ARCHIV - Fussball, Bundesliga, Hertha BSC - Borussia Dortmund, 20. Spieltag am 06.02.2016 in Olympiastadion, Berlin. Hertha-Fans feuern ihre Mannschaft an (Quelle: dpa).

Fußball | Berlin erwartet den Tabellenvierten - Hertha rollt Schalke den Teppich aus

Seit fast zehn Jahren hat Hertha BSC nicht mehr gegen den FC Schalke 04 gewonnen, die besondere Rivalität der zwei Klubs reicht sogar noch viel länger zurück. Am Freitagabend haben die Berliner die nächste Gelegenheit, ihre schwache Serie zu durchbrechen - und den ärgsten Verfolger auf Abstand zu halten.

Beim letzten Mal schoss "Jimmy" Gimènez zwei Buden, Pal Dardai und Gilberto liefen rätselhafte Räume zu und Klaus Wowereit gewann eine Wahl. Es war der Nachmittag des 17. September 2006. Hertha BSC besiegte Schalke 04. Neuneinhalb Jahre und 14 fruchtlose Versuche später hat nur noch Dardai einen Job in Berlin - er soll dafür sorgen, dass Herthas unselige Serie gegen die Gelsenkirchener endlich reißt.

Am Freitag (20.30 Uhr) wagen Dardai und seine Anvertrauten den nächsten Versuch: Sie haben sich inzwischen auf den dritten Tabellenplatz emporgespielt, der berechtigt zum Mitwirken an der Champions League. Schalke 04 liegt nur einen Punkt dahinter auf Platz vier. "Das Schalke-Spiel ist eine Riesenchance, um uns zu zeigen. Am Freitagabend schaut ganz Fußball-Deutschland ins Olympiastadion", verlieh der Coach der Berliner seiner Hoffnung Ausdruck.

Pal Dardai (Hertha BSC Berlin) lässt sich feiern, weil er zuvor mit dem Kopf ein Gegentor im Bundesliga-Spiel Hertha gegen Schalke 04 am 17.09.2006 im Berliner Olympiastadion verhindert hat (Quelle: imago / Camera 4).
Pal Dardai jubiliert beim letzten Sieg der Berliner gegen Schalke: Da hatte er gerade einen Torschuss auf der Linie geklärt

50.000 Zuschauer erwartet

Weil besagtes Fußball-Deutschland nicht schlecht von der alten Dame denken soll, hat sie in ihrer Stube extra einen neuen Teppich verlegen lassen, 130.000 Euro entnahm sie ihrer Schatulle dafür. Das Geläuf sei "gedüngt, gemäht, am Spieltag gekreidet", versprach der stolze Berliner Manager Michael Preetz. Das hat aber schon auch sportliche Gründe: "Der neue Rasen kommt unserer Spielweise entgegen. Er wird uns Sicherheit geben", informierte Pal Dardai.

Sein Team mag es gern flach und fix, wie von der Schnur gezogene Ballstaffetten, eingerahmt von endlosen Läufen - so, dass der Gegner kaum hinterherhecheln kann, ganz wie sich der Trainer das vorstellt. Dardais Problem ist: Die Schalker können das auch. Mit Leroy Sané, Max Meyer und Alessandro Schöpf beschäftigen sie technisch hochgerüstetes Personal. Man reise "mit breiter Brust zum Spitzenspiel", so diagnostizierten die zuletzt siegreichen Gelsenkirchener ihren Körperumfang am Donnerstag.

Entsprechend viel versprechen sich die Fans vom Match blau-weiß gegen blau-weiß: 50.000 Menschen haben bereits Eintrittskarten gelöst. Aber nur wegen eines schönen Fußballspiels und dem herrlichen Anblick einer saftigen Wiese kommen sie nicht. Manche wollen schon auch ein bisschen pöbeln. "Ich weiß, dass es für unsere Fans ein besonderes Spiel ist und dass sie sich unbedingt einen Sieg wünschen", erklärte der Berliner Stürmer Salomon Kalou. Man hatte ihm offensichtlich von den alten Zeiten erzählt. Sie liegen 45 Jahre zurück.

Herzhafte Abneigung seit 1971

Der Legende nach pflegen die Schlachtenbummler beider Teams seit 1971 eine herzhafte Abneigung gegeneinander. Im damaligen Bundesliga-Skandal wurden beide Klubs wegen manipulierter Spiele bestraft - die Berliner aber fanden, dass die Schalker viel glimpflicher davonkamen als sie.

Als Hertha nach dem Skandal im DFB-Pokal gegen Schalke gewann, protestierten die Gelsenkirchener beim Verband gegen das Ergebnis - weil bei den Berlinern einer mitspielte, der an Spielmanipulationen beteiligt war.

Der DFB gab den Königsblauen recht, obwohl sie selbst sieben Profis auf dem Platz hatten, die vormals Bestechungsgeld eingesackt hatten. Die schworen dann unter Meineid ihre Unschuld - und gewannen am Ende den Pokal. Das macht die Spiele zwischen beiden Klubs bis heute kompliziert.

Wir stehen in der Tabelle über ihnen. Sie stehen unter Druck, nicht wir."

Der Hertha-Stürmer Salomon Kalou analysiert die Lage der Schalker

"Der eine steht, der andere sitzt"

Dem munteren Pragmatiker Dardai sind solche Mythen fremd, er ist hemdsärmelig genug, mit den Gedanken auf dem (neuen) Teppich zu bleiben. Zuletzt, beim HSV, hatten seine Spieler nicht gerade überzeugt, es setzte eine 2:0-Belehrung. Ein paar von ihnen will der Trainer deshalb gerne ersetzen, Genki Haraguchi und Tolga Cigerci könnten von Beginn an eine Chance bekommen.

"Wir werden einiges anders machen als in der Vorwoche, aber nicht fünf oder sechs Spieler austauschen", sagte Dardai am Donnerstag. Wen sein Bannstrahl trifft, wird sich erst am Spieltag herausstellen.

Die beiden Torhüter Rune Jarstein und Thomas Kraft kann Dardai dabei offenbar wieder in seine Überlegungen einbeziehen. "Nach meiner Information sind beide fit. Der eine steht, der andere sitzt", sagte der Chef. Der Stammspieler Jarstein (Adduktorenprobleme) und der neue Ersatzwart Kraft (Oberschenkel) hatten sich im Training zuletzt nur reduziert regen können.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Hertha: Jarstein - Pekarik, Stark, Brooks, Plattenhardt - Lustenberger, Skjelbred - Weiser, Darida, Kalou - Ibisevic

Schalke 04: Fährmann - Caicara, Matip, Neustädter, Aogo - Geis, Höjbjerg - Schöpf, Meyer, Belhanda - Huntelaar.

Beitrag von Sebastian Schneider

Das könnte Sie auch interessieren

Die Füchse-Spieler Silvio Heinevetter (m.) und Paul Drux feiern mit Nationalmannschaftskollege Uwe Gensheimer (l.) den Gewinn der Bronzemedaille in Rio. (Quelle: dpa/EPA/Marijan Murat)

Handball | 1. Runde DHB-Pokal - Füchse Berlin treten mit Olympia-Quartett an

Erst am Sonntag haben Paul Drux, Fabian Wiede, Silvio Heinevetter und Steffen Fäth mit der deutschen Handballmannschaft Bronze in Rio gewonnen. Am kommenden Samstag wollen die Vier schon wieder mit den Füchsen Berlin im DHB-Pokal ran. Dabei hatten sie freie Wahl, ob sie gegen den Oranienburger HC überhaupt auflaufen.