spieler bei Alba Berlin in der Saison 2015 / 2016 (Quelle: camera4)
Auch der deutsche Nationalspieler Akeem Vargas kommt in dieser Saison noch nicht in Tritt. Seine gewohnte Aggressivität in der Defense ließ er bisher nur selten aufblitzen.

"Es ist klar, dass die Großen anklopfen. Da ist deutlich mehr Geld im Spiel"

So dicht dran war noch keine deutsche Basketballmannschaft. Alba spielte eine überragende Euroleague-Saison und besiegte Größen wie Maccabi Tel Aviv oder den FC Barcelona. Doch der internationale Erfolg hat seine Schattenseiten. "Wenn man sich so gut in Europa präsentiert, wie wir das letztes Jahr getan haben, dann ist klar, dass die Großen anklopfen. Da ist deutlich mehr Geld im Spiel", sagt Akeem Vargas.

Er musste im Sommer viele Mitspieler verabschieden. Reggie Redding oder Jamel McLean verdienen bei ihren neuen Vereinen mittlerweile das doppelte. Sogar der Sportdirektor Mithat Demirel folgte einem lukrativen Angebot aus der Türkei. Alba steht finanziell weit hinter den Topteams.

Sieben neue, teils unerfahrene Spieler sind im Sommer zum deutschen Kern um Vargas gestoßen. "Es sind ganz andere Spieler, andere Charaktere. Es ist schwer, weil man nicht vergleichen sollte. Deshalb muss man gucken dass wir alle auf die gleiche 'Page' kommen - und bis jetzt ist uns das noch nicht hundertprozentig gelungen, das muss man auch ehrlich sagen."

Wir wollen uns am Ende natürlich auch am Ergebnis messen lassen. Da machen wir uns überhaupt nichts vor."

Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi

Löchrige Defense, stotternde Angriffe

Die Mannschaft ist noch dabei sich zu finden. Die hochgelobte Verteidigung des Trainers Sasa Obradovic ist löchrig. Alba fehlt noch die Aggressivität. Auch im Angriff stockt das Berliner Spiel. Nach einem gutem Start setzte es sieben Niederlagen in acht Spielen. Einem Sieg gegen Bayern folgte eine Niederlage gegen Bamberg.

Alba zeigt sich unkonstant am Jahresende. Das muss sich 2016 ändern. Der Manager Marco Baldi will im neuen Jahr endlich wieder feiern: "Wir wollen uns am Ende natürlich auch am Ergebnis messen lassen. Da machen wir uns überhaupt nichts vor. Am Ende wollen wir auch etwas in den Händen halten und unseren Fans präsentieren – denn dafür spielen wir."

Beitrag von Jakob Rüger

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