Spieler von Hertha BSC trainieren am 12.01.2016 im türkischen Belek (Quell: dpa)

Fußball | Hertha ist zurück aus dem Trainingslager - Tore und gute Laune für die Rückrunde

Eine Woche lang floss der Schweiß in Strömen. Für die Spieler von Hertha BSC gab es nur Fußball. Der Verein hat sich im türkischen Belek auf die zweite Saisonhälfte vorbereitet. Der Bundesligadritte scheint gut gerüstet für den Start der Rückrunde. Von Jakob Rüger

Einmal klappte es dann doch, wie in den zahlreichen Trainingseinheiten zuvor. Ein Steilpass auf Vedad Ibisevic, der setzte sich gegen seinen Gegner durch und traf ins Tor. Gegen den Schweizer Erstligisten FC Vaduz aus Liechtenstein blieb es der einzige Treffer, trotz zahlreicher guter Torchancen. Hertha BSC beendet das Trainingslager mit einem Erfolgserlebnis und damit auch mit einem guten Gefühl. Zwei Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage stehen am Ende zu Buche. Trainer und Mannschaft waren zufrieden mit der arbeitsreichen Woche.

Im Mittelpunkt stand der Ball

Trainer Pal Dardai hatte im Vorfeld klar gemacht, dass er viel mit dem Ball arbeiten möchte. Die Mannschaft sollte ihren Rhythmus finden in der knappen Vorbereitungszeit. Daher gab es auch vier Testspiele in sieben Tagen. Den Anfang machte ein leicht holpriger Start gegen Bundesligakonkurrent Hannover. Noch klappte nicht alles, aber Hertha trat dominant auf. Dazu gab es die Premiere für Neuzugang Sinan Kurt. Der 19-Jährige war erst kurz vor dem Trainingslager, vom FC Bayern in die Hauptstadt gewechselt. Kurt lernte in Belek seine neuen Teamkameraden genauer kennen. Mitchel Weiser, Marvin Plattenhardt und Yanni Regäsel halfen, dem in Belek schüchtern auftretenden Jungen, bei der Integration.

Vier Torhüter - alle angeschlagen

Das 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach war dann ganz nach dem Geschmack von Trainer Pal Dardai. Zwar bemängelte er noch im Spiel die fehlende Aggressivität seiner Spieler, dafür zeigte das Team Moral. Gegen eine starke Borussia lag Hertha erst mit zwei Toren zurück und schaffte dann doch noch den Ausgleich. Gegen Bochum gab es dann aber einen Rückschlag. Die B-Elf der Berliner bekam eine deftige 1:4 Klatsche. Die Mannschaft wirkte müde. Dazu erwischte Torhüter Sascha Burchert einen schwarzen Tag. Überhaupt die Keeper: Wunderte man sich zu Beginn des Trainingslagers noch, dass der Trainer vier Schlussmänner mit nach Belek nehmen wollte, klärte sich diese Personalplanung bald auf.

Marius Gersbeck verließ die Türkei frühzeitig und machte sich auf den Weg zu Drittligist Chemnitz. Als Leihgabe soll er dort Spielpraxis sammeln. Sascha Burchert hatte im Trainingslager Probleme mit dem Oberschenkel. Und die eigentliche Nummer eins Thomas Kraft, wollte nach einer viermonatigen Verletzungspause sein Comeback geben, dann zwickte die lädierte Schulter wieder. Ein Zweikampf um die Torhüterposition musste also ausfallen. Rune Jarstein dürfte in der Rückrunde im Kasten stehen. Daran ändert auch eine Erkältung des Norwegers, am letzten Tag des Trainingslagers nichts. Doch Thomas Kraft gab gegen den  FC Vaduz dann doch sein Comeback.

Viel Auswahl für Pal Dardai

Gegen das Team aus Liechtenstein deutete sich an, wie Hertha am ersten Rückrundenspieltag gegen Augsburg auflaufen könnte. Es war die Mannschaft, die am letzten Hinrundenspieltag gegen Mainz im Olympiastadion begeisterte. Trainer Pal Dardai hat klar gemacht, die erfolgreiche Mannschaft des letzten Halbjahres  hat einen Bonus. Doch der Konkurrenzkampf ist größer geworden. Langzeitverletzte sind zurückgekehrt und hinterließen in Belek einen guten Eindruck.

Offensivmann Änis Ben-Hatira oder Außenverteidiger Peter Pekarik zum Beispiel. Sein Comeback feierte auch Stürmer Julian Schieber. Nach elf Monaten Pause wegen einer Knieverletzung, spielte er gegen Bochum unauffällige 20 Minuten. Der 26-Jährige will sich nun langsam zurück arbeiten. Pal Dardai freut sich über so viel Auswahl. Er weiß aber auch, unzufriedene Spieler stören die Teamchemie. Am Ende will eben jeder spielen. Doch davon war in Belek nichts zu spüren. Hertha scheint in dieser Saison eine  besondere Atmosphäre in der Mannschaft zu haben. Das hört man von allen Seiten und das wurde unter der Woche sichtbar. Immer wieder wurde gelacht und gescherzt, es herrschte eine gute Stimmung.

Am einzigen freien Nachmittag machte die Mannschaft viel gemeinsam. Einige zog es an den Strand, andere in die Innenstadt von Belek. Kapitän Fabian Lustenberger trieb es mit einer Gruppe auf einen der zahlreichen Golfkurse. Der Schweizer spielt selbst kein Golf, betätigte sich aber als Caddy. Trug die Schläger und fuhr die Golfautos. Anschließend gab er zu, dass es ganz angenehm war, einmal nicht an Fußball zu denken. 

Cheftrainer Pal Dardai schiebt mit seiner Schulter das Tor zurecht (Quelle: dpa)
Pal Dardai bereitete Hertha BSC mit Ernst und Spaß auf die Rückrunde vor

Lockerheit und Spaß im Training

Doch auch auf dem Trainingsplatz ging es lustig zu. Pal Dadai baute immer wieder kleine Wettkämpfe in die Übungen ein. Das sorgte für eine gewisse Lockerheit und Spaß. Das Trainerteam versucht laut Dardai damit, die Mannschaft an ihre Grenzen zu treiben. Das Training bestand aber nicht nur aus Spaß. Intensiv wurde an der Ballsicherheit gearbeitet. Dazu gab es immer wieder Übungen zum gezielten Torabschluss. Pal Dardai wollte das Spiel seiner Mannschaft in diesem Bereich verfeinern.

Die Testspiele haben gezeigt, dass das durchaus gelungen ist. Doch Kapitän Fabian Lustenberger machte deutlich, dass sich der Ernstfall nicht simulieren lässt. Dabei hatte der Mittelfeldspieler das erste Spiel im neuen Jahr gegen Augsburg im Kopf. Der Trainer stimmte seinem Kapitän zu, wie erfolgreich das Trainingslager in Belek wirklich war, zeige sich erst am 23. Januar. Dann will Hertha erfolgreich in die zweite Saisonhälfte starten.

Beitrag von Jakb Rüger

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