rbb-Reporter Olaf Sundermeyer hält seine Karten für das Länderspiel Deutschland gegen England am 25.03.2016 in der Hand (Quelle: rbb/Melanie Manthey)

Kommentar | Sicherheitslage in Berlin nach Terror in Brüssel - Alle Mann ins Stadion!

London, Madrid, Paris, Brüssel - der Terror kann jederzeit auch Berlin erreichen. Darauf sollten wir gefasst sein. Die deutschen Sicherheitsbehörden sind es längst. Aber es ist kein Grund, unsere Freiheit aufzugeben. Zum Beispiel die, im Olympiastadion der deutschen Fußballnationalmannschaft zuzuschauen. Olaf Sundermeyer geht hin. Ein Kommentar.

Zwar behauptet die "Bild"-Zeitung auf ihrem Titel: "Wir sind im Krieg!" - aber man muss ja nicht gleich alles glauben, was in der