Alba Berlins neu verpflichteter Profi Brandon Ashley stellt sich am 02.03.16 in der Berliner Trainingshalle vor (Quelle: imago / Camera4).

Basketball | Alba Berlin vor dem Spiel gegen Göttingen - Albatros mit Spannweite

Den Pokal haben sie gewonnen, aus dem Eurocup wurden sie von den Bayern geworfen - jetzt zählt für Alba Berlins Basketballer nur noch die Bundesliga. Gegen den Tabellenfünfzehnten Göttingen dürfte am Samstag der Zugang Brandon Ashley für die Berliner debütieren - sein enttäuschender Vorgänger hat den Dienst quittiert. Von Sebastian Schneider

Alex King ist in München aufgewachsen und nach allem, was über Alba Berlins Kapitän bekannt ist, gefällt es ihm dort noch immer ausgezeichnet. Aber nach vier Spielen hintereinander gegen den FC Bayern reicht's ihm jetzt. "Es ist schön, mal wieder gegen einen anderen Gegner zu spielen", gestand der 31-Jährige am Freitag. Der andere Gegner, das ist die BG Göttingen. Am Samstag um 18.30 Uhr hat King in der Arena am Ostbahnhof gegen den Tabellenfünfzehnten Dienst.

Zwei Kollegen werden King dabei nicht zur Hand gehen können: Der Erste ist Dragan Milosavljevic, er wollte bei der zünftigen Niederlage gegen die Bayern am vergangenen Sonntag offenkundig Dresche zurückgeben, die sein Team da gerade bezog. Berlins zweitbester Scorer wurde, wie sein gegnerischer Raufbold Alex Renfroe, von der Liga für ein Spiel gesperrt.

Nach dem Eurocup-Aus zeigt sich Obradovic versöhnlich: "Ich kann nicht unzufrieden sein - mit all den Problemen und Verletzungen."

"Hire and Fire"-Wechsel nichts Ungewöhnliches

Der Zweite ist Mitchell Watt, nach nur sechs, größtenteils enttäuschenden Monaten hat der Power Forward Berlin wieder verlassen. Am Freitag teilte der Klub mit, dass der Vertrag "einvernehmlich aufgelöst" wurde, wie es so schön heißt. Watt spielte fast nie, wie Albas Trainer Sasa Obradovic sich das vorstellte. Hatte er den Ball, zögerte er zu lang, hatte er ihn nicht, lief er oft die falschen Wege. Auch in der Defense langte der 26-Jährige nicht beherzt genug hin. Kurz: Watt spielte zu weich. Und das kann Obradovic überhaupt nicht ausstehen. Nun wechselt der US-Amerikaner nach Israel, zurück zu Ironi Nes-Ziona.

Gewöhnen sollte sich der Kapitän King stattdessen an Brandon Ashley, der erst 21-Jährige dürfte am Samstag seine ersten Spielminuten für Berlin erleben. Erst kurz vor dem Ende der Transferfrist am 29. Februar gab Alba die Verpflichtung bekannt, da dürfte Mitchell Watt schon geahnt haben, dass er das Ende dieser Saison in Berlin nicht mehr erleben würde. Im Basketball gehören solche "Hire and Fire"-Wechsel während einer Spielzeit zum Geschäft.

Extrem lange Arme und einen verlässlichen Distanzwurf

Der 2,01 Meter große Ashley ist zierlicher als Watt, hat aber extrem lange Arme und einen anscheinend wesentlich besseren Distanzwurf - dadurch soll er auch helfen, den auf ungewisse Zeit verletzten Berliner Schützen Niels Giffey zu ersetzen. Außerdem wurde Ashley am College in Oakland zermürbende Verteidigung eingebleut - wie seinem damaligen Kumpel und neuen Mitspieler Will Cherry.

Diese Kombination war dem Berliner Sportdirektor Himar Ojeda einen Vertrag bis zum Saisonende mit einer Option auf eine weitere Spielzeit wert. Aber wie bei Albas vergleichsweise schmalem Budget üblich, ist Ashleys Talent nur eine Wette auf den Erfolg; Gewissheit gibt's für diesen Preis nicht.

Dass er sofort einschlägt, ist also eher unwahrscheinlich - Ashley träumt zwar von der NBA, spielte aber zuletzt nur in deren Farmliga D-League. Bei den Texas Legends gelangen ihm im Schnitt 15 Punkte pro Spiel. Berlin ist seine erste Station außerhalb der USA. " Es ist eine komplett neue Basketball-Welt für ihn", sagt sein neuer Drill Sergeant Obradovic. Zum einen muss sich der Mann aus San Francisco an das härtere europäische Spiel anpassen, zum anderen an Obradovics' anspruchsvolle Winkelzüge. Oh, und an das Berliner Wetter natürlich. "Es ist ziemlich kalt hier", stellte Ashley erstmal fest.

Elf Spiele langer Endspurt

Falls er wenigstens sein Jetlag bis zum Samstagabend überwindet, wäre ihm sein Coach sicherlich verbunden. Denn Alba ist nach zwei Niederlagen in Folge inzwischen auf den sechsten Tabellenplatz abgerutscht. Bis zu den Playoffs im Mai darf das Team gerade gegen die Kleineren der Liga nicht mehr schludern, um die Ausgangslage für die Endrunde zu verbessern.

Wie gut, dass Göttingen sogar die kleinste Mannschaft ist - der längste Profi, Harper Kamp, misst winzige 2,03 Meter. Das Hinspiel in Niedersachsen gewann Alba recht ungehindert mit 88:63. Von der Reise in die Hauptstadt erhoffen sich die Göttinger offiziell nicht viel mehr, auch wenn sie inzwischen ein paar Profis ausgetauscht haben. "Mit dem Pokalsieg hat Alba wieder bewiesen, dass es einer der Top-Favoriten auf die Meisterschaft ist. Außerdem hat es in Sasa Obradovic den besten Trainer in Deutschland", lobte der Coach Johan Roijakkers.

Sein gepriesener Kollege wird sich davon nicht ablenken lassen. Obradovic weiß, dass die Episode gegen Göttingen nur der Anfang eines elf Spiele langen, elendig anstrengenden Endspurts ist: "Ein Sieg für uns ist absolute Pflicht."

Beitrag von Sebastian Schneider

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