Jordan Taylor (ALBA Berlin), rechts, und Rickey Paulding (Oldenburg), kämpfen am Boden um den Ball, im Spiel ALBA Berlin - EWE Baskets Oldenburg Basketball, BEKO BBL am 19.3.2016 in Berlin (Quelle: imago / Bernd König).

Basketball | Alba Berlin empfängt Hagen - Eiersuche mit Feuervögeln

Die Kraftprobe gegen Oldenburg hat Alba Berlin haarscharf verloren, selbst der vierte Platz ist kaum noch machbar. Am Ostersonntag müssen die Berliner gegen Phoenix Hagen gewinnen, um nicht weiter abzurutschen - aber wieder hat sich ein Spieler verletzt abgemeldet. Von Sebastian Schneider

Geht es um Alba Berlin, weiß Ingo Freyer, was sich gehört - schließlich hat der Hagener Coach höchst erfolgreich für den Berliner Klub gespielt. Mit seinem Teamkollegen Sasa Obradovic gewann Freyer vor 21 Jahren den Korac-Cup. "Die Qualität des Teams ist sehr hoch, ebenso dessen Intensität", lobte Freyer vor dem Auswärtsspiel seines Teams am Sonntag (17 Uhr) in der alten Heimat. "Berlin hat einfach Spieler, die alles richtig machen." Das Problem seines Kollegen Obradovic ist nur: Es werden immer weniger.

Die vergangenen zwei Jahre hatte der Trainer Obradovic mit seinen Teams Glück, nur selten fielen Leistungsträger verletzt aus. In dieser Saison aber muss der Tüftler ständig improvisieren, weil sich wieder jemand etwas getan hat. "Immer fehlt irgendjemand. So kann man sich nur schwer einspielen und die nötige Stabilität gewinnen", klagte der Teamkapitän Alex King vor dem Match gegen die Hagener. Da hatte es gerade Jonas Wohlfarth-Bottermann erwischt: Im unglaublich knappen Scheibenschießen gegen die Baskets Oldenburg verletzte sich der Center am rechten Knie. Er muss aller Wahrscheinlichkeit nach operiert werden und wird für den Rest der Saison ausfallen. Ob er überhaupt nochmal für Alba antritt, ist fraglich: Wohlfarth-Bottermanns Arbeitsvertrag endet nach dieser Spielzeit.

Jonas Wohlfarth-Bottermann, Center-Spieler bei Alba Berlin in der Saison 2015 / 2016 (Quelle: camera4)
Im Spiel gegen Oldenburg bekam Jonas Wohlfarth-Bottermann einen Schlag auf's rechte Knie - jetzt fällt er für den Rest der Saison aus.

"Er wird nur schwer zu ersetzen sein"

Auf den ersten Blick gehört Wohlfarth-Bottermann bei allem Einsatzwillen nicht unbedingt zu den Berliner Profis, die laut Freyer "alles richtig machen". Im Schnitt ließ ihn Obradovic in dieser Saison achteinhalb Minuten mitspielen, die mit Abstand geringste Einsatzzeit der Berliner Kanten unter den Brettern. Trotzdem hatte Alex King recht, als er über den Verletzten sagte: "Er wird nur schwer zu ersetzen sein."

Obwohl Obradovic den Ball lieber erstmal in die Zone bringen lässt, als ihn von draußen werfen zu lassen, hat Alba dort wenig Reserven: Fast alles hängt an Elmedin Kikanovic und Kreso Loncar. "Wobo" entlastete den Topscorer Kikanovic und den langsam in die Gänge kommenden, 33-Jährigen Loncar - vor allem, wenn die beiden in Foulprobleme gerieten. Nun muss Obradovic die beiden so präzise einsetzen, dass sie zwar ein bisschen mehr zeigen, aber nicht zu sehr aus der Puste geraten. Fliegt einer vom Feld, hat Berlin ein Problem. "Mehr solcher Ausfälle kann das Team jetzt wirklich nicht mehr verkraften. Wir sind diesbezüglich am Limit angekommen", sagte Loncar in einem Interview auf Albas Homepage.

Wurfgewandte Flitzer

Angesichts dessen sind die Hagener ein vergleichsweise gnädiger Gegner: Freyer lässt sein Team auch in diesem Jahr "Run & Gun"-Basketball spielen, losrennen, spekulieren, abdrücken. Hagen ist Elfter, viel Geld hat der Traditionsklub nie gehabt - auf Nummer sicher können die selbsternannten "Feuervögel" in kaum einem Spiel gehen, also riskieren sie lieber was.

Unter den Körben ist nicht viel los, auf die Dienste eines klassischen Centers hat Ingo Freyer in den vergangenen Jahren komplett verzichtet. Lieber holte er sich schnelle, wendige Flitzer, die gut von außen werfen können. Kein anderes Bundesliga-Team nimmt mehr Dreier, im Schnitt sind es in dieser Saison 27 pro Spiel. Der 1,88-Meter-Wusler David Bell verkörpert den Hagener Stil wie kein Zweiter.

Der 34-Jährige rennt, bis er unter's Sauerstoffzelt muss, er kommt in dieser Saison durchschnittlich auf 15,2 Punkte und trifft 40 Prozent seiner Dreier-Versuche. Letztes Jahr war Bell der zweitbeste Scorer der Liga.  Auch der angeschlagene Guard J.J. Mann (11,5 Punkte im Schnitt) und der Spielmacher Brandon Jefferson (12,5) wissen, wie man von weit weg wirft.

Klassen ist Hagens einziger echter Center

Für Alba spricht: Wenn man die Kleinen bremst, ist bei Hagen weitgehend Sense. "Wir müssen unsere großen Jungs in Szene setzen", sagte Berlins Aufbauspieler Jordan Taylor. Der Kanadier Owen Klassen ist der einzige Center, der den Gästen noch geblieben ist, fürchten müssen sich seine Berliner Gegenspieler vor ihm nicht unbedingt. Klassens Kollegen D.J. Covington zerlegte es vor etwa drei Wochen derart grauselig das Knie, dass die halbe Liga dem Hagener Profi gute Besserung wünschte.

"Jeder muss jetzt einen Schritt mehr machen"

Dreyers Spielern bleibt deshalb gar nichts anderes übrig, als die Rennerei in Friedrichshain auf die Spitze zu treiben. Der Abstiegsgefahr sind sie sowieso schon entronnen - und nach oben geht auch nix mehr. "Jeder weiß, wie man gegen Hagen spielen muss, aber das dann auch im Spiel in die Tat umzusetzen, ist leichter gesagt, als getan", merkte Sasa Obradovic dennoch an.

Wieder werden Jordan Taylor und Will Cherry das erledigen müssen, auf der Bank sitzt niemand mehr, der ihnen ein paar Sprints abnehmen könnte. Robert Lowery und Ismet Akpinar sind immer noch verletzt. Letzterer wenigstens soll in den nächsten Tagen wieder mit der Mannschaft trainieren können, genauso der monatelang abwesende Niels Giffey. Bis sie dem Team wieder helfen können, wird es noch ein paar Wochen dauern. "Jeder muss jetzt einen Schritt mehr machen", sagte Albas Kapitän King.

Beitrag von Sebastian Schneider

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