Sasa Obradovic (Trainer ALBA Berlin, rechts), gestikulierend an der Seitenlinie, links Jordan Taylor (ALBA Berlin), Bundesligaspiel ALBA Berlin - BG Göttingen am 05.03.16 in Berlin (Quelle: imago / Bernd König).

Basketball | Alba Berlin muss gegen Oldenburg gewinnen - Die Wucht der kleinen Dinge

Alba Berlin muss vor den Playoffs weiter Plätze gutmachen, am Samstag braucht der Tabellenfünfte deshalb einen Sieg gegen den Dritten aus Oldenburg. Der Berliner Coach Obradovic würde seine Spieler gerne in so vielen Trainingsstunden wie möglich trimmen - dumm nur, dass ihm fast das halbe Team fehlt. Von Sebastian Schneider

Was Basketballtrainer verrückt macht, sind nicht die vielen Spiele, die ihren Profis während einer Saison abverlangt werden. Es sind die endlosen Stunden in Abfertigungshallen und Bussen, auf zu engen Flugzeugsitzen und kurzen Hotelbetten. Alba Berlin hatte seit dem Bundesligastart im Oktober höchstens sechs Tage Pause zwischen zwei Partien, jedenfalls bis zum Eurocup-Aus gegen die Bayern Anfang März.

Dem Trainer Sasa Obradovic blieb kaum Zeit, um an Grundlagen zu arbeiten: Der richtige Laufweg, das Timing beim Pass, die Genauigkeit beim Block stellen. Viele verschluderte Kleinigkeiten aber türmten sich zu einem großen Problem auf - und Obradovic zermürbte das sichtlich. Wenn er ein Basketballspiel beobachtet, sieht er nichts als Details.

Sieben Siege in Serie

Inzwischen muss Alba nur noch in der Bundesliga ran. Auf das wichtige Heimspiel am Samstag gegen Oldenburg (18.30 Uhr) konnte Obradovic seine Anvertrauten immerhin fünf Tage vorbereiten. Das Problem ist: Immer tut sich einer weh. "Jetzt haben wir mal die ganze Woche, um an taktischen Dingen zu arbeiten, aber mir fehlt die halbe Mannschaft", klagte der Coach am Donnerstag. Er musste seine Sportgruppe mit Jugendspielern ergänzen, sein wichtigster Point Guard Jordan Taylor hatte sich wegen schmerzender Muskeln abgemeldet. 

Die Oldenburger stehen auf dem dritten Platz, zwei Ränge vor Alba. Bliebe es bis zum Mai dabei, hätten die Berliner in der ersten Runde der Playoffs ein Heimspiel weniger - um die Niedersachsen noch abzufangen, müssen sie sie am Samstag besiegen. Die aber sind vorbereitet: Zum einen kommen sie mit der Empfehlung von sieben Siegen in Serie nach Friedrichshain. Zum anderen flüstert Sasa Obradovics ehemaliger Co-Trainer Mauro Parra inzwischen dem Oldenburger Chefcoach die Spielzüge der Berliner ein. Der heißt Mladen Drijencic und ist eigentlich immer heiser.

Viele "Fast-Breaks", clevere Ballbewegung

Drijencic hat ein spektakuläres Team zusammengeschraubt, seine Spieler laufen viel mehr Schnellangriffe als die Berliner. Den Oldenburger Point Guard Chris Kramer nannte ein Ex-Trainer mal "eine Kanonenkugel auf zwei Beinen", der 27-Jährige ist wieder der beste Verteidiger der Mannschaft.

Gemeinsam mit Vaughn Duggins (im Schnitt 14,8 Punkte pro Spiel) und dem elastischen Veteranen Rickey Paulding jagt Kramer den Ball so schnell es geht über die Mittellinie - überdrehen aber tun die Oldenburger selten. Im Hinspiel haben sie Alba besiegt. "Sie stehen auch in der Liga vollkommen verdient weit oben. Die Aufbauspieler haben alle einen hohen Basketball-IQ, das merkt man auch an ihrer Konstanz", sagte Sasa Obradovic am Freitag. Die Baskets bewegen den Ball fleißiger, verlieren ihn seltener und werfen ihn häufiger aus der Distanz in den Korb als die Berliner (siehe Teamvergleich).

Kresimir Loncar (Mitte) läuft vor dem Bundesliga-Heimspiel seines Klubs Alba Berlin gegen die BG Göttingen am 05.03.16 in die Mercedes-Benz-Arena ein (Quelle: imago / Camera 4).
Albas Center Kresimir Loncar hat nun einen deutschen Pass und gibt seinem Coach wegen der Ausländerregelung mehr Möglichkeiten, zu rotieren.

Taylor ist angeschlagen, aber kann spielen

Normalerweise hätte Alba trotzdem die Mittel, um die Oldenburger Dauersprinter in der Verteidigung plattzumachen. Aber gerade auf den kleineren Positionen bleibt Obradovic gerade wenig Auswahl. Robert Lowery wird nach seiner schweren Knöchelverletzung erst Anfang April zurück erwartet, Ismet Akpinar kuriert einen Muskelfaserriss aus. Akeem Vargas ist außer Form, also werden der angeschlagene Jordan Taylor und Will Cherry viele Minuten lang ackern müssen.

Kraftfresser-Basketball mit allen zwölf Profis

Gewinnen können die Berliner dieses Spiel vor allem unter den Körben: Oldenburgs Center sind zwar beweglich, aber Albas Brecher Elmedin Kikanovic und Kreso Loncar rebounden besser und gehen härter zum Brett. Letzterer hat seinen Wert in dieser Trainingswoche übrigens fast verdoppelt - und dafür hätte er nicht mal seine Basketballschuhe schnüren müssen: Loncar hat nun neben der kroatischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Der 33-jährige Center ist mit einer Unterfränkin verheiratet.

Wir dürfen die Aggressivität der Berliner nicht in unseren Kopf kommen lassen, sondern müssen die Spielkontrolle bewahren."

Oldenburgs Cheftrainer Mladen Drijencic

Das bedeutet: Loncars Chef Obradovic kann seinen Kraftfresser-Basketball nun auch in den Playoffs rücksichtsloser durchziehen. In der Bundesliga darf er höchstens sechs nichtdeutsche Spieler pro Partie einsetzen. Wäre Loncar nicht eingebürgert worden, hätte nach der Rückkehr von Robert Lowery immer ein Ausländer aussetzen müssen.

Noch aber bekommt Loncar keine Extrapausen, im Spiel gegen Oldenburg wird er viele blaue Flecken sammeln müssen. Mehr als 10.000 Karten hat Alba schon verkauft, zu einer Vorentscheidung wollte Sasa Obradovic die Angelegenheit trotzdem nicht überhöhen: "Die Schlüsselspiele beginnen für uns erst ab dem Viertelfinale. Davor interessiert mich nur, ob wir einen guten Job machen und nicht das Ergebnis." Wie gesagt: Es geht um Details.

Beitrag von Sebastian Schneider

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