Randala beim Union-Spiel gegen Austria Salzburg (Quelle: imago)

Eskalation bei Freundschaftsspiel - 80 Verletzte nach Randale bei Union-Heimspiel

Das Heimspiel von Union Berlin gegen Austria Salzburg verdiente den Namen "Freundschaftsspiel" nicht wirklich: Vor dem Stadion bewarfen Union-Fans Polizisten mit Bierflaschen, die Polizei setzte massiv Pfefferspray ein. Nun ist ein heftiger Streit darüber entbrannt, wer für die Eskalation verantwortlich ist.

Es sollte eigentlich ein Spiel für den guten Zweck sein, und so vermeldet es Union Berlin auch in der Pressemitteilung auf seiner Webseite: Beim Benefizspiel gegen Austria Salzburg am Samstag gewann Union mit 5:0, "die Ticketeinnahmen kommen dem österreichischen Zweitligisten zu Gute, der gegenwärtig in großen finanziellen Schwierigkeiten steckt." Was die Pressemitteilung des Vereins nicht erwähnt, gab die Berliner Polizei nun am Sonntagmittag bekannt: Bei schweren Ausschreitungen zwischen Union-Fans und Polizisten schon vor Spielbeginn wurden nach Polizeiangaben insgesamt mehr als 80 Personen verletzt - darunter 40 Stadionbesucher, die selbst nicht provoziert haben. Viele von ihnen haben nach Darstellung der Polizei Augenreizungen durch Pfefferspray erlitten.

Warum die Auseinandersetzugen so eskalierten, darüber gibt es unterschiedliche Versionen. Laut Polizei sei die Aggression aus einer Gruppe von rund 250 Union-Fans ausgegangen, die "polizeifeindliche Parolen" skandiert und Polizisten "massiv körperlich angegriffen" hätten. Von teilweise vermummten Personen sei Pyrotechnik gezündet worden. Die Beamten hätten anschließend "körperliche Gewalt" und Reizgas eingesetzt, einige der Fans antworteten mit Flaschenwürfen. Daraufhin habe die Polizei beim Haupteingang des Stadions erneut mehrfach Reizgas versprüht und 18 Fans festgenommen. Gegen diese Personen ermittelt die Polizei nun unter anderem wegen gefährlichem Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung.

Polizisten bei Ausschreitung vor Union-Heimspiel (Quelle: imago)
Bei den Auseinandersetzungen vor dem Stadion nahm die Polizei 18 Personen fest

"Die Aktionen waren auf volle Konfrontation ausgerichtet"

Soweit die Version der Polizei. Wie der Berliner Kurier berichtet, haben einzelne Polizisten aber möglicherweise eine Mitschuld an der Eskalation. So hätten Polizisten den Zugang zum Stadion "ohne erkennbaren Grund" verknappt, indem sie den Zugang über den Parkplatz verweigerten. Zudem müsse sich die Polizei den Vorwurf gefallen lassen, wenig deeskalierend gearbeitet zu haben. So seien Polizisten in Gruppen von Fans vorgestoßen, um einzelne Provokateure zu ergreifen. Auch der Fanbeauftragte von Union Berlin sei beim Versuch, zu schlichten, von einer Ladung Pfefferspray erwischt worden, so der Kurier-Reporter.

Ein Fan von Union Berlin, der die Auseinandersetzung beobachtete, behauptet sogar, die Aktionen einiger Polizisten seien auf "volle Konfrontation" ausgerichtet gewesen. Er schilderte rbb online, dass eine Gruppe von fünf Polizisten, die gegen Union-Fans vorgingen, von ihren Kollegen zurück gerufen werden mussten. "Es hatte den Anschein, dass vor allem einer der Beamten aufgebracht war. Er lieferte sich heftige Diskussionen mit einigen Fans der Unionszene", so der Fan. Dieser Polizist wurde nach Darstellung des Fans von seinen Kollegen aus dem Pulk der Union-Fans "regelrecht herausgezerrt".  

Der Polizei sind bislang keine Anzeigen gegen Polizisten bekannt

Auf Nachfrage von rbb online teilt die Polizei-Pressestelle zu den Vorwürfen der Union-Fans mit, dass nach derzeitigem Stand keine Strafanzeigen gegen Polizeibeamte wegen des Einsatzes bekannt seien. Wenn Anzeigen gestellt werden, werde man den Vorwürfen aber selbstverständlich nachgehen.

Union: "Unerklärlich intensiver Polizeieinsatz"

Der 1.FC Union sprach in einer Presseerklärung von einem "schwer nachzuvollziehenden Polizeieinsatz". Ein aggressives Verhalten der Fans sei nicht zu beobachten gewesen. Die Lage sei eskaliert, nachdem ein Union-Fan das Gleichgewicht verloren und beim Sturz in die Polizeikette einen der Beamten zu Fall gebracht habe. Fazit des Vereins: "Erst eine für ein Benefiz-Spiel außergewöhnliche hohe Polizeipräsenz und ein angesichts der Situation rund um das Stadion unerklärlich intensiver Polizeieinsatz haben die Lage eskalieren lassen."

 

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