Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft schwenken Fahnen während der Fußball-WM 2006 (Quelle: dpa)

Umweltministerin hält Lärmschutz für verhandelbar - Jubel bei der Fußball-EM darf länger dauern

Zwischen dem 10. Juni und 10. Juli könnte es in Berlin und Brandenburg sehr lange, sehr laut werden, denn dann ist Fußball-Europameisterschaft. Und weil sich gemeinsames Fußball-Gucken vor Leinwänden zum deutschen Kulturgut entwickelt hat, hält die Bundesumweltministerin Ausnahmen vom Lärmschutz in diesen vier Wochen für vertretbar.  

Seit dem Sommermärchen 2006 haben die Deutschen eine neue generationenübergreifende Lieblingsbeschäftigung: gemeinsames Fußball-Gucken vor Leinwänden. Wir nennen es "Public Viewing" und es hat spätestens seit dem Weltmeistertitel im Jahr 2014 Kulturgut-Charakter. Wenn ab dem 10. Juni 2016 der Ball in Frankreich zur Europameisterschaft rollt, werden sich die Deutschen diesen Spaß nicht verderben lassen wollen. 

Lärmschutz hängt vom Spielplan ab

Die Politiker wissen das und haben sich auch in der Vergangenheit schon verständnisvoll gezeigt. Beim Thema Lärmschutz wurden mehrere Augen zugedrückt. Jubeln war dann bis 24 Uhr erlaubt und nicht wie sonst nur bis 22 Uhr. Auch dieses Mal hat sich die Politik im Vorfeld bereits kulant gezeigt. Die für den Lärmschutz zuständige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wolle mit einer speziellen Public-Viewing-Verordnung den Beginn der Ruhezeit je nach Spielplan ausdehnen. Nach einem Bericht der "Bild"- Zeitung orientieren sich die Ausnahmen aber am Spielplan.  

Viele Spiele starten erst um 21 Uhr

Hendricks sagte dem Blatt, "mit anderen zusammen an großen Bildschirmen unter freiem Himmel mitzufiebern, gehört zu einer Fußball-Europameisterschaft einfach dazu. Da halte ich vorübergehende Ausnahmen vom Lärmschutz für vertretbar." Wie es weiter heißt, soll die Bundesregierung diesen Plan im April beraten. Die Verordnung solle Ende Mai in Kraft treten und dann bis zum 31. Juli gelten. Viele Abendspiele dieser Europameisterschaft werden erst um 21 Uhr angepfiffen, darunter zwei der drei Vorrundenspiele Deutschlands sowie alle Spiele ab dem Viertelfinale.

Landes-Immissionsschutzgesetz regelt Fanmeile

Es gibt allerdings auch das für Berlin geltende Landes-Immissionsschutzgesetz. Nach dem wird entschieden, für welche Veranstaltungen es Ausnahmen von den üblichen Lärmschutzregelungen gibt. Das Land ist für Großereignissen wie die Fanmeile am Brandenburger Tor verantwortlich. Für Kneipen und Biergärten sind die Bezirke zuständig. Aber auch sie hatten sich in der Vergangenheit beim Public-Viewing kulant gezeigt.