Hertha-Spieler beim Training (Foto: rbb / Jakob Rüger)

Fußball | Hertha bereitet sich in der Türkei auf die Rückrunde vor - Training, Testspiele und Transfergekungel

Hertha BSC war das Überraschungsteams der Hinrunde. In der Fußball-Bundesliga stehen die Berliner nach der Hinrunde auf Platz drei. Doch davon kann man sich noch nichts kaufen. Im türkischen Belek wird deshalb der Grundstein gelegt für die Rückrunde – und mit anderen Teams über Personalien verhandelt. Von Jakob Rüger

Normalerweise ist Belek ein kleiner verschlafener Ort an der türkischen Riviera. Zwar reiht sich ein Hotel an das nächste. Im Winter haben die meisten Häuser aber geschlossen. Die 6.600 Einwohner sind unter sich. Doch in den ersten beiden Januarwochen herrscht dann doch immer Hochbetrieb: Die Bundesliga ist zu Gast. Mit Hertha BSC bereiten sich hier sechs weitere Erstligisten auf die Rückrunde vor. Die Berliner sind im noblen Gloria Golf Resort untergekommen. Ein Fünf-Sterne Hotel mit Annehmlichkeiten.

Am Sonntag ging es für das  Team bereits um halb sieben vom Flughafen Tegel los. Nicht dabei waren der brasilianische Spielmacher Ronny und Mittelfeldspieler Jens Hegeler. Während Ronny sich einen neuen Verein suchen kann, zog sich Hegeler am Tag vor dem Abflug einen schmerzhaften Muskelfaserriss im Gesäß zu. Der Kader der Berliner umfasst trotzdem 27 Spieler. Die Jungs trainieren immer am Vormittag. Am Abend warten Testspielgegner.

Vier Spiele in sechs Tagen hat Hertha BSC sich organisiert. Trainer Pal Dardai will, dass sich das Team spielerisch verbessert. So werden am Vormittag auf dem Trainingsplatz das schnelle Zuspiel in die Spitze und der Torabschluss trainiert. Co-Trainer Rainer Widmayer gibt lautstark die Kommandos, korrigiert immer mal wieder oder lobt. Dardai steht mit verschlossenen Armen an der Seitenlinie und beobachtet die Übungen.

Gute Stimmung im Team

In den Testspielen sollen die Spieler die Vorgaben dann ausführen. Gegen Bundesligakonkurrent Hannover 96 klappte das beim 1:0 schon anständig. Gegen den tief stehenden Gegner wurde der Ball immer wieder schnell in die Spitze gespielt. Hertha verfolgte konsequent einen Plan - auch gegen Borussia Mönchengladbach. Da klappte das Toreschießen trotz zahlreicher Großchancen zwar erst einmal gar nicht. Nach dem 0:2 Rückstand drehten die Berliner dann aber auf. Ein Freistoßtreffer und ein Kontertor sorgten schließlich für den Ausgleich.

Nicht nur wegen der Ergebnisse ist die Stimmung in der Mannschaft gut. Es wird viel gelacht und auch das Trainerteam sorgt für Unterhaltung. Mit kleinen kuriosen Wettkämpfen wird für Spannung gesorgt und der Ehrgeiz hochgehalten. Welche Fünfer-Gruppe erzielt mehr Tore, wer köpft die Bälle schneller ins Tor? Der Verlierer muss Situps oder Liegestütze machen.

Doch Trainingslager bedeutet nicht nur Spaß. Der Schweiß fließt in Strömen und die Mannschaft arbeitet konzentriert. Nach der Rückkehr der Langzeitverletzten Peter Pekarik, Thomas Kraft und Julian Schieber ist der Konkurrenzkampf so groß wie schon lange nicht mehr. In jedem Training geht es um die Stammplätze. Das freut den Trainer, doch eigentlich ist Pal Dardai der Kader zu groß. Es werden noch Profis die Mannschaft verlassen. Ersatztorwart Marius Gersbeck soll seinen Vertrag bis 2018 verlängern und wird dann an Drittligist Chemnitz ausgeliehen. Dort soll der 20-Jährige Spielpraxis sammeln.

Nicht jeder Spieler passt ins neue Konzept

Der niederländische Flügelspieler Roy Beerens und der Berliner Junge Änis Ben-Hatira sollen sich einen neuen Verein suchen. Bei einem Angebot werden ihnen keine Steine in den Weg gelegt. Beide Profis passen, wie auch der in Berlin gebliebene Ronny, nicht mehr in das Spielkonzept von Trainer Pal Dardai. Hertha will schnellen laufintensiven Fußball spielen. Ein Spieler, der in dieses Konzept passt, ist Neuzugang Sinan Kurt. Er feierte gegen Hannover sein Debüt im Hertha-Trikot. Trainer Dardai war anschließend zufrieden mit dem 19-Jährigen, der vom FC Bayern München nach Berlin gekommen war. Kurt durfte sogar schon die Standards schießen, eine ungewöhnliche Maßnahme bei einem so jungen Neuzugang.

Die Mannschaften von Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach vor dem Testspiel (Foto: Jakob Rüger)
Hertha in Spalier aufgereiht vor dem Testspiel gegen Gladbach

Doch Kurt ist ein Teil der Zukunft von Hertha BSC. Der Verein setzt auf junge entwicklungsfähige Spieler. So soll die Überraschung der Hinrunde, Yanni Regäsel, einen neuen Kontrakt unterschreiben. Der 20-Jährige hat ein Vertragsangebot bis 2018 vorliegen. Regäsel und Kurt sollen langfristig zum Kern der neuen Hertha gehören.

Kurze Wege zu Transferdeals

Manager Michael Preetz hat also keine Zeit, auf einem der zahlreichen Kurse in Belek Golf zu spielen. Jeden Tag schaut er beim Training vorbei, spricht mit Trainer Dardai und dem ebenfalls anwesenden Präsidenten Werner Gegenbauer. Dabei wird es auch um die Personalplanungen gehen. Da trifft es sich gut, dass die Kollegen der anderen Bundesligavereine größtenteils ebenfalls in Belek sind. Die Wege für Gespräche sind kurz. Bei den Testspielen schauen daher auch zahlreiche Scouts und Spieleragenten zu. Immer auf der Suche nach einem passenden Deal.

Von all dem bekommen die Fans nicht viel mit. Rund 70 Hertha-Anhänger haben ihr Team ins Trainingslager begleitet. Für viele gehört diese Art des Winterurlaubs dazu. Tagsüber spannen sie in den luxuriösen Hotels aus. Am Abend schauen sie sich ihre Lieblinge bei den Testspielen an. Ganz so entspannt ist es für die Profis nicht. Ein freier Tag oder wenigstens mal ein freier Vormittag sind bis zum Ende des Trainingslagers nicht vorgesehen. Pal Dardai wird seine Jungs bis zur Abreise zu Höchstleistungen treiben.

Beitrag von Jakob Rüger

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