Jamel McLean, Basketballprofi beim italienischen Erstligisten EA7 Olimpia Milano vor dem Euroleague-Heimspiel gegen Anadolu Efes SK Istanbul am 26.11.15 (Quelle: imago / HochZwei / Syndication).

Basketball | Albas Auftakt der Eurocup-Zwischenrunde - "Er verdient, vom gesamten Team verteidigt zu werden"

Jamel McLean machte Alba Berlin mit einem Wurf ins Glück zum NBA-Siegerbesieger. Inzwischen spielt der wertvollste Bundesligaprofi der vergangenen Saison bei Armani Mailand - am Mittwoch kehrt er in der Eurocup-Zwischenrunde nach Berlin zurück. Dort könnten sie ihn gerade gut gebrauchen. Der rbb überträgt per Livestream. Von Sebastian Schneider

Am meisten vermisst er die Berliner Luft und man darf das ausnahmsweise wörtlich verstehen: In Mailand quält die Menschen, wie in so vielen italienischen Großstädten gerade, der Smog. "Kein Fahren in Mailand bis um vier!", twitterte der Basketballprofi Jamel McLean vor ein paar Tagen. "Ich schätze, ich muss überall hin rennen! Die Stadt hat entschieden, dass wir extra Konditionstraining brauchen."

Auf seinem Profilbild trägt McLean noch ein gelbes Trikot, aber das ist lange her. Am Mittwoch kehrt der 27-jährige Power Forward in seine alte Arbeitshalle zurück, diesmal im roten Dress und mit der Nummer 1. Alba Berlin trifft im ersten Spiel der Eurocup-Zwischenrunde (20 Uhr, rbb-Sportplatz überträgt live) auf Armani Mailand, die wohl raffinierteste Mannschaft der Gruppe. Und wenn sie könnten, würden die Berliner Fans Jamel McLean auch mit rußgeschwärzter Lunge da behalten.

Er jubelte wie ein Albatros

Bei Alba wurde der 2,03 Meter große Mann aus Virginia zum Wertvollsten Spieler der Bundesliga, dem "MVP", gewählt. Dabei ist er nicht einmal übermäßig talentiert. Doch mit seinen Tricks und Finten in der Zone, seiner schieren Kraft rettete McLean Spiele, in denen hochbegabte Kollegen wie Reggie Redding wieder einmal verzagten.

Seinen denkwürdigsten Auftritt hatte er, als es eigentlich um nichts ging: Im Testspiel gegen den NBA-Champion, die San Antonio Spurs, traf McLean in letzter Sekunde zum 94:93-Sieg. Er jubelte mit ausgebreiteten Armen, als ihm seine Mitspieler auf den Rücken sprangen. Das Maskottchen der Berliner, der Albatros, muss neidisch gewesen sein. McLeans Schuss ins Glück war der Beginn einer erstaunlichen Erfolgswelle, die die Berliner fast unter die besten acht Teams Europas spülte - und ihre Leistungsträger später davonschwemmte.

Olimpia blieb bisher unter den Erwartungen

Im vergangenen Sommer zog McLean von Berlin in die Lombardei, übel nahm ihm das bei Alba keiner. Innerhalb dieses rauschenden Jahres hatte er seinen Marktwert schlichtweg derart erhöht, dass der Klub ihn längst nicht mehr bezahlen konnte. Manche der Abgänge verdienten bei ihren neuen Arbeitgebern das Dreifache, hatte Berlins Geschäftsführer Marco Baldi vor dem Saisonstart nicht ohne Stolz gesagt. 

Beim italienischen Serienmeister Milano, dem reichsten Verein der Liga, hat sich Jamel McLean tadellos eingelebt, sieht man mal von besagtem Smog ab. In neun Euroleague-Spielen erledigte er durchschnittlich etwa elf Punkte und vier Rebounds, unter den Körben ist der Hüpfer mit den großen Kulleraugen erster Anspielpartner seiner Kollegen. Insgesamt aber hat Armani Mailand in der bisherigen Saison - wie so häufig - die Erwartungen verfehlt. In Europas Eliteliga war zum ersten Mal seit elf Jahren früh Schluss, nur deshalb müssen die Mailänder nun im zweitklassigen Eurocup antreten. Der bosnisch-herzegowinische Trainer Jasmin Repesa steht unter Druck - ein Sieg in Berlin ist für den Favoriten dieser Gruppe Pflicht.

