Alba Berlins Basketballprofi Dragan Milosavljevic (links) dribbelt im Pokalfinale gegen Bryce Taylor vom FC Bayern München am 21.02.16 in München (Quelle: imago / Buthmann).

Basketball | Alba Berlin empfängt Bayern zum Eurocup-Achtelfinale - "Jetzt wollen wir sie auch aus dem Eurocup kicken"

Nur drei Tage nach Albas spektakulärem Pokalsieg in München haben die Bayern die erste Gelegenheit zur Rache: Am Mittwoch reisen sie zum Hinspiel des Eurocup-Achtelfinales in die Hauptstadt. Die Berliner müssen schnellstens vergessen, was sie dem Favoriten da angetan haben. Von Sebastian Schneider

Ob die Basketballmanager Marko Pesic und Marco Baldi schon den Air-Berlin-Chef Stefan Pichler angerufen haben, ist noch nicht überliefert. Pichler aber sollte gewarnt sein: Die beiden Sparfüchse könnten entweder versuchen, ihm einen Rabatt für die Strecke Berlin - München abzuschwatzen. Oder sie könnten sich diskret erkundigen, ob es die kriselnde Fluglinie im Mai überhaupt noch gibt. Sie hätten jedenfalls dringend Bedarf. 

Alba Berlin gegen den FC Bayern ist seit Jahren die spannendste Hakelei im deutschen Basketball, aber wenn diese Saison zu Ende ist, dürften die Fans genug Gehakel für die nächsten drei Erdzeitalter gesehen haben. Bundesliga, Eurocup, Top Four - rechnet man noch die Playoffs dazu, könnten beide Teams bis zum Mai zehnmal gegeneinander gespielt haben. Die Hälfte haben sie schon kommende Woche hinter sich.

Wieder mal Außenseiter

Alba gewann die ersten beiden Duelle, mal wieder trotz mittelprächtiger Prognosen - am Sonntag entführte Sasa Obradovics Schwadron spektakulär den Pokal aus der Halle der Münchner. Aber seitdem versuchen die Sieger alles, um ihren Rausch zu verdrängen. "Es bedeutet nichts", sagte Berlins Manager Marco Baldi. "Wir sollten nicht zu viel feiern", empfahl der Trainer Obradovic. 

Am Mittwoch (19.30 Uhr) treffen sich beide Mannschaften in Friedrichshain wieder, zum Hinspiel des Eurocup-Achtelfinales. Dann startet der Flieger zurück nach München, es geht zum Ligamatch am Sonntag in der Rudi-Sedlmayer-Halle. Kommenden Dienstag wird dort schließlich das Eurocup-Rückspiel aufgeführt.

"Die können mit so einer Pleite umgehen"

Der überraschende Kraftakt der Berliner hat die Münchner am Sonntag sichtlich verstört - sie schienen es nicht fassen zu können, dass sie ihr "Finale dahoam" gegen die individuell schwächer besetzten Endgegner noch vergeigt hatten. Zur Halbzeit hatten sie noch mit neun Punkten geführt. Aber Jordan Taylor, Elmedin Kikanovic und Dragan Milosavljevic mit der Schlusspointe versauten den Gastgebern den Abend - alle drei waren erst vor der Saison nach Berlin gezogen.

Wieder also hat es Sasa Obradovic geschafft, ein neu verquirltes, wankelmütiges Team perfekt vorzubereiten. Gut, vielleicht hätte der Eisklotz Milosavljevic seinen Game-Winner gegen die Bayern auch mit Pal Dardai oder einem Besenstiel auf der Trainerbank getroffen, zuzutrauen wäre es ihm. Aber vor allem die handfeste Defense und der kluge Teambasketball in den letzten Minuten gegen München zeigte: Nach dürftigen Spielen, garniert von einer unsäglichen Heimniederlage gegen Würzburg, hat Alba rechtzeitig zu den bayerischen Wochen wieder in der Spur gefunden. "Jetzt wollen wir sie auch aus dem Eurocup kicken. Wir haben ja gezeigt, wie man sie schlägt", bekundete Albas Abwehrkraft Akeem Vargas.

Allerdings erwarte er die Münchner zum zweiten Streich am Mittwochabend mit "Schaum vor dem Mund", sagte Vargas. Spiele zwischen den Berlinern und den Bayern nehmen die Beteiligten sowieso schon persönlich. Noch so eine Watschn wie am Sonntag werden sich die selbstgewissen Münchner nicht bieten lassen; sie werden Obradovic auch nicht den Gefallen tun, seine Spieler schon wieder zu unterschätzen. "Wir sind in der letzten Februar-Woche. Die Saison ist noch nicht vorbei", drohte Bayerns Coach Svetislav Pesic.

Alba Berlins Basketballcoach Sasa Obradovic freut sich über den Pokalsieg gegen den FC Bayern München am 21.02.16 in München (Quelle: imago / Jan Huebner).
Unter Sasa Obradovic gewann Alba Berlin in den vergangenen vier Jahren dreimal den Pokal - in den Playoffs aber war gegen die Bayern jedes Mal Schluss.

Playoff-Test im Februar

Auf ihren talentiertesten Treibauf Nihad Djedovic müssen die Bayern am Mittwoch immer noch verzichten, er wird nicht rechtzeitig fit. Ansonsten aber erwarten Albas Profis keine Fremdkörper - mit dem Münchner Topscorer Alex Renfroe (14,8 Punkte im Schnitt) haben sie ja vergangene Saison noch zusammengespielt.

Aber auch Bryce Taylor, Anton Gavel, Deon Thompson, John Bryant und Dusko Savanovic können den Busfahrer längst problemlos die A9 hinauf lotsen, falls Air Berlin doch noch den Betrieb einstellt. In den vergangenen drei Jahren spielten die Münchner drei Playoff-Serien gegen Alba - verloren haben sie keine einzige. Im Moment steht Berlin auf Platz sechs, Bayern ist Zweiter. Bliebe es dabei, würden die beiden Teams auch in diesem Frühling aufeinandertreffen - schon in der ersten Runde.

Beitrag von Sebastian Schneider

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