Genki Haraguchi von Hertha BSC (li.) freut sich über seinen Treffer zum 3:1 gegen den 1. FC Heidenheim. (Quelle: dpa)

Fußball | Nach 3:2 in Heidenheim - Hertha im Halbfinale zuhause gegen Dortmund

Es sah knapp aus, war aber letztlich eine klare Sache: Hertha BSC hat am Mittwochabend beim 1. FC Heidenheim mit 3:2 gewonnen und ist souverän ins Halbfinale des DFB-Pokals eingezogen - zum ersten Mal seit 35 Jahren. Aber es kam noch besser: In der Runde der letzten Vier haben die Berliner Heimrecht und treffen Ende April auf Borussia Dortmund.

Hertha BSC steht zum ersten Mal seit 35 Jahren wieder im Halbfinale des DFB-Vereinspokals. Beim 1. FC Heidenheim, dem Zweitligisten aus Baden-Württemberg, gewann der Bundesligist am Mittwochabend nach einer starken Leistung mit 3:2 (2:1).

In der Runde der letzten Vier (19./20. April) trifft Hertha BSC zuhause auf Borussia Dortmund. Das ergab die Auslosung in der ARD-Sportschau am Mittwochabend. Dortmund hatte beim VfB Stuttgart mit 3:1 gewonnen. Für die Berliner ist es das erste Pokal-Halbfinale seit 1981. Damals verloren Jürgen Mohr, Thomas Remark und Co. bei Eintracht Frankfurt mit 0:1. Im zweiten Halbfinale 2016 trifft Bayern München auf Werder Bremen. Der FC Bayern setzte sich bei Zweitligist VfL Bochum mit 3:0 durch, Werder hatte überraschend mit 3:1 bei Bayer Leverkusen gewonnen.

Michael Preetz una Pal Dardai (Quelle: imago/Bernd König)
Michael Preetz und Pal Dardai (re.), Manager und Trainer von Hertha BSC

Preetz und Dardai freuen sich auf volles Haus

Hertha-Manager Michael Preetz freute sich über die Auslosung: "Wir haben endlich ein Heimspiel, das ist ein tolles Los für unsere Fans." Er freue sich auf ein volles Olympiastadion und mit Borussia Dortmund auf einen starken Gegner. "Klar ist: wir wollen noch ein zweites Mal in Berlin spielen", sagte Preetz und bezog sich dabei auf eine mögliche Endspiel-Teilnahme am 21. Mai im eigenen Stadion.

Nach 1977 und 1979 wäre es das dritte Pokal-Finale für die Hertha-Profis - und das erste in Berlin. Auch Hertha-Trainer Pal Dardai freut sich auf das Halbfinale gegen den BVB: "Borussia Dortmund ist ein schwerer Gegner, aber wir haben nur ein Ziel und das heißt Finale", sagte Dardai. In jedem Fall dürfte der April einer der zuschauerstärksten Monate in der Vereinsgeschichte werden. Innerhalb einer Woche werden dabei über 140.000 Zuschauer erwartet - denn sowohl zum Halbfinale gegen Dortmund wie auch beim unmittelbar folgenden Punktspiel gegen den FC Bayern dürfte das Olympiastadion komplett ausverkauft sein.

Herthas Pokalhelden sind nach Stuttgart weitergereist

Inzwischen ist der Tross von Hertha BSC vom Osten Baden-Württembergs in die Südwest-Metropole Stuttgart weitergezogen. Dort treten die Berliner am Samstag zum Punktspiel gegen den VfB Stuttgart an. Dabei müssen die Berliner auf ihren Stürmer Salomon Kalou verzichten. Mit einer Muskelverletzung am rechten Oberschenkel fällt der Angreifer definitiv aus.

Der Verdacht auf einen Muskelfaserriss habe sich bei einer Untersuchung in Stuttgart allerdings nicht bestätigt, teilte der Überraschungs-Dritte der Fußball-Bundesliga am Donnerstag mit. Kalou machte sich zur weiteren Behandlung bereits auf die Rückreise nach Berlin.

Auch der Einsatz von Kapitän Fabian Lustenberger ist noch offen. Der Spielführer hatte die Pokal-Partie wegen Knie-Problemen verpasst. Der Schweizer sollte beim Training am Donnerstagnachmittag wieder mit dem Team üben.

Heidenheim gegen Hertha früh in Führung

In Heidenheim hatte Hertha BSC am Mittwochabend erneut eine starke Leistung abgeliefert. Der 1. FC Heidenheim, der erst 2014 in die Zweite Liga aufgestiegen war und dort aktuell Achter ist, witterte gegen Hertha bereits früh eine mögliche Überraschung.

Arne Feick hatte eine Ecke von Spielführer Marc Schnatterer am kurzen Pfosten vorbei an Hertha-Torhüter Rune Jarstein zum 1:0 über die Linie gedrückt. Doch im vielleicht größten Spiel ihrer Clugeschichte wurden die Württemberger schon bald auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Vedad Ibisevic antwortete umgehend mit einem Doppelschlag, jeweils nach Vorarbeit von Mitchell Weiser. Zunächst war der 31-Jährige per Abstauber erfolgreich, dann per sehenswerter Direktabnahme. Fast wäre es noch ärger gekommen für die Heidenheimer, denn nach einer halben Stunde hatte Ibisevic sogar einen Hattrick auf dem Fuß.

Auslosung der beiden Halbfinal-Partien im DFB-Vereinspokal in der ARD-Sportschau, unter anderem mit Handball-Nationaltorwart Andreas Wolff (Quelle: imago/Jan Huebner)
Auslosung zum Pokal-Halbfinale in der ARD-Sportschau

Sehenswertes Solo von Genki Haraguchi

Obwohl Berlin mehr Ballbesitz hatte, war das Spiel keine einseitige Angelegenheit. Heidenheim, das Abwehrspieler Robert Strauß mit Verdacht auf Knieverletzung verlor, kam immer wieder gefährlich nach vorn. Erst das starke Solo von Genki Haraguchi in der 58. Minute machte die Hoffnungen des Außenseiters zunichte. Der von Marc Schnatterer verwandelte Strafstoß konnte daran nichts mehr ändern.

Handball-Torwart Wolff zauberte Hertha zuerst aus dem Topf

Wenig später bei der Auslosung in der ARD-Sportschau trat Andreas Wolff, Torhüter des frisch gebackenen Handball-Europameisters Deutschland, als "Losfee" auf - und bescherte Hertha prompt ein Heimspiel. Schon das führte bei den Hertha-Verantwortlichen zu Jubelstürmen: "Heimspiel! Ich glaub es nicht!", twitterte Manager Preetz und ließ kurz danach folgen: "Berlin, Berlin, wir bleiben in Berlin!" Dass Wolff dann noch den BVB aus dem Lostopf zauberte, sorgte für zusätzliche Freude: Erst am vergangenen Samstag war der Tabellenzweite aus Dortmund im Olympiastadion zu Gast und musste sich gegen Hertha mit einem 0:0 zufrieden geben.

Letzte Halbfinal-Teilnahme liegt 35 Jahre zurück

Der Sprung unter die letzten Vier ist einen dick unterstrichenen Eintrag in den Hertha-Annalen wert, denn die letzte Halbfinalteilnahme der Hertha-Profis datiert von 1981. Noch länger her sind die beiden Final-Teilnahmen der Hertha-Profis: 1977 trafen die Berliner in Hannover auf den 1. FC Köln, wobei es auch nach Verlängerung noch 1:1 stand. Da es damals noch kein Elfmeterschießen gab, musste das Spiel wiederholt werden. Die Kölner gewannen knapp mit 1:0. Zwei Jahre später, 1979, stand Hertha wieder im Finale. Erneut fand das Endspiel im Niedersachsenstadion in Hannover statt, und erneut ging es knapp aus: Fortuna Düsseldorf gewann mit 1:0 nach Verlängerung.

1985 beschloss der Deutsche Fußballbund, das Endspiel dauerhaft im Berliner Olympiastadion auszutragen. Doch nur zweimal wehten Berliner Fahnen über dem weiten Rund: 1993, als die Hertha-Amateure sensationell ins Endspiel einzogen, und noch einmal 2001, als dem 1. FC Union dasselbe Kunststück gelang. Beide Spiele jedoch gingen verloren: Die "Hertha-Bubis" verloren gegen die Profis von Bayer Leverkusen mit 0:1, Union unterlag dem FC Schalke 04 mit 0:2.

Tapfer gekämpft, aber nie den Pott geholt

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