Die deutsche Diskuswerfer Robert Harting beim ISTAF Indoor (Quelle: Ralf Hirschberger/dpa)

ISTAF Indoor | Rekorde in ausverkaufter Halle - Harting siegt bei seinem Comeback

Musik, Feuer und einige sportliche Überraschungen: Leichtathletik-Fans sind am Samstag beim 3. ISTAF INDOOR auf ihre Kosten gekommen. Beim Stabhochsprung wurden die Favoriten düpiert, über 60 Meter feierte der "Opa" erneut einen Sieg, im Weitsprung überraschte eine Deutsche. Und dann waren da noch Harting und die Maskottchen.

Diskus-Olympiasieger Robert Harting hat bei seinem Comeback nach fast anderthalbjähriger Wettkampfpause auf Anhieb wieder einen Sieg gelandet. Der 31-Jährige steigerte sich beim ISTAF Indoor am Samstagabend im letzten Versuch noch auf starke 64,81 Meter und wurde von den 12.648 Fans in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena gefeiert.

Der dreimalige Weltmeister hatte Anfang September 2014 seinen bis dato letzten Wettkampf bestritten und sich kurz darauf das Kreuzband gerissen. Sein großes Ziel sind die Olympischen Spiele im Sommer in Rio de Janeiro. Zweiter bei der dritten Auflage des Leichtathletik-Hallenmeetings wurde Hartings jüngerer Bruder Christoph Harting mit ebenfalls starken 64,34 Metern. Der WM-Achte lag damit vor dem Belgier Philip Milanov (64,16).

"Es kann kein schöneres Comeback geben", sagte Harting bewegt und bedankte sich bei seinen vielen Fans: "Das bleibt immer im Herzen."

Holzdeppe und Lavillenie düpiert

Im Stabhochsprung gab es eine dicke Überraschung: Der Brasilianer Thiago Braz da Silva hat die Top-Favoriten düpiert. Der 22-Jährige gewann mit Südamerika-Rekord von 5,93 Metern und steigerte seine persönliche Bestleistung gleich um 17 Zentimeter.

Olympiasieger Renaud Lavillenie musste sich als Zweiter mit 5,85 Metern ebenso geschlagen geben wie Ex-Weltmeister Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken, der mit 5,77 Metern auf Rang drei kam.

Anschließend versuchte sich Da Silva dreimal an der Jahresweltbestleistung von 6,01 Meter, musste aber einsehen, dass diese Höhe wohl doch noch über seinen Möglichkeiten liegt. Routinier Malte Mohr scheiterte, wie schon vor einer Woche in Karlsruhe, dreimal an der Trainingshöhe von 5,30 Meter.

Sieg für den "Sprint-Opa"

Kim Collins (liebevoll "Sprint-Opa" genannt) und Weltmeisterin Dafne Schippers ("Fliegende Holländerin") haben sich die Sprintsiege über 60 Meter gesichert. Der 39 Jahre alte Routinier aus St. Kitts und Nevis, der bereits 2003 Weltmeister über die 100 Meter war, setzte sich in 6,53 Sekunden zum dritten Mal in Serie durch. Der deutsche Rekordmann Julian Reus (Wattenscheid) und Mitfavorit James Dasaolu (Großbritannien) schieden nach Fehlstarts aus.

200-Meter-Weltmeisterin Schippers gewann in der Jahresweltbestzeit von 7,00 Sekunden - zugleich Landesrekord für die Niederländerin. Sie hatte bereits im Vorlauf mit 7,04 Sekunden überzeugt. Zweite im Endlauf ohne deutsche Sprinterinnen wurde Marie-Jose Ta Lou von der Elfenbeinküste in 7,06.

Cindy Roleder gewann die 60 m Hürden. Die Leipzigerin setzte sich in 7,96 Sekunden vor Kristi Castlin (USA/8,06) durch und stellte damit ihre Saisonbestleistung ein. Bei der Freiluft-WM in Peking hatte Roleder im vergangenen Jahr überraschend über 100 m Hürden die Silbermedaille gewonnen.

Starker Auftritt von Weitspringerin Wester

Mit einem Überraschungssieg und starken 6,95 Metern hat Alexandra Wester als erste deutsche Weitspringerin die Norm für die Hallen-Weltmeisterschaften erfüllt. Das 21 Jahre alte Talent aus Köln überbot die Jahresweltbestleistung gleich um elf Zentimeter. Besser als Wester waren in der Halle überhaupt erst zwei deutsche Weitspringerinnen: Heike Drechsler (7,37 Meter) und Helga Radtke (7,09). Olympiasiegerin Drechsler war vor 20 Jahren letztmals bei einem Hallenmeeting weiter gesprungen (6,96 Meter).

Zweite wurde die Britin Shara Proctor mit 6,91 Metern. Xenia Stolz aus Wiesbaden kam auf Rang drei (6,63). Die Hallen-WM findet Mitte März in Portland im US-Bundesstaat Oregon statt.

Sportliche Berliner Maskottchen

Selbst die Maskottchen von Alba, Füchsen, Hertha, Union, Eisbären und dem SCC Berlin gingen an den Start. "Ritter Keule" machte das (schnellste) Rennen.

Maskottchenrennen beim ISTAF Indoor v.l.n.r. Fridolin Flink (SCC Berlin, Leichtathletik), Ritter Keule (1. FC Union Berlin, Fußball), Fuchsi (Füchse Berlin, Handball), Herthinho (Herta BSC Berlin, Fußball, Bully (Eisbären Berlin, Eishockey), Albatros (Alba Berlin, Basketball) (Quelle: imago/Matthias Koch)

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