Alba Berlins Kapitän Alex King stemmt jubelnd den gerade gegen Bayern München gewonnenen Pokal in die Luft, 21.02.2016 in München (Quelle: imago / Buthmann).
Video: Abendschau | 21.02.2016 | Jörg Klawitter

Basketball | 67:65 im Finale gegen Bayern - Alba Berlin ist Pokalsieger

Es war ein irrsinnig spannendes Pokalfinale - und Albas Dragan Milosavljevic hat es mit seinem Treffer fünf Sekunden vor Schluss entschieden. Die Berliner schlugen ihren Lieblingsgegner Bayern München in dessen eigener Halle mit 67:65 - zur Halbzeit hatten sie noch deutlich zurückgelegen. Von Sebastian Schneider 

Am Anfang tropfte es aus einem Heizungsrohr an der Decke aufs Parkett einer Turnhalle in München-Sendling. Es musizierte die Blaskapelle Harmonie Neubiberg und im Festzelt nebenan schenkten sie Freibier aus. Uli Hoeneß winkte gütig. Am Ende durfte ein Berliner Berufssportler seinem Trainer Sasa Obradovic dessen Glatze streicheln, ohne dafür massakriert zu werden. Uli Hoeneß guckte traurig. Dazwischen wurde Basketball gespielt. Aber der Reihe nach.

Die Rudi-Sedlmayer-Halle ist mehr als 40 Jahre alt, und auch wenn der FC Bayern seine Spielstätte gern werbegerecht zum "Audi Dome" aufplustert, ändert das nichts an ihrem Erscheinungsbild aus dem Pleistozän. In der Nacht zum Sonntag war ein Rohr krepiert, stundenlang platschten die Wassertropfen auf den Hallenboden. Das Spiel um Platz drei zwischen Frankfurt und Bamberg hatte zur Freude beider Teams nicht stattfinden können. Als Entschädigung beschallerte man die 6.500 Besucher mit Bier. Rechtzeitig zum großen Tam-Tam zwischen dem FC Bayern und Alba Berlin aber war das Rinnsal versiegt.

Bayern Münchens Ex-Präsident Uli Hoeneß jubelt als Besucher des Basketball-Pokalfinales zwischen dem FC Bayern und Alba Berlin am 21.02.2016 in München (Quelle: imago / Jan Huebner).
Jubelte etwas zu früh: FC-Bayern-Ikone Uli Hoeneß feuerte die Münchner in der Halle vergeblich an.

Beide Teams zeigen ihre härteste Verteidigung seit langem

Für das "Finale dahoam" gegen ihren ungeliebtesten Endgegner hatten die Münchner am Samstag den Tabellenführer aus Bamberg eindrucksvoll aus dem Weg geräumt. Die Berliner hatten gegen die mäßig begeisternden Frankfurter erst in letzter Sekunde gewonnen. "Wir sind sogar als Underdogs angereist. Vor allem nach der Niederlage in der Liga gegen Würzburg hat niemand auf uns gesetzt", behauptete Albas Coach Sasa Obradovic später.

Die Spiele zwischen den Bayern und Alba sind innerhalb weniger Jahre zum spannendsten Knatsch der Liga geworden. Die Bamberger sind einfach zu gut, die werden halt respektiert. Vor jedem Aufeinandertreffen der Münchner und der Berliner aber werden beide Lager gelöchert, ob sie denn die anderen nur mittelblöd oder so richtig blöd finden. Sie wiegeln dann ab, reden von großem Respekt und dass da nichts weiter sei. Aber auf dem Feld sieht man dann, dass das nicht stimmt. Auch am Sonntag war es nicht anders.

Von Beginn an verteidigten beide Teams mit einer Inbrunst, wie man sie seit Langem nicht von ihnen gesehen hat. Nach vier Minuten stand es erst 2:2. Der Berliner Akeem Vargas und der Münchner Bryce Taylor zum Beispiel hingen derart autistisch an ihren Gegenspielern, dass sie die Neubiberger Blasmusikanten nicht gehört hätten, wenn sie ihnen den bayerischen Defiliermarsch ins Ohr trompetet hätten. Vorne storchte Berlins beweglicher Center Elmedin Kikanovic (19 Punkte) den Ball immer wieder in den Korb. Nach dem ersten Viertel führte Alba mit 13:11.

Alba Berlins Basketballprofi Jordan Taylor (links) im Duell mit seinem Gegenspieler Anton Gavel vom FC Bayern München im Pokalfinale am 21.02.2016 in München (Quelle: imago / Buthmann).
Das Schönste am Finale in der Münchner Halle waren nicht die spektakulären Würfe - sondern die vollendete Verteidigung beider Teams.

Harte Defense über das gesamte Spiel

Im zweiten Viertel stapfte der schnaufende Münchner Riese John Bryant aufs Feld. In Berlin verspotten ihn die Fans als "den Dicken", sein Coach Svetislav Pesic giftete vor einigen Monaten, Bryant heule mehr herum, als dass er spiele. Aber gegen Alba stellte Bryant seinen weichen Riesenkörper einfach unter den Korb, antizipierte, wohin die Bälle abprallen würden und kam zu ein paar einfachen Rebounds. Der Berliner Storch Kikanovic, der erneut geistesabwesende Mitchell Watt und Jonas Wohlfarth-Bottermann konnten Bryant nicht am Herumstehen hindern.

Alba verlor den Ball innerhalb weniger Minuten dreimal, weil ein Spieler aus Versehen mit dem Fuß im Aus stand. Die Münchner setzten ihnen immer wieder mit Schnellangriffen zu, den schönsten prügelte der Aufbauspieler Justin Cobbs über Mitchell Watt hinweg in den Korb. Zur Halbzeit führte Bayern mit 34:25. Der Freigänger Uli Hoeneß freute sich auf der Sendlinger Tribüne sichtlich über seinen Besuch. Es sah aus, als hätten die Berliner Spieler mal wieder viel zu früh die Nerven verloren.

Pesic: "Wir haben unsere Chance in der ersten Halbzeit versäumt"

Im dritten Viertel irrlichterten sie erst einmal weiter über das Feld. Der Trainer krakelte seine babylonischen Spielzüge aufs Taktikbrett, es half aber nichts. Nur durch die Einzelaktionen von Kikanovic und Jordan Taylor (18 Punkte) fiel Alba nicht weiter zurück. Dann aber geschah etwas Eigenartiges: Die Münchner verfehlten den Korb fast vier Minuten lang, auch, weil die Berliner sie einfach nicht treffen ließen. Im Gegensatz zu Alba ließen die Gastgeber aber auch in der Defense nach. "Wir haben unsere Chance in der ersten Halbzeit versäumt. Wir waren ein bisschen passiv, deshalb ist Berlin wieder ins Spiel gekommen", sagte Münchens Trainer Svetislav Pesic später. Vor dem letzten Abschnitt stand es 43:43.

Drehbuch des letzten Viertels

Schon kurz nach dem Anbruch der entscheidenden zehn Minuten zeigte sich dann, dass man jede Annahme, wie dieses unfassbare Finale ausgehen würde, endgültig in der Isar versenken konnte. Es kam so:

  • Bayern setzt sich auf fünf Punkte ab.
  • Danach, ohne Unterbrechung: Dreier Berlin, Dreier München, Dreier Berlin, Block Berlin, Foul München. Durchschnaufen.
  • Will Cherry pflügt zweimal erfolgreich durch die Zone der Bayern, dann trifft der nicht eben für seinen Distanzwurf gefürchtete Berliner Kikanovic noch einen Dreier von links außen.
  • Der lange egale Dragan Milosavljevic (elf Punkte, acht Rebounds) haut noch einen rein. Berlin führt mit sieben Punkten, 95 Sekunden vor Schluss.
  • Plötzlich brät Albas Center Kreso Loncar seinem Gegenspieler von hinten derart ungeschickt eins über, dass die Schiedsrichter ihm ein unsportliches Foul geben. Zwei Freiwürfe und Münchner Ballbesitz.
  • Bayerns Dusko Savanovic trifft 29,1 Sekunden vor dem Ende aus geschätzt sieben Metern zum 65:65.
  • Berlin hat den vorletzten Angriff. Cherry dribbelt nach vorne, der Ball kommt zu Milosavljevic. Der läuft in die Mitte der Zone, wird einen ungelenken Korbleger los. Der Ball tanzt auf dem Ring, dann fällt er träge hinein.
  • Justin Cobbs verbockt Bayerns letzte Chance und wirft einen Airball. Alba gewinnt. Milosavljevic verschwindet unter seinen jubelnden Mitspielern. Er sagt: "Wir geben nie auf."

Vier Duelle innerhalb von zehn Tagen

Die gedemütigten Münchner verließen danach schweigend ihre Halle. "Wir müssen das Spiel erst einmal verarbeiten. Das wird nicht einfach", erklärte ihr Coach Svetislav Pesic. Das Pokalfinale war nur der Auftakt der preußisch-bayerischen Festspiele: Schon am Mittwoch haben Pesic und sein Gefolge Gelegenheit zur Rache. Dann sind beide Teams in Berlin zum Achtelfinal-Hinspiel im Eurocup verabredet. Am Sonntag geht es zum Liga-Spiel zurück nach München, am Dienstag darauf steigt das Eurocup-Rückspiel. "Das ist wie eine Playoff-Serie", sagte Obradovic nach einer kurzen, verfeierten Nacht.

Beitrag von Sebastian Schneider

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