Alba Berlins Profi Jamel McLean hängt sich nach einem Dunk im fünften Halbfinal-Spiel gegen Bayern München in Berlin am 04.06.2015 an den Ring, unten steht Bayerns Dusko Savanovic (Quelle: imago / Eibner).
Erst im fünften Halbfinal-Spiel gegen die Bayern war für McLean und seine Berliner Kollegen Schluss. Fans streiten bis heute darüber, ob der "MVP" bei seiner entscheidenden Aktion nur ausgerutscht ist, oder gefoult wurde.

Gentile dürfte zurückkehren

Der erfahrene Repesa befehligt eine nicht minder abgebrühte Sportgruppe, was die Einzelspieler angeht, hat Milan den prunkvollsten Kader unter Albas Gegnern dieser "TOP32"-Runde. Repesas Pech war nur, dass seine Besten die meiste Zeit verletzt draußen saßen.

Der lombardische Kronprinz ist der italienische Nationalspieler Alessandro Gentile, auch wenn er die meiste Zeit aussieht, wie ein verschlafener Bummelstudent. Seit Mitte November plagt sich der 23-Jährige mit einem maladen Rücken herum. Zuvor aber legte der Topscorer der Euroleague durchschnittlich 20 Punkte und 4,2 Vorlagen pro Spiel auf. Die schlechte Nachricht für Alba ist: Für den Ausflug nach Berlin hat sich der 1,96 Meter große Kreativling wieder gesundgemeldet. Die gute: Die anderen beiden Spitzentypen Robbie Hummel und Rakim Sanders fallen immer noch aus.

Die beiden Altvorderen Andrea Cinciarini und Oliver Lafayette organisieren das Mailänder Spiel, unter den Körben tummeln sich neben dem Berliner Spezi McLean das kroatische 2,17-Meter-Ungetüm Stanko Barac und der kleinere, aber viel elastischere Serbe Milan Macvan. Gentiles Ersatz, der Shooting Guard Krunoslav Simon, ist so gut, dass es zu Kroatiens bestem Schützen der vergangenen EM gereicht hat.

Was dennoch auffällt: Armani ist vergleichsweise ungefährlich aus der Distanz, überhaupt fabriziert das Team relativ wenige Punkte. Andererseits war Albas Verteidigung gegen giftige Teams zuletzt so schwach, dass sich den Gästen ungewohnte Chancen bieten könnten.

Es ist ein ziemlich langwieriger Prozess und es ist schwer abzuschätzen, wann ich wieder mit 100 Prozent auf dem Court stehen kann."

Albas deutscher Nationalspieler Niels Giffey fällt wegen seiner Sehnenentzündung weiter aus

"Müssen lernen, stark in die Partien zu starten"

Von den Ludwigsburgern wurde Albas Defense am Sonntag schon zum dritten Mal in dieser Saison geknackt, Sasa Obradovics Mannen verpennten mal wieder das erste Viertel und rannten danach nur noch hinterher. "Ich denke, die meisten unserer Probleme rührten nicht von den Stärken unserer Gegner, sondern von unseren eigenen Fehlern her. Wir agieren – immer seltener, aber immer noch zu oft – nicht konstant genug und müssen vor allem lernen, stark in die Partien zu starten", analysierte Berlins Power Forward Mitchell Watt treffend.

Er selbst war zuletzt auf dem Weg der Besserung und zeigt immer häufiger, was sich das Management von seiner Verpflichtung versprochen haben muss. Watt wird es mit seinem Vorgänger zu tun bekommen, die beiden miteinander zu vergleichen wäre aber unfair - sie sind unterschiedliche Spielertypen.

Eines aber haben Albas hünenhafteste Neueinkäufe Watt, Kikanovic und Loncar Jamel McLean dann doch voraus: Größe. Gelingt es Albas Instruktoren Jordan Taylor und Will Cherry, den Ball gewitzt in die Zone zu passen, könnten die langen Kerls das gewinnbringend ausnutzen und McLean nebenbei in Foulprobleme bringen.

In der Defense allerdings müssen die Berliner sich viel besser absprechen und switchen als zuletzt, mit Mann-gegen-Mann-Verteidigung allein ist McLean und seinem Team nicht beizukommen. "Er ist ein Spieler, dessen große Energie man nicht eins gegen eins stoppen kann. Er verdient, vom gesamten Team verteidigt zu werden", lobte Sasa Obradovic seinen ehemaligen Schüler.

Beitrag von Sebastian Schneider

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