Fans von Union protestieren gegen RB und zeigen Werte der Fankultur auf (Quelle: imago/Matthias Koch)

Fußball | Auswärtspartie am Freitag - Union-Fans planen nächsten Fanprotest gegen Leipzig

Mal schlüpfen sie in rote Kleidung und schweigen 15 Minuten, mal ziehen sie schwarze Plastiktüten über und schweigen ebenfalls - Fanproteste von Union-Fans bei Spielen gegen RB Leipzig sind fast schon Kult. Auch bei der Auswärtspartie am Freitag haben die Berliner Anhänger wieder eine Aktion geplant.

Beim Zweitligaspiel zwischen RB Leipzig und dem 1. FC Union Berlin am Freitag (18.30 Uhr, Leipzig) sind erneut Fanproteste zu erwarten. Die Anhänger der Berliner werden von Unions führender Ultra-Gruppierung "Wuhlesyndikat" dazu aufgerufen, die Union-Blöcke in den ersten 15 Minuten komplett frei zu halten und erst danach ihre Elf anzufeuern.

Das geht aus dem Informationsblatt "Die Wald-Seite" hervor, das vom "Wuhlesyndikat" herausgegeben wird. "Bitte beteiligt euch an dieser Protestform, damit wir wieder ein Ausrufezeichen setzen. Für den Fußball, den wir lieben!", heißt es.

Der von dem österreichischen Getränkekonzern "Red Bull" geförderte Verein RB Leipzig ist aktiven Fußball-Fans von Traditionsvereinen wie Union seit Jahren ein Dorn im Auge. Sie vermissen in Leipzig beispielsweise Mitbestimmungsmöglichkeiten durch die Anhänger.

Immer wieder Schweigen

Der Protest hat Tradition. Es gab ihn auch bei den drei bisherigen Zweitliga-Vergleichen. Beim Hinspiel in Berlin am 28. August 2015 (1:1) kleideten sich Union-Fans in rote Kleidung und schwiegen in den ersten 15 Minuten. In der Saison 2014/15 hüllten sich Union-Fans beim 2:1-Erfolg An der Alten Försterei in schwarze Plastiktüten und schwiegen für den Erhalt der Fußball-Kultur 15 Minuten.

Beim Rückspiel am 1. März 2015 in Leipzig (2:3) gingen die meisten Union-Fans erst zur zweiten Halbzeit ins Stadion. Andere waren zwar pünktlich vor Ort, schwiegen aber in den ersten 45 Minuten. Am Vormittag hatten 2.000 Berliner ein Traditionsspiel zwischen Chemie Leipzig und Union besucht. Über 4.000 Fans kamen insgesamt. Anhänger beider Teams wollten mit der Partie einen Gegenpol zum künstlich entstandenen RB-Verein aufzeigen.

"Wir verkaufen unsere Seele, aber nicht an jeden"

Für die Berliner traten im Alfred-Kunze-Sportpark in Leipzig-Leutzsch unter anderen Oskar Kosche, Marco Gebhardt, Sven Kaiser und Ronny Nikol an, für Chemie Hans-Jörg Leitzke, Manfred Graul und Holm Pinder. Den Ehrenanstoß vollführten die Vereinslegenden Jimmy Hoge (Union) und Dieter Scherbarth (Chemie).

Der Widerstand gegen RB Leipzig ist gerade beim Verein Union Berlin groß. Union sieht sich als fanorientierten Kult-Klub und steht damit nach eigener Ansicht komplett konträr zu dem Verein aus Leipzig, dem sie mangelnde Fankultur und Historie vorwerfen.

Als die Köpenicker 2011 um Aktionäre für den Stadionkauf warben, gab es ein Werbeplakat mit einer zerquetschten Red-Bull-Dose und dem Spruch: "Wir verkaufen unsere Seele, aber nicht an jeden." Auch ein geplantes Testspiel vor einigen Jahren wurde unter anderem auf Druck der Fans abgesagt.

BSG Chemie Leipzig - 1. FC Union Berlin (Quelle: imago/Matthias Koch)
Mannschaftfoto vor der Partie zwischen Union und Chemie

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