Bundestrainer Joachim Löw unterhält sich mit Sami Khedira Training der Deutschen Nationalmannschaft beim Training in Berlin am 23.03.16 vor dem Länderspiel gegen England (Quelle: imago / Schüler).
Video: Abendschau | 23.03.2016 | Norbert Siegmund

Fußball | Länderspiel in Berlin - "Wir lassen uns von diesem Thema nicht beeindrucken"

Nach den Terroranschlägen in Brüssel ist das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am Samstag gegen England alles andere als ein normales Fußballmatch - für die Profis, für die Fans und die Sicherheitskräfte. Diese werden rund um das Berliner Olympiastadion schärfer kontrollieren. Besucher sollten sich früh auf den Weg machen.

Taschen und Rucksäcke am besten zuhause lassen und viel früher losgehen, als zu einem üblichen Fußballspiel im Berliner Olympiastadion - so sollen sich die Besucher des Länderspiels Deutschland gegen England am Samstag (20.45 Uhr) auf die schärferen Kontrollen einstellen, riet der Sprecher des Olympiastadions am Mittwoch. Nach den Bombenanschlägen in Brüssel am Dienstag steht das Freundschaftsspiel unter besonderer Beobachtung der Sicherheitsbehörden. Wie in solchen Fällen üblich, wollen Polizei und Bundespolizei keine näheren Details ihres Sicherheitskonzeptes verraten. Aus England werden 4.000 Fans in Berlin erwartet. Im Stadion sind voraussichtlich 72.000 Zuschauer.

Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, sagte am Mittwoch, die Gefahrenlage für das Spiel sei "im Moment nicht höher als vor den Anschlägen." Derzeit gebe es keinen Grund, die Begegnung abzusagen, sagte Malchow der "Saarbrücker Zeitung".

Auch der Berliner Innen-Staatssekretär Bernd Krömer (CDU) betonte im rbb-Inforadio, es bleibe bei einer "abstrakt hohen Gefährdungslage". Berlin sei eine sichere Hauptstadt, sagte Krömer, fügte aber hinzu: "Wir wissen, dass auch wir im Fokus des IS stehen." Die Terrororganisation hatte sich zu den Anschlägen in Brüssel bekannt, bei denen 31 Menschen getötet und rund 270 verletzt wurden. [Aktuelle Infos im Liveblog von tagesschau.de]

"Da kommen die Bilder von Frankreich ins Gedächtnis zurück"

Aus Sicht der Sicherheitsbehörden gibt es mehrere gefährdete Bereiche bei Großereignissen wie einem Länderspiel mit Zehntausenden Zuschauern: Sammelstellen der Fans etwa am Alexanderplatz oder Kudamm, volle S-Bahnen und U-Bahnen, der Bereich vor dem Stadion und das Stadion selbst mit seinen Zuschauerrängen. Die Polizei wird an zentralen Plätzen und vor dem Stadion präsent sein. Die Bundespolizei kümmert sich um die Bahnhöfe und wird auch in S-Bahnen mitfahren. Polizisten werden mit Suchhunden unterwegs sein, die auf das Aufspüren von Sprengstoff trainiert sind.

Die Hauptdarsteller dieses Länderspiels bemühten sich am Mittwoch, den Fokus auf den Sport zu lenken: "Die Ereignisse sind sicherlich schrecklich und haben uns ein bisschen nachdenklich gestimmt. Da kommen die Bilder von Frankreich ins Gedächtnis zurück", räumte zwar der deutsche Bundestrainer Joachim Löw in Berlin bei seiner ersten Pressekonferenz dieses Jahres ein. Er sagte aber weiter: "Wir lassen uns von dem Thema aber nicht beeindrucken. Wir bereiten uns gezielt auf die Spiele vor und verlassen uns auf unsere Sicherheitskräfte."

Ob die Mehrzahl der deutschen Nationalspieler das ähnlich siegt, ist die andere Frage. Bei den Anschlägen in Paris im vergangenen November spielten sie gerade im "Stade de France" gegen Frankreich, die Nacht danach mussten sie - sichtlich geschockt - in den Katakomben des Stadions verbringen. Der Teammanager Oliver Bierhoff sagte am Mittwoch, nach der Tragödie in Brüssel habe es über das Thema noch keine Gespräche mit den Spielern gegeben, "da es andere Dinge gab, die uns wichtig waren".

Schweinsteiger fällt wieder mit Knieverletzung aus

Vor dem Anstoß im bislang nicht ausverkauften Olympiastadion wollen beide Mannschaften und die Besucher den Opfern der Anschläge mit einer Schweigeminute gedenken. Die deutschen Nationalspieler werden Trauerflor tragen.

Unabhängig davon forderte Joachim Löw seine in Berlin versammelten EM-Kandidaten auf, im Training und in den beiden "nicht normalen Freundschaftsspielen" gegen England und Italien noch einmal "Ausrufezeichen" zu setzen, um sich für Frankreich zu empfehlen.

Löws Kapitän Bastian Schweinsteiger allerdings, das stellte sich am Mittwoch heraus, wird erstmal nur Fragezeichen setzen können: Beim Training verletzte sich der 31-Jährige am rechten Knie, Diagnose: Innenbandteilriss. Genau von so einer Malaise hatte sich Schweinsteiger gerade erst zwei Monate lang erholt. Er hat Berlin bereits gemeinsam mit dem DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt verlassen, um sich in München in eine Kernspin-Röhre zu legen.

Wie lange er ausfällt, wurde noch nicht vermeldet, ob es angesichts seiner prallen Krankenakte für die Europameisterschaft in Frankreich reicht, ist durchaus zu bezweifeln. Am 17. Mai wird Löw seinen vorläufigen erweiterten Kader benennen. Am 30. Mai muss er sich dann auf 23 Spieler für die EM festlegen.

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