Fußball: Länderspiel Deutschland - England am 26.03.2016 im Olympiastadion in Berlin. Mannschaftswagen der Polizei stehen vor dem Olympia-Stadion. (Quelle: dpa)

Fußball | Länderspiel Deutschland gegen England in Berlin - Henkel und DFB ziehen positive Sicherheitsbilanz

1.500 Polizisten sicherten am Samstag das Länderspiel Deutschland gegen England (2:3) im Berliner Olympiastadion - nur vier Tage nach den Brüsseler Anschlägen waren die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Innensenator Henkel zeigte sich "erleichtert" über den Verlauf. Ein paar Festnahmen am Rande gab es dann aber doch.  

Das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und England im Berliner Olympiastadion ist aus Sicht der Behörden ohne größere Zwischenfälle verlaufen. "Ich bin erleichtert, dass das Spiel sicher über die Bühne gegangen ist", teilte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) nach Abpfiff am späten Samstagabend mit. Vor dem Spiel hatte es kleinere Gewaltausbrüche auf Seiten der englischen und deutschen Fußball-Anhänger gegeben.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zeigte sich nach dem Spiel zufrieden. "Dieses Spiel hat alle Sicherheitsverantwortlichen vor besondere Herausforderungen gestellt. Diese haben wir gemeinsam mit allen Netzwerkpartnern erfolgreich bewältigt und es gab keine nennenswerten Zwischenfälle", sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert. "Wir werden die Situation gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden weiterhin sehr genau beobachten und unsere
nächsten Spiele wie immer mit höchster Aufmerksamkeit und Sorgfalt vorbereiten. Unser Ziel bleibt es, die bestmögliche Sicherheit zu gewährleisten."

Insgesamt 37 Festnahmen

Rund um das Spiel wurden insgesamt 37 Menschen festgenommen. Außerdem wurden vier Polizisten leicht verletzt, wie eine Polizeisprecherin am Sonntag mitteilte. Es habe am Samstag einige Auseinandersetzungen zwischen Fans gegeben, wegen der erhöhten Polizeipräsenz hätten allerdings immer Beamte schnell eingreifen können. So auch bereits am Freitagabend, als etwa 50 Fans in einem Irish Pub an den Hackeschen Höfen randalierten und einen Teil der Einrichtung beschädigten.



Insgesamt sei die Lage in Anbetracht der vielen Fußballanhänger in der Stadt weitgehend störungsfrei geblieben, bilanzierte die Polizei. Größere Zwischenfälle blieben demnach aus. Die 37 zwischen Freitag und der Nacht zum Sonntag Festgenommenen kamen alle wieder auf freien Fuß. Keiner der verletzten Beamten musste den Dienst abbrechen.

Niederlage nach 2:0-Führung

Die deutsche Nationalmannschaft verlor das Spiel mit 2:3 (1:0). Toni Kroos in der 43. Minute und Mario Gomez (57.) erzielten die deutschen Tore, England glich durch Harry Kane (61.) und Jamie Vardy (74.) zwischenzeitlich aus. Eric Dier traf in der Nachspielzeit (90.+1) vor rund 72.000 Zuschauern zum englischen Siegtor.

Vor allem in der Defensive offenbarte das Team von Bundestrainer Joachim Löw zu viele Schwächen. "In der ersten Halbzeit haben wir sehr ordentlich gespielt, dann haben wir schlecht verteidigt", bilanzierte Torschütze Kroos. Und Sami Khedira, Kapitän anstelle des verletzten Sebastian Schweinsteiger, fügte hinzu: "Über 60 Minuten haben wir ein gutes Spiel gemacht, das müssen wir über 90 Minuten machen bei der EM."

Nach der falschen Abseitsentscheidung bei einem Treffer des insgesamt überzeugenden Rückkehrers Gomez (27.) brachte Toni Kroos die deutsche Elf in Führung: Zwei Minuten vor der Pause nutzte der Mittelfeldstar von Real Madrid einen seltenen Freiraum zu einem Linksschuss aus gut 25 Metern zum 1:0. Zwölf Minuten nach dem Seitenwechsel erhöhte Gomez per Kopf auf 2:0.

England kam allerdings danach durch Kane schnell ins Spiel zurück und durch das erste Länderspiel-Tor des kurz zuvor eingewechselten Shootingstars Vardy zum durchaus verdienten Ausgleich. In der Schlussphase machten die Gäste gehörig Druck und wurden in der Nachspielzeit durch Dier belohnt.

