Flüchtlingsfamilie von Zahirat Juseinov (links) in Potsdam vor Ausweisung (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 01.03.2016 | Nina Bednarz

Von Abschiebung bedrohter Mazedonier Juseinov - Flüchtlingstrainer darf vorerst in Deutschland bleiben

Zahirat Juseinov, Trainer des Vorzeige-Flüchtlingsprojekts "Welcome United", gilt als vorbildlich integriert. Deshalb sorgte die geplante Abschiebung des Mazedoniers in sein Heimatland für viel Kritik. Mittlerweile ist klar: Juseinov hat sich nicht immer vorbildlich verhalten und bei seiner Einreise nach Deutschland eine falsche Identität angegeben. Dennoch darf er auf einen Verbleib in Potsdam hoffen.

Der von Abschiebung bedrohte Fußballtrainer des Vorzeige-Flüchtlingsprojekts "Welcome United" darf vorerst in Deutschland bleiben. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs am Dienstag zwischen der Potsdamer Ausländerbehörde und dem betroffenen Mazedonier Zahirat Juseinov, wie die Stadtverwaltung Potsdam mitteilte.

Demnach hat Juseinov für drei Monate eine neue Duldung erhalten, nachdem er die beim Innenministerium angesiedelte Härtefallkommission für abgelehnte Asylbewerber angerufen hat.  

Bei Einreise falsche Nationalität angegeben

Juseinovs Fall wurde am Montag der beim Brandenburger Innenministerium angesiedelten Härtefallkommission vorgelegt, die ihn nun prüfen muss. "In dem Verfahren spielen alle Aspekte, auch mögliche Straftaten, eine Rolle und werden entsprechend gewichtet", sagte die Vorsitzende der Härtefallkommission, Patricia Chop-Sugden, dem rbb-Nachrichtenmagazin Brandenburg Aktuell.  

Denn mittlerweile ist auch bekannt geworden, dass der Mazedonier 2010 bei seiner Einreise nach Deutschland nicht seine echte Herkunft angegeben hat. "Ich habe damals gesagt, dass wir aus dem Irak kommen", bestätigte Juseinov der dpa. "Später habe ich die Wahrheit gesagt und meine Strafe dafür bekommen", fügte er hinzu. Falsche Angaben zur Identität stellen laut Härtefallkommissionsverordnung in der Regel einen Ausschlussgrund dar.

Die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" berichten über weitere Probleme mit der Justiz. So habe die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) einen Strafbefehl wegen Diebstahls gegen Juseinov aus dem Jahr 2012 bestätigt. Für den Ladendiebstahl hat Juseinov damals eine Geldstrafe bezahlt. 

Potsdam prüft Aufenthaltserlaubnis für den Sohn

Dennoch darf sich Juseinov Hoffnungen machen, der Abschiebung zu entgehen. Die Stadt Potsdam prüft jetzt, ob für seinen 14-jährigen Sohn eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt werden kann. Hintergrund ist ein Passus im Aufenthaltsgesetz, wonach einem Jugendlichen die Aufenthaltserlaubnis gewährt werden kann, wenn er seit vier Jahren erfolgreich eine Schule besucht.  

Wenn dies geschehe, könnte unter Umständen aus humanitären Gründen die ganze Familie hierbleiben, erklärte Stadtsprecher Jan Brunzlow. Am Sonntag hatte Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) gesagt, dass die drohende Abschiebung von Juseinov für ihn menschlich und im Zusammenhang der Flüchtlings-Integration nicht nachvollziehbar sei. ""Es ist emotional schwer vermittelbar, warum ganze Familien, nachdem Sie fünfeinhalb Jahre nicht nur hier gelebt, sondern sich gut integriert haben, in ihre ursprüngliche Heimat zurück gehen sollen", bekräftigte Woidke in einer am Dienstag verbreiteten Mitteilung seine Position. Er hatte sich in dem Abschiebefall bereits mit Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) in Verbindung gesetzt.

Die Brandenburger CDU hat Woidkes Vorgehen hingegen kritisiert: "Man darf hier nicht den Eindruck erwecken, dass über Verfahren, bei denen es um wichtige Entscheidungen, um Bleiberechte und Folgen für die Familie geht, nach Gutsherrenart entschieden wird", sagte Jan Redmann, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU.  

Mazedonien gilt als sicheres Herkunftsland

Dem 35-jährigen Mazedonier, der auf Basis einer Duldung in Deutschland ist, und seiner Familie droht die Abschiebung, weil Mazedonien von der Bundesregierung als sicheres Herkunftsland eingestuft wird. Im Jahr 2010 war Juseinov mit seiner Freundin und seinen vier Kindern nach Potsdam geflüchtet. Er gehört der Volksgruppe der Roma an.

Zahirat Juseinov ist bei einer Straßenreinigungsfirma angestellt und arbeitet ehrenamtlich als Co-Trainer der Flüchtlings-Mannschaft von Babelsberg 03. Das Flüchtlingsteam war von Anhängern des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 zusammen mit dem Verein im Sommer 2015 gegründet worden. Die Vereinsmitglieder kämpfen weiter für Juseinovs Bleiberecht. "Wir mussten natürlich damit rechnen, dass diese Vorwürfe im Raum stehen, dass da jemand prominent unterstützt wird. Aber es geht uns ums Prinzip und darum, dass jemand sich fünfeinhalb Jahre hier bestens integriert hat", sagte Thoralf Höntze, Marketingleiter beim SV Babelsberg 03.

Bis zum Jahr 2014 hatte die Härtefallkommission über 285 Anträge von 532 Menschen zu entscheiden. Knapp die Hälfte durfte bleiben, nämlich 300 Menschen. Über Juseinovs Fall will die Kommission in den nächsten Wochen entscheiden.

Mit Informationen von Nina Bednarz

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