Lucas Jakubczyk beim ISTAF Indoor 2015 (Quelle: Imago/Sportfotodienst)

Interview | Lucas Jakubczyk läuft beim ISTAF - "Für den Hallenbesucher ist es ein Spektakel"

Schnelle Frauen und Männer, ordentlich Tamtam und Konfetti: Am Samstag treffen sich die Leichtathleten beim ISTAF Indoor in Berlin. Eine gute Gelegenheit zum Kräftemessen auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Rio, sagt Sprinter Lucas Jakubczyk. Seine anfängliche Skepsis gegen Leichtathletik in der Halle hat er abgelegt.

Herr Jakubczyk, Sie sind derzeit der schnellste Mensch Berlins. 10,07 Sekunden sind ihre Spitzenzeit auf 100 Meter - ein Wimpernschlag entfernt von der magischen Grenze 10,0 Sekunden. Ist diese Grenze zeitnah für Sie oder einen anderen deutschen Sprinter zu knacken?

Das liegt im Bereich des Möglichen für den einen oder anderen. Julian Reus hat letzte Woche den deutschen Hallenrekord eingestellt. Wenn alles optimal läuft, kann man schon in den Bereich vordringen. Ob das aber im Olympiajahr 2016 oder nie in meiner Karriere passiert, das ist ganz schwer vorauszusagen. Da fiebern viele daraufhin. Bisher gab es nur wenige Weiße, die die 10 Sekunden durchbrochen haben. Für mich ist Rio das Ziel, […] und da geht es darum, sich im direkten Vergleich zu beweisen.

Was fehlt zu der 9 vor dem Komma und was fehlt zu den ganz großen Sprintern aus den USA und Jamaika?

Um es bildlich darzustellen: Auf 100 Metern machen wir zwischen 42 bis 44 Schritte, pro Schritt kann man eine hundertstel Sekunde addieren, da ist man dann ganz schnell bei vier Zehntel. Das ist im Prinzip eine hundertstel Sekunde pro Schritt, die man länger am Boden ist und vielleicht nicht das passiert, was passieren sollte. Im Sprint ist etwas langsamer am Ende dann eine große, große Welt. […]

Sie gehören neben Laura Lindemann und Ronny Rauhe zum "Trio für Rio", das von der rbb-Sportredaktion bis zu den Olympischen Spielen begleitet wird. Wie liegen Sie im Plan?

In der letzten Zeit ist es ein bisschen holprig. Ich konnte im November, Dezember ganz gut trainieren, jetzt im Januar war es zufriedenstellend. Akut hatte ich eine Woche lang eine heftige Grippe und musste komplett aussetzen. Damit kann ich jetzt nicht das Niveau vorweisen - wie es letztes Jahr war. Bis es richtig wichtig wird im April, ist es noch eine lange Zeit. Bis dahin wird das schon werden.

Es heißt Typen wie Usain Bolt entscheiden das Rennen schon vor dem Start - was heißt das?

Bei neun oder zehn Sekunden hat man natürlich wenige Möglichkeiten Fehler zu machen. Da muss vom ersten Schritt alles passen. Im Vorfeld von so einem Rennen sollte man mental auf der Höhe sein. Persönliche Schwächen versucht man zu kaschieren, um den Gegnern zu zeigen: Ich bin da und mit mir müsst ihr hier rechnen. Und mir ist ziemlich egal, was ihr das macht. Da sind einige in der Weltspitze dabei, die das beherrschen und das als Bühne nutzen. […]

Hürdenläufer ISATF Indoor 2015 (Quelle: Imago/Sportfotodienst)
Die Halle voll, das Publikum begeistert: gute Stimmung beim ISTAF 2015

Am Samstag wollen Sie beim ISTAF-Indoor in Berlin starten: Sind sie schon wieder so fit?

Schwierig zu sagen nach einer Woche Bettruhe. Der Körper reagiert auf die sportlichen Belastungen dann wesentlich anders. Ich freue mich auf jeden Fall auf das ISTAF. Die letzten zwei Jahre waren ein Heidenspaß. Ich habe dort sehr gute Leistungen abgeliefert - und es ist ein Heimspiel. Da möchte ich dabei sein.

Heimspiel und ein Spektakel. Da gibt es Feuerwerk, der Hallensprecher heizt den Leuten ein. Gefällt Ihnen das in Ihrer Sportart?

Als ich 2014 das erste Mal dabei war, hatte ich schon die Befürchtung, das könnte eine Zirkusveranstaltung werden. Wir sind Sportler sind in der Manege und sollen das Publikum bespaßen. Nach dem Wettkampf und meinem zweiten Platz hat sich meine Sichtweise verändert. Es ist ein guter Mix aus Sport und Event. Für den Hallenbesucher ist es Spektakel. Man sieht Weltklasseniveau auf engstem Raum und das macht es für jemanden, der keinen Einblick in die Welt der Leichtathletik hat, sehr angenehm. Das ist das ISTAF Vorreiter und gibt jeder Disziplin, jedem Athleten den Raum sich zu präsentieren. Das funktioniert.

Worauf freuen Sie sich besonders, mal abgesehen von Ihrem eigenen Start über die 60-Meter-Strecke?

Schon bei Veranstaltungsbeginn sind wir im Hintergrund in den Katakomben und machen uns warm, haben einen Vorlauf. […] Wir sind nur mit uns selbst beschäftigt. Deshalb kriege ich von den anderen Wettkämpfen wenig mit und freue mich auf meinen eigenen Lauf.

Robert Harting beim ISTAF INddor 2014 (Quelle:Imago/ Sportfotodienst)
Rudolf Harting beim ISTAF Indoor 2014

Was ist mit dem Comeback von Robert Harting, ihrem Vereinskollegen beim SC Charlottenburg?

Wenn der Wettkampf vorbei ist, kann man sich mit sowas auseinandersetzen. […] Der Diskus-Wettbewerb findet eh zum Ende statt. Es wird Zeit für Robert, sich wieder im Wettkampfgeschehen messen zu können. Das ISTAF ist eine optimale Bühne, um damit anzufangen. Ich hoffe, dass er gut wieder in die Wettkampfphase reinkommt.

Das Gespräch mit Lucas Jakubczyk führte Philipp Büchner für Inforadio. Sie lesen hier ausgewählte Auszüge, das ausführliche Interview können Sie oben im Beitrag im Audio hören.

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