Schweigeminute für die Anschlagsopfer von Brüssel

Vor dem Anpfiff wurde mit einer Schweigeminute der Anschlagsopfer von Brüssel gedacht, zudem trugen beide Teams Trauerflor. Vier Tage nach den Terroranschlägen fand die Begegnung unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen statt.

An den Eingängen für Journalisten wurden moderne Körperscanner eingesetzt. Alle
erwachsenen Fans sowie Ehrengäste und Medienvertreter mussten neben der Eintrittskarte auch einen Ausweis vorzeigen. Außerdem gab es Leibesvisitationen, die Wachleute kontrollierten mitgebrachte Taschen. Für die Einlasskontrollen wurden Zelte vor den Stadioneingängen aufgestellt.  

Die Berliner Polizei zeigte rund um das Fußballstadion deutliche Präsenz: Insgesamt waren 1.500 Beamte für Sicherheit sorgen. Schon Tage zuvor war das Olympiastadion für Besucher gesperrt worden. Dennoch durchsuchen die Beamten vor Einlassbeginn mit Sprengstoffspürhunden das Stadion. "Wir tun alles dafür, dass das heute ein schönes Fußball-Event wird", sagte Polizeisprecher Stefan Redlich am Samstag dem rbb.

Die englischen Fans waren teilweise schon Freitag angereist. In großen Gruppen versammelten sie sich Redlich zufolge auch am Samstag zunächst nicht, stattdessen schauten sich viele die Stadt an. In der Nacht habe die Polizei zweimal bei Streitigkeiten zwischen Fußballfans einschreiten müssen. Größere Zwischenfälle habe es aber nicht gegeben.

Letztes Spiel der deutschen Nationalelf in Paris gehörte zu Anschlagszielen

Bei Terroranschlägen auf dem Flughafen und in einer Metro-Station in der belgischen Hauptstadt waren am Dienstag 31 Menschen ums Leben gekommen, rund 340 andere wurden verletzt. Die deutschen Sicherheitsbehörden hatten dennoch von einer Absage des Länderspielklassikers in Berlin abgesehen. Es gebe keine konkrete Terrorwarnung, hieß es. "So lange es aufgrund der Lagebeurteilung keine Hinweise auf einen Anschlag gibt, gibt es keinen Grund, das Spiel abzusagen", hatte der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, am Donnerstag gesagt.

Das bislang letzte Spiel der deutschen Nationalmannschaft am 13. November in Paris gehörte zu den Anschlagszielen islamistischer Terroristen, 130 Menschen starben an diesem Tag in der französischen Hauptstadt. Die Attentäter kamen aber nicht ins Stadion. Das folgende Länderspiel der Deutschen vier Tage später in Hannover wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Schema: Deutschland - England 2:3 (1:0)

Deutschland: Neuer/Bayern München (29 Jahre/64 Länderspiele) - Can/FC Liverpool (22/4), Rüdiger/AS Rom (23/8), Hummels/Borussia Dortmund (27/45) ab 46. Tah/Bayer 04 Leverkusen (20/1), Hector/1. FC Köln (25/11) - Kroos/Real Madrid (26/63), Khedira/Juventus Turin (28/58) - Müller/Bayern München (26/69) ab 75. Podolski/Galatasaray Istanbul (30/127), Özil/FC Arsenal (27/71), Reus/Borussia Dortmund (26/28) ab 64. Schürrle/VfL Wolfsburg (25/50) - Gómez/Besiktas Istanbul (30/62) ab 80. Götze/Bayern München (23/49)

England: Butland/Stoke City (23 Jahre/4 Länderspiele) ab 45.+1 Forster/FC Southampton (28/4)- Clyne/FC Liverpool (24/10), Smalling/Manchester United (26/22), Cahill/FC Chelsea (30/40), Rose/Tottenham Hotspur (25/1) - Henderson/FC Liverpool (25/23), Dier/Tottenham Hotspur (22/3) - Alli/Tottenham Hotspur (19/5), Lallana/FC Liverpool (27/20) ab 71. Barkley/FC Everton (22/20), Welbeck/FC Arsenal (25/34) ab. 71 Vardy/Leicester City (29/5) - Kane/Tottenham Hotspur (22/9)

Schiedsrichter: Rocchi (Italien)

Tore: 1:0 Kroos (43.), 2:0 Gomez (57.), 2:1 Kane (61.), 2:2 Vardy (74.), 2:3 Dier (90.+1)

Zuschauer: 71.413 (ausverkauft)

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