Thomas Häßler - ab der Saison 2016/17 neuer Trainer beim Berliner Bezirksligisten "Club Italia 80" (Quelle: contrast/O. Behrendt)

Fußball | Bezirksligist holt Thomas Häßler als Trainer - "Icke" fängt nochmal ganz unten an

Im Wedding fing alles an, bei Meteor 06. Später geht Thomas Häßler zum 1. FC Köln. Nach dem WM-Titel 1990 kann er sich die Vereine aussuchen, erst Juventus, dann Rom. Jetzt kehrt "Icke" nach Berlin zurück. Ab dem Sommer soll Häßler den "Club Italia" trainieren - und ihn aus der Bezirksliga in den bezahlten Fußball führen. Von Daniel Marschke

Thomas Häßler kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Nach über 30 Jahren wird der aus Wedding stammende Fußball-Weltmeister seine Zelte wieder in Berlin aufschlagen. Ab der kommenden Spielzeit soll "Icke" den "Club Italia 80" trainieren, einen Bezirksligisten aus Berlin-Westend. Am Freitag veröffentlichte die Geschäftsführung eine entsprechende Pressemitteilung sowie ein Foto, das Häßler mit der "10" zeigt - der Rückennummer, die er selbst oft getragen hat.

"In acht bis zehn Jahren in den Profi-Fußball"

"Einen Verein wie 'Club Italia' neu zu entwickeln, sehe ich als eine spannende Aufgabe", wird der 101-malige Nationalspieler zitiert. Am kommenden Montag soll Häßler im Autohaus eines Sponsors offiziell vorgestellt werden.

Den Angaben zufolge erhält Häßler einen Zweijahresvertrag - und soll dabei helfen, ein ehrgeiziges Ziel zu erreichen: "In acht bis zehn Jahren wollen wir den Sprung in den bezahlten Fußball schaffen, also in der Dritten Liga spielen", sagte Sportdirektor Eric Meissner am Freitag rbb online.

Häßler passe "als Welt- und Europameister, ehemaliger Italien-Legionär und als gebürtiger Berliner perfekt in unser Anforderungsprofil", so Meissner. Man habe von Beginn an gespürt, "dass sich 'Icke' mit dieser Aufgabe vollumfänglich identifizieren kann".

Erste Trainer-Stationen in Köln, Nigeria und dem Iran

Zuletzt war Häßler Co-Trainer beim iranischen Erstligisten Padideh Maschad. Davor hatte der nur 1,66 Meter große Berliner bereits Jobs als Technik-Trainer beim 1. FC Köln und war unter Berti Vogts Co-Trainer bei der nigerianischen Nationalmannschaft.

Nach wie vor lässt sich "Icke" auch als Spieler sehen, zum Beispiel im "All Star"-Team von 1860 München, wo er von 1999 bis 2003 unter Vertrag stand. Außerdem engagiert er sich für den Nachwuchs und gehört dem Kuratorium der Stiftung Jugendfußball an, die im Jahr 2000 von Jürgen Klinsmann gegründet worden war. Ab März, so heißt es, will er bei der RTL-Show "Let's Dance" auch das Tanzbein schwingen.

Thomas Häßler und Pierre Littbarski im Jahr 1987 - zwei Berliner in Diensten des 1. FC Köln (Quelle: imago)
Einmal Berliner, immer Berliner: Thomas Häßler und Pierre Littbarski (1987)

Den Grundstein legten italienische Gastarbeiter

Dass sich Häßler beim "Club Italia" wohl fühlen dürfte, davon kann man ausgehen - schließlich verbinden sich mit Italien die wichtigsten Karriere-Stationen: Der Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 in Rom und die vier wichtigen Jahre, die folgten: erst ein Jahr bei Juventus Turin, dann drei Jahre beim AS Rom.

Das passt zum Selbstverständnis des "Club Italia", dessen Geschichte bis in die 60er Jahre zurückreicht, als italienische Gastarbeiter im Berliner Westend den Fußball zu ihrem liebsten Hobby erklärten. Heute finden sich nicht mehr allzu viele echte Italiener im Verein, sagt Sportdirektor Meissner, aber man ist stolz auf die italienischen Wurzeln.

"Club Italia" soll international vermarktet werden

Gemeinsam mit Giovanni Bruno, der schon früher das Präsidenten-Amt innehatte, regte Meissner 2012 an, den Club auf eine neue professionelle Basis zu stellen und Sponsoren aus Deutschland und Italien zu finden. "Schließlich ist unser Club immer noch der einzige italienische Fußballverein in der Hauptstadt", sagt Meissner. Das sei eine Marke, mit der sich gut werben lasse. So zählte zwischenzeitlich Fiat zu den Sponsoren, und auch der größte Mozzarella-Lieferant in Berlin gehört zu den Unterstützern.

Sportlich ist allerdings noch einiges aufzuholen, wenn der Sprung in den bezahlten Fußball gelingen soll. Derzeit spielt die "erste Männer" von Italia in der Bezirksliga (Staffel 3) und rangiert mit 15 Punkten aus 15 Spielen derzeit nur auf dem 13. Platz - eine dankbare Aufgabe für den heute 49-jährigen Thomas Häßler, der ja selbst in nur wenigen Jahren einen fast unglaublichen Aufstieg schaffte.  

Thomas Häßler: Von Berlin bis Rom - und wieder zurück

Beitrag von Daniel Marschke

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