Alba Berlins Guard Akeem Vargas (links) verteidigt den FC-Bayern-München Profi Bryce Taylor (rechts) im Hinspiel des Eurocup-Achtelfinales am 24.02.16 in Berlin (Quelle: imago / Matthias Koch).

Basketball | 82:82 im Eurocup-Hinspiel gegen die Bayern - Alba spielt Unentschieden

Dass es knapp werden würde - geschenkt. Aber Alba Berlin und der FC Bayern waren im Hinspiel des Eurocup-Achtelfinales so überragend gleich gut, wie nie zuvor: Mit 82:82 gingen beide Teams am Mittwochabend auseinander. Zwei Monate vor den Playoffs spielen die Erzrivalen, als ginge es schon um die Meisterschaft. Von Sebastian Schneider

Die wertvollsten Erkenntnisse dieses Abends: Unentschieden spielen die Bayern nicht nur gegen Turin. Und über undichte Heizungsrohre bayerischer Turnhallen werden Berliner Fans in Zukunft nicht mehr spotten.

Beim Pokalfinale am vergangenen Sonntag hatte es so lang von der fossilen Hallendecke des FC Bayern getropft, bis das Endspiel gegen Alba fast abgesagt werden musste. Am Mittwoch, beim schnellen Wiedersehen im Hinspiel des Eurocup-Achtelfinales, zickte auch die Technik in der Berliner Glaskathedrale - auf die sie bei Alba so stolz sind. Weil ein Computer den Dienst quittiert hatte, mussten die Schiedsrichter das Spiel zweimal unterbrechen - so lange, dass die Spieler sogar Zeit für ein paar Wurfübungen hatten.

Ansonsten? Bayern und Alba fetzten sich so hingebungsvoll, als wäre es ein "Do-or-die"-Spiel im Mai und nicht das mittelwichtige Achtelfinale des zweitklassigen Eurocups. Die beiden Teams kennen sich längst so gut, dass ihre Basketballer auch Trikots tauschen und sich Pappmasken ihrer Gegenspieler aufsetzen könnten, es würde nicht weiter auffallen. Am Mittwochabend aber waren sie so gleich gut wie nie zuvor: Sie spielten 82:82 Unentschieden. Abgerechnet wird dieses Achtelfinale nun nur durch das Rückspiel am Dienstag in München - eine Auswärtskorb-Regel gibt es nicht.

Alba verspielt Führung schnell

Aus einer arithmetischen Laune des Teufels heraus könnte es passieren, dass beide Klubs bis zum Ende der Playoffs zehnmal aufeinandergetroffen sind. Die Fans sparen sich ihre Kraft offenbar für den Frühling auf: Nur knapp 8.900 Besucher sahen sich das Eurocup-Spiel in Friedrichshain an. Die Berliner begannen genauso konzentriert wie im Pokalfinale am Sonntag und besonders ihr Center Elmedin Kikanovic (24 Punkte) schien es mit dem Piccoloschlürfen nicht übertrieben zu haben. Er traf aus der Halbdistanz, er traf mit seinem "Baby Hook", dem nicht zu blockenden Hakenwurf. Bayerns Angriffe versandeten, Das Gefolge des Trainers Svetislav Pesic wurde von der Defensive der Berliner gebremst. Nach wenigen Minuten führte Alba mit 18:9.

Dann aber machten die Berliner, was sie immer machen: sie schluderten und päppelten ihren Gegner wieder auf. Obradovics Systeme blieben Theorie auf dem Taktikbrett, dazu häuften seine Spieler viel zu viele Ballverluste an, nach einer Viertelstunde waren es schon zehn Turnovers. Bayern arbeitete sich zurück ins Spiel, angeführt vom energischen Point Guard Anton Gavel (13). Mitte des zweiten Viertels glichen die Münchner zum 33:33 aus. Wieder einmal hatte sich gezeigt, dass man in dieser vorgezogenen Playoff-Serie erst dann auf's Klo gehen sollte, wenn wirklich niemand auf dem Feld steht.

Der Berliner Kunstschütze Dragan Milosavljevic (17) hatte es derweil wie so oft ruhig angehen lassen, er hat sich dann aber doch noch seine Tarnkappe abgezogen. Kurz vor der Halbzeit wurde er am Zonenrand gefoult und schmiss den Ball trotzdem fast von hinter der Brettkante aus elegant in den Korb. Alex King, Berlins sicherster Dreierschütze in dieser Eurocup-Saison, traf von links außen. Zur Halbzeit führte Alba mit sechs Punkten. "Wir hätten höher führen müssen, wir haben sehr viel liegenlassen", haderte Berlins Manager Marco Baldi in der Pause auf Eurosport.

