Salomon Kalou (Hertha BSC), 11.03. 2016 (Quelle: Imago/Koch)

Fußball | Herthas Top-Stürmer im Porträt - Der fabelhafte Monsieur Kalou

Herthas Top-Stürmer Salomon Kalou schießt nicht nur Tore, er glänzt auch als Vorbereiter. Obwohl die Berliner in der Tabelle auf einem Champions League-Platz rangieren und zudem im DFB-Pokalhalbfinale stehen, bleibt der gebürtige Ivorer gelassen: Für ihn ist das kein Stress, sondern vielmehr Motivation. Von Astrid Kretschmer

Salomon Kalou beim Fußballspielen zuzuschauen ist momentan einfach fabelhaft. Der Gang immer eher lässig, schleichend, fast unbeteiligt - doch mit dem Ball am Fuß ist sein Spiel dynamisch, technisch elegant, handlungsschnell.  Der Ivorer ist kein Stürmer Marke "Kante zeigen...Brust raus, Ellbogen raus".  Kalou ist ein spielender Stürmer und hat Hertha BSC zurück in die Erfolgsspur geführt, nicht nur wegen seiner bislang 12 Tore.

"Hertha ist ein großartiger Klub"

Der 30-Jährige ist nicht unbedingt zweikampfstark, aber überragend treffsicher. In 51 Bundesligaspielen landeten knapp 30 Prozent seiner Abschlüsse im Tor. Nur Werders Claudio Pizarro ist da besser.

Gegen Köln, Frankfurt und zuletzt beim starken Sieg gegen Schalke am Freitagabend glänzte Hertha Stürmer auch als Vorbereiter. Kalou hat immer auch den Blick für den Mitspieler und ist froh, dass er nach Startschwierigkeiten nun sein echtes Niveau zeigen kann. "Für mich ist es das Wichtigste etwas für das Team zu tun - für Berlin, weil Hertha ist ein großartiger Klub und Berlin eine tolle Stadt. Die Mannschaft steht über allem."

Lob und Bescheidenheit von einem Mann, der schon so viele wichtige Titel in seiner Karriere gewonnen hat. Champions League, Afrika-Champion, Meisterschaft und Pokal in England: Kalou ist ein Star, der seine Bodenhaftung dennoch nie verloren hat und mit einem freundlichen "Ça va ? - wie geht’s?" auf Französisch vorbeischlendert.

Gesunde Mischung aus Selbstvertrauen und Gelassenheit

Kalou ist der Chef in der Mannschaft, nicht als typischer Lautsprecher, sondern als Vorbild. Er zeigt eine gesunde Mischung aus Selbstvertrauen und Gelassenheit. Oben mitspielen ist für den Angreifer kein Stress, sondern Motivation. "Wir müssen nach vorne schauen, und nicht links oder rechts. Wir genießen im Moment den dritten Platz und sollten keinen Druck auf uns selbst machen." Im letzten Jahr habe ohnehin niemand geglaubt, dass die Berliner mal so weit oben stehen würden. Jetzt heiße das vor allem: dran bleiben, sagt Kalou. Er ist der erfahrene Anführer einer derzeit überragenden Offensive - im Verbund mit Torjäger Vedad Ibisevic, dem schnellen Genki  Haraguchi und dem kreativen Kopf Vladimir Darida.

Immer hungrig auf Titel

Coach Pal Dardai spricht von einem Ausnahmespieler mit diesen speziellen Ausnahmemomenten. Daran hatte vermutlich nur Dardai eine Weile Zweifel. Nur sechs Tore in der vergangenen Saison, zu wenig Aggressivität, zu viel Phlegma und zu viel Laissez-faire. Aber einer wie Kalou ließ sich nicht verrückt machen. Er absolvierte das gesamte Trainingslager und hatte so die erforderliche Physis für sein Spiel. Nun steht Hertha mit 45 Punkten auf Platz drei.

Auch dank Kalou - der immer noch hungrig auf Titel ist. "Aber ja, wir sind im Halbfinale des DFB-Pokals - als ich hierher kam vor anderthalb Jahren habe ich gesagt, dass es mein Traum ist, das Pokalfinale im Olympiastadion zu spielen. Das ist mein Traum. Wenn wir diesen Titel den Fans und der Stadt schenken könnten - das wäre amazing."

Amazing - nicht nur in der Welt des fabelhaften Monsieur Kalou.

Blaues Blut pumpt durch ungarisches Herz

Beitrag von Astrid Kretschmer

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