Dragan Milosavijevic (rechts), Basketballprofi bei ALBA Berlin beim Wurf gegen Aleksandar Nadjfeji von den Walter Tigers Tübingen beim Bundesliga-Heimspiel am 19.12.15 in Berlin (Quelle: imago / Bernd König).

Basketball | Alba spielt in Tübingen - Wenigstens wieder ausgeschlafen

Alba Berlin reist ausgeruht und gut vorbereitet wie seit der Winterpause nicht mehr zu den Abstiegskämpfern nach Tübingen. Um endlich den sechsten Platz zu verlassen, muss am Sonntag ein Sieg her - aber vor der Abfahrt hat sich schon wieder ein Spieler verletzt. Und Niels Giffey wird dem Team nun doch noch länger fehlen. Von Sebastian Schneider

Im Eurocup war gegen die Bayern Sense, den deutschen Pokal haben sie selbst gewonnen, nun haben Alba Berlins Basketballer an den Wochenenden nur noch in Bundesliga-Hallen zu tun. Ihr Trainer findet das erfreulich. "Ich sage das nur ungern, aber es tut der Mannschaft gut, dass wir jetzt nicht mehr so viele Spiele haben", sagte Sasa Obradovic am Freitag. Da hatte er sein Team gerade eine ganze Woche lang täglich trainieren können - so viel Zeit zum Üben hatte der Perfektionist Obradovic seit der Winterpause nicht mehr.

"Wir können da an unserer Kondition, an den individuellen Skills und auch am Zusammenspiel feilen. Natürlich nutzen wir die zusätzliche Zeit auch, um uns auf die jeweils nächsten Spiele wie das am Sonntag in Tübingen vorzubereiten", informierte er.

Um 17 Uhr werden die Berliner dort von den "Tigers" erwartet, die stehen nur zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Ihre vergangenen fünf Spiele haben sie alle verloren, in der Hinrunde hatte Alba mit den Schwaben in Friedrichshain keine Probleme.

Niels Giffey (links) und Robert Lowery (rechts), verletzte Profis von Alba Berlin, schauen ihren Kollegen beim Heimspiel am 05.03.16 gegen Göttingen zu (Quelle: imago / Bernd König).
Niels Giffeys (links) Hoffnungen auf eine Rückkehr ins Training haben sich erstmal zerschlagen - Robert Lowery fällt ohnehin noch aus. Und nun hat es auch noch Ismet Akpinar erwischt.

Adleräugigster Spielmacher der Liga

In den letzten sechs Wochen der regulären Saison muss Alba so viele Plätze nach oben klettern wie möglich, der jetzige sechste Rang würde eine bescheidene Ausgangsposition für die Playoffs im Mai bedeuten. Gegen Göttingen fingen die Berliner schon mal erfolgreich mit der Kärrnerarbeit an, der Termin in Tübingen wird ähnlich anstrengend. "Tübingen ist gefährlicher als der Tabellenstand vermuten lässt", sagte der Kapitän Alex King. Allerdings würde sich die Plackerei für ihn und seine Kollegen an diesem Wochenende besonders lohnen, denn die über Alba stehenden Bayern und die Frankfurt Skyliners treffen im direkten Duell aufeinander.

Die Tigers werden dirigiert von Jared Jordan, dem adleräugigsten Spielmacher der Bundesliga, der 31-Jährige ist außerdem hellseherisch beschlagen, anders sind seine Passfähigkeiten kaum zu erklären - im Schnitt serviert Jordan seinen Mitspielern 8,8 Vorlagen pro Partie. Nimmt man ihn aus dem Spiel, wird das ganze Tübinger Team schwächer. Das Punkten übernehmen hauptsächlich drei Profis, allesamt Flügelspieler und allesamt gefährliche Schützen: Der Montenegriner Vladimir Mihailovic und die beiden US-Amerikaner William Buford und Garlon Green. Eine immer beständigere Rolle nimmt der junge deutsche Center Bogdan Radosavljevic ein, der 22-Jährige kommt inzwischen auf 8,2 Punkte in durchschnittlich 18,8 Minuten pro Spiel.

Giffey fällt weiter aus - Rückkehr immer noch ungewiss

Nach den Chancen gegen die Tübinger befragt, sparte Sasa Obradovic nicht mit Respektsbekundungen: "Die können zu Hause jeden schlagen." Vor allem ein angekratztes Team, das nach den turbulenten letzten Tagen einen Abgang verkraften und einen Neuzugang integrieren muss.

Dazu kommt: Wie es in dieser Saison gute Sitte ist, musste Obradovic auch in dieser Woche eine neue Krankmeldung entgegennehmen, diesmal hat es Ismet Akpinar erwischt. Im Training riss sich der immer besser in Schwung kommende Point Guard Muskelfasern im rechten Oberschenkel. Nun wird er drei bis vier Wochen lang ausfallen. Weil Robert Lowery sich weiter von seinem Bänderriss erholt, hat Obradovic in Tübingen mit Jordan Taylor nur noch einen gelernten Spielmacher zur Verfügung.

Niels Giffey wird dem Team wegen seiner Sehnenentzündung im Fuß ebenfalls noch länger fehlen, die erhoffte Rückkehr ins Mannschaftstraining verzögert sich. "Niels ist noch immer in der Reha und auch wenn er wieder richtig ins Training einsteigen kann, dauert es, bis er uns auf Parkett helfen kann", sagte Obradovic am Donnerstag. Noch Anfang der Woche hatten der Coach und der Manager Marco Baldi gehofft, dass Giffey in den nächsten Tagen wieder mit dem Team üben kann.

Ashley muss nach vielversprechendem Start Verantwortung übernehmen

Umso mehr wird es schon gegen Tübingen auf den neuverpflichteten Brandon Ashley ankommen. Bei seinem Debüt gegen Göttingen machte der 21-jährige Forward seine Sache ganz und gar nicht schlecht - dafür, dass er Obradovics detaillierte Ideen noch gar nicht verinnerlicht haben konnte. Ashley soll auch Dragan Milosavljevic entlasten, der hatte wegen Giffeys Fehlen in den vergangenen Wochen fast immer deutlich mehr als 30 Minuten spielen müssen.

Mit einem Sieg könnten die Berliner übrigens die Vergangenheit ihres Klubs veredeln, auch wenn er ihnen in der Gegenwart nicht übermäßig viel nutzt: Dann stünde Alba auf dem ersten Platz der ewigen Tabelle der Bundesliga - vor Bayer Leverkusen.

Beitrag von Sebastian Schneider

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