Hertha-Trainer Pal Dardai beim Heimspiel gegen den FC Augsburg (Quelle: imago/Contrast)

Fußball | Nach dem 0:0 gegen Augsburg - Hertha-Coach Dardai will neue Akzente setzen

Zum Auftakt der Rückrunde hat Fußball-Bundesligist Hertha BSC den Schwung aus der ersten Saisonhälfte noch vermissen lassen. Gegen den Europaligisten FC Augsburg kam der Tabellendritte am Samstag über ein 0:0 nicht hinaus. Weil die Berliner Spritzigkeit und Aggressivität vermissen ließen, will Hertha-Coach Pal Dardai nun das Training umstellen.

Ohne den Glanz der Vorrunde ist Hertha BSC in die zweite Saisonhälfte der Fußball-Bundesliga gestartet. Das Überraschungsteam der Hinrunde kam am Samstag im heimischen Olympiastadion nach einer oft schwerfälligen Partie gegen den FC Augsburg über ein 0:0 nicht hinaus. Nach zuvor drei Siegen in Folge musste die Hertha damit erstmals wieder einen Dämpfer hinnehmen.

Auch einen Tag später lief es nicht rund: Am Sonntag traf Hertha in einem Testspiel auf Eintracht Braunschweig. Auch gegen den Zweitligisten gab es nur 1:1 (1:1), wobei Hertha-Coach Pal Dardai nur eine B-Elf auf den Platz geschickt hatte. Patrick Schönfeld (3.) brachte die Eintracht per Foulelfmeter in Führung, Valentin Stocker (35.) glich für die Hertha aus.

Sonderbare Vorhaltungen durch FCA-Trainer Weinzierl

Unterdessen hat sich zwischen Hertha-Coach Pal Dardai und Augsburgs Trainer Markus Weinzierl eine etwas sonderbare Debatte entwickelt. Der FCA-Trainer sagte, Hertha habe das Spielsystem der Schwaben übernommen. Nur deshalb stünde Hertha so weit oben in der Tabelle. Nicht nur das schnelle Umschaltspiel hätten die Berliner übernommen, ganze Spielzüge würden sie abkupfern. "Seit Sommer machen sie es so wie wir. Da war das 0:0 heute doch nur logisch", lästerte auch der Augsburger Keeper Marwin Hitz.

Vedad Ibisevic von Hertha BSC (re.) im Zweikampf gegen Philipp Max vom FC Augsburg (Quelle: imago/Matthias Koch)
Keine zündenden Ideen: Hertha-Stürmer Vedad Ibisevic

"Das nehme ich auf meine Kappe"

Dardai schüttelte dabei nur mit dem Kopf. "Wenn einer erzählt, dass das ähnliche Spielphilosophien sind, muss er nur das heutige Spiel analysieren", sagte der Ungar und wies auf den Ballbesitz hin. Hertha habe mit 65 Prozent ein ganz anderes Gesicht gezeigt als der FCA, der mit 35 Prozent nur auf Konter gelauert habe. Allerdings gab Dardai zu, dass vom spielerischen Glanz der Vorweihnachtszeit nicht mehr viel zu sehen war. "Uns fehlte ein wenig die Spritzigkeit und die Aggressivität. Das nehme ich auf meine Kappe. Wir werden im Training einiges umstellen", kündigte Herthas Rekord-Bundesligaspieler an.

Dabei muss es Sebastian Langkamp wohl etwas ruhiger angehen lassen. Der Abwehrchef handelte sich beim Rückrundenstart einen Bluterguss im Zeh ein; und Per Skjelbred laboriert an einer Knöchelblessur. Auch Tolga Cigerci steht nach einem Muskelfaserriss in der Wade noch nicht wieder zur Verfügung. Am kommenden Samstag tritt die Hertha zum Auswärtsspiel in Bremen an. Im Hinspiel hatten sich die Berliner und der SV Werder 1:1 getrennt.

Scheint auf dem Abflug zu sein: John Anthony Brooks

35.000 Zuschauer trotzen eisiger Kälte

Vor 35.196 Zuschauern, die bei Eiseskälte den Weg ins Olympiastadion gefunden hatten, hatten sich beide Mannschaften über weite Strecken nahezu neutralisiert. Augsburg griff früh an und ärgerte damit die alte Dame, die deutlich mehr Spielanteile hatte, aber nur wenige Chancen daraus entwickelte. Überharter Einsatz und viele Nickligkeiten mit vier Gelben Karten bestimmten die erste Halbzeit.

Mit ihrem schnellen Umschaltspiel stellten die Schwaben die Berliner immer wieder vor Probleme. Hertha-Torwart Rune Jarstein musste mehrfach eingreifen. Caiuby (2./23.), Dominik Kohr (7.) und Daniel Baier (32.) hätten den FC Augsburg gut und gerne in Führung bringen können. Bei Hertha fehlte vor allem die Durchschlagskraft am 16-Meter-Raum. In der 38. Minute hatte Vedad Ibisevic mit einem Flachschuss das 1:0 auf dem Fuß, doch Augsburgs Keeper Marwin Hitz war rechtzeitig am Boden. Kurz darauf handelte sich Ibisevic nach einem überflüssigen Offensivfoul die Gelbe Karte ein. Auch John Anthony Brooks und Caiuby wurden mit Gelb verwarnt.

Hertha-Trainer Pal Dardai zu Gast bei Jochen Breyer im ZDF-Sportstudio (Quelle: imago/Martin Hoffmann)
Null Treffer auch an der Torwand: Pal Dardai im ZDF-Sportstudio

Kurz nach der Pause fast die Augsburger Führung

Nach der Pause wären die Augsburger dann beinahe in Führung gegangen. Wie aus dem Nichts tauchte Raul Bobadilla in der 52. Minute plötzlich völlig allein vor Jarstein auf, doch der Ball ging knapp am Tor vorbei. In der Folgezeit verflachte das Spiel mehr und mehr. Auch ein wild gestikulierender Pal Dardai konnte den Ball von der Seitenlinie aus nicht ins Tor tragen.

Mitte der zweiten Halbzeit brachte der Hertha-Coach Geburtstagskind Alexander Baumjohann aufs Feld, um dem Offensivspiel neue Impulse zu geben, doch es blieb beim 0:0. Bei den Gastgebern verdienten sich Mitchell Weiser und Keeper Jarstein die Bestnoten, bei den Gästen gehörten Schlussmann Hitz und Caiuby zu den besten Akteuren. In der Tabelle rangiert Hertha mit 33 Zählern weiter auf dem dritten Platz. Der FC Augsburg blieb im sechsten Ligaspiel in Folge ohne Niederlage. Die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl, in der Europa League Gegner des FC Liverpool mit Jürgen Klopp, hat mit 20 Punkten Anschluss ans gesicherte Mittelfeld.

"Wir befassen uns nicht mit der Wahrnehmung anderer"

Vor dem Spiel hatten die Berliner Selbstbewusstsein gezeigt, aber auch vor übertriebenen Erwartungen gewarnt. "Wir wollen weiter erfolgreich sein", hatte Manager Michael Preetz an. Und Trainer Pal Dardai ergänzte: "Wenn wir so weiterspielen, ist es gut. Wie viele Punkte dazukommen, kann ich nicht sagen."

Dass die Spitzenmannschaften den Tabellendritten Hertha nun als größere Konkurrenz ansehen könnten, davon wollte Preetz nichts wissen: "Wir befassen uns nicht so damit, ob uns andere Mannschaften jetzt anders wahrnehmen." Wie auch Trainer Dardai wollte der Manager keine konkrete Prognose über den Verlauf der Rückrunde wagen: "Wir werden relativ schnell sehen, wie wir in die zweite Hälfte der Saison finden und ob wir in der Lage sind, uns weiterzuentwickeln."

Preetz weist Wechselgerüchte um Brooks zurück

Kurz vor dem Spiel hatte es Meldungen gegeben, die einen Weggang von John Anthony Brooks immer wahrscheinlicher erscheinen lassen. Schalke-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies bestätigte konkretes Interesse am Berliner Eigengewächs, das seit seiner frühesten Jugend nur "Jay Jay" genannt wird. Auch Kevin Wimmer von Tottenham Hotspur haben die Gelsenkirchener demnach ins Visier genommen. "Bei Wimmer und Brooks sind wir in intensiven Gesprächen", sagte Tönnies in einem Interview mit dem Pay-TV-Sender Sky. Hertha-Manager Preetz wollte davon nichts wissen: "Uns liegen keine offiziellen Anfragen vor", sagte Preetz und versprach: "John Brooks bleibt bei uns."

Angeblich soll auch der VfL Wolfsburg am US-Nationalspieler interessiert sein. Der Vertrag des 22-Jährigen bei Hertha läuft noch bis Mitte 2017. Über eine Verlängerung der Zusammenarbeit reden beide Seiten schon länger - bislang jedoch ohne Ergebnis.

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