Pal Dardai leitet das Training bei Hertha BSC (Quelle: imago/Metodi Popow)

Fußball | Vor dem Pokal-Viertelfinale in Heidenheim - Pal Dardai plagen Verletzungssorgen

Sollte die Hertha ihr Pokalspiel heute Abend gewinnen, würde die Profi-Mannschaft zum ersten Mal seit 1981 wieder im Halbfinale stehen. Nach dem Auftritt gegen Dortmund scheint ein Sieg beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim durchaus möglich zu sein - doch Hertha-Coach Pal Dardai muss wichtige Spieler wahrscheinlich ersetzen.

Es liest sich gut, was Hertha BSC in dieser Saison schon alles zuwege gebracht hat: Nach 20 Spieltagen rangiert der Fußball-Bundesligist auf dem dritten Tabellenplatz und hat 35 Punkte eingesammelt. Selbst in der Spielzeit 1998/99, als die Berliner am Ende in die Champions League einzogen, waren es zum selben Zeitpunkt nur 33 Zähler.

Dardai arbeitet an Saisonziel Nr. 1

Es hat also durchaus seine Berechtigung, wenn die Fans bereits von der Europa-League oder gar der Königsklasse träumen. Doch noch ein anderer Traum könnte in Erfüllung gehen: die Teilnahme am DFB-Pokalfinale, noch dazu im eigenen Stadion. Auf Herthas Trainer Pal Dardai übt diese Vorstellung eine so große Faszination aus, dass er nach dem Zweitrundensieg beim FSV Frankfurt die Teilnahme am DFB-Pokalfinale sogar als offizielles Saisonziel ausgab.

Offenbar hat der Ungar seine Mannschaft damit so sehr motiviert, dass jetzt nur noch zwei Siege fehlen, um das große Ziel zu erreichen. Dabei sollte zumindest das Halbfinale möglich sein, denn nach der starken Leistung gegen Borussia Dortmund am Samstag erscheint die Aufgabe gegen den 1. FC Heidenheim (Mittwoch, 10.02.2016, 19 Uhr) als durchaus lösbar. Allerdings müssen die Berliner in Heidenheim möglicherweise gleich auf mehrere Leistungsträger verzichten.

Hertha wahrscheinlich ohne Lustenberger und Darida

Das betrifft zunächst einmal Kapitän Fabian Lustenberger sowie Mittelfeld-Regisseur Vladimir Darida. Sein Team werde "eher nicht" mit den beiden wichtigen Mittelfeldspielern gegen den Zweitligisten antreten können, erklärte Dardai am Montag.

Lustenberger (Knieprobleme) und Darida (Blessur oberhalb der Achillessehne) fehlten auch beim ersten Wochentraining. Auch Vedad Ibisevic musste wegen Zahnschmerzen auf die Übungseinheit verzichten. Zumindest Per Skjelbred steht wieder auf dem Trainingsplatz. Der Norweger hatte wegen einer Gelb-Sperre beim 0:0 gegen Borussia Dortmund pausiert und sich zudem einen Infekt zugezogen.

Herthas Lustenberger bejubelt Kalous 1:0 (Bild: dpa)
Wahrscheinlich nicht dabei: Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger

"Wir werden Heidenheim nicht unterschätzen"

"Wichtig wird die Tagesform sein. Wir werden Heidenheim nicht unterschätzen", betonte Dardai am Montag: "Wir haben viele angeschlagene Spieler und werden etwas zusammenbasteln." Dardai weiß, dass jetzt "die schwierigste Phase in dem Wettbewerb" kommt, auch wenn ein Sieg in Heidenheim machbar erscheint. "Es ist ein Traum, im Finale dabei zu sein", wiederholte der Ungar.

Aufgrund der Personallage wird Hertha mit 20 Spielern nach Heidenheim reisen, wo 1.553 Berliner Fans ihr Team unterstützen wollen. Nach der Partie wird der Hertha-Tross nicht nach Berliner zurückkehren, sondern gleich nach Stuttgart reisen. Dort steht am Samstag das nächste Bundesligaspiel gegen den VfB an.

Letzte Halbfinal-Teilnahme liegt 35 Jahre zurück

Auf die Quoten hat der Krankenstand der Berliner bisher keinen Einfluss gehabt. Beim Online-Buchmacher "bwin" ist Hertha mit einer Quote von 2,05 klarer Favorit. Heidenheim hat unter den Wettfreunden nur Außenseiterchancen (3,6).

Sollte der Sprung unter die letzten Vier gelingen, wäre dies einen dick unterstrichenen Eintrag in den Hertha-Annalen wert, denn die letzte Halbfinalteilnahme der Hertha-Profis datiert von 1981 - mit anderen Worten: Keiner der heutigen Spieler hatte damals schon das Licht der Welt erblickt - und selbst Pal Dardai war damals gerade erst fünf Jahre alt.

Tapfer gekämpft, aber nie den Pott geholt

Nur vier Endspiele mit Berliner Beteiligung

Noch länger her sind die beiden Final-Teilnahmen der Hertha-Profis: 1977 trafen die Berliner in Hannover auf den 1. FC Köln, wobei es auch nach Verlängerung noch 1:1 stand. Da es damals noch kein Elfmeterschießen gab, musste das Spiel wiederholt werden. Die Kölner gewannen knapp mit 1:0. Zwei Jahre später, 1979, stand Hertha wieder im Finale. Erneut fand das Endspiel im Niedersachsenstadion in Hannover statt, und erneut ging es knapp aus: Fortuna Düsseldorf gewann mit 1:0 nach Verlängerung.

1985 beschloss der Deutsche Fußballbund, das Endspiel dauerhaft im Berliner Olympiastadion auszutragen. Doch nur zweimal wehten Berliner Fahnen über dem weiten Rund: 1993, als die Hertha-Amateure sensationell ins Endspiel einzogen, und noch einmal 2001, als dem 1. FC Union dasselbe Kunststück gelang. Beide Spiele jedoch gingen verloren: Die "Hertha-Bubis" verloren gegen die Profis von Bayer Leverkusen mit 0:1, Union unterlag dem FC Schalke 04 mit 0:2.

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