Fünf Punkte in einem Angriff zugelassen

Im dritten Durchgang verpulverte Alba seinen Vorsprung innerhalb der ersten zwei Minuten. Bryce Taylor traf seinen zweiten Dreier, dem geschmeidigen Kikanovic glitschte der Ball aus den Fingern. Dann machte sich die prächtige Verteidigung beider Mannschaften auch in den Beinen der Spieler bemerkbar - sie wurden müde und kamen zu spät. Die Teamfoulgrenzen fielen schnell.

Langsam aber nervten die Berliner ihre Gegner so nachhaltig, dass die ihre Contenance verloren. Obradovics Zonenverteidigung ging jetzt auf, angetrieben von Jordan Taylor (zehn Zähler) und Milosavljevic kam Alba zu leichten Punkten. Die Münchner schmissen zwei Airballs hintereinander  - und dann erlaubte Alba ihnen plötzlich durch einen offenen Dreier und ein dämliches Foul hinterher fünf Punkte in einem Angriff. Vor dem letzten Viertel stand es nur noch 67:64.

Dinosaurischer Schützenkönig

Den Münchner Topscorer Dusko Savanovic (15) könnte man angesichts seines greisen Alters auch bis zum Schlussviertel auf der Bank ruhen lassen, am Stärksten ist er, wenn's pressiert. Als die letzten zehn Minuten gegen Alba angebrochen waren, traf der Serbe mal wieder völlig unbeeindruckt. Er stakste in seiner dinosaurischen Art zum Korb, jeder wusste, was er vorhatte - aber aufhalten konnte Savanovic trotzdem keiner: Bayern führte mit 70:69.

Die nervöseren Berliner wussten nicht mehr recht, wie sie den Ball am einfachsten in den Korb befördern sollen. Milosavljevic schmiss einen seltsamen Airball, Kikanovic wurde unter dem Brett gedoppelt. Die Blocks im Angriff saßen nicht mehr, Alex King verweigerte den freiesten Wurf des Abends. Viereinhalb Minuten vor dem Ende lag sein Team schon mit sieben Punkten hinten.

Es war heute offensichtlich, dass beide Teams sich gegenseitig gut kennen, aber ich denke, das ist eine gute Sache. Ich bin glücklich, so viele Male gegen so eine gute Mannschaft zu spielen."

Alba-Coach Sasa Obradovic nach dem zweiten Unentschieden seiner Karriere

Taylor bringt Alba nach sieben Punkten Rückstand wieder heran

Was dann geschah? Sie ahnen es. Ein Mann in einem gelben Trikot traf einen aberwitzigen Wurf, er wurde dabei gefoult und legte noch einen Punkt obendrauf. Ein anderer, der sonst nie Dreier nimmt, verwandelte von ganz weit draußen. Alba war doch noch zurückgekommen. Jordan Taylor blies die Backen auf und zeigte seinem Gegner Gavel, wofür er die dickeren Oberarme hat. Die Münchner verdaddelten zweimal sinnlos den Ball, Obradovics Recken glichen 38 Sekunden vor dem Ende zum 82:82 aus.

Die müssen sich über dieses Unentschieden trotzdem mehr ärgern, als ihre Gäste. "Wir haben nicht gut verteidigt, es waren deutlich zu viele Punkte bei den Münchnern", sagte Albas Akeem Vargas. "Sie haben im Vergleich zum Sonntag ihre Stärken besser ausgespielt, gerade beim offensiven Rebound." Sein Chef Sasa Obradovic aber wollte es nicht zu schwer nehmen. "Es war heute offensichtlich, dass beide Teams sich gegenseitig gut kennen, aber ich denke, das ist eine gute Sache. Ich bin glücklich, so viele Male gegen so eine gute Mannschaft zu spielen", gelobte er.

Es war ja nicht sein erstes Unentschieden. Beim letzten Mal trug er noch selbst das Alba-Trikot und der ältere Herr, der da auf der Pressekonferenz neben ihm saß, war sein Trainer. "Am Ende haben wir zusammen den Korac-Cup gewonnen", sagte Svetislav Pesic.

Beitrag von Sebastian Schneider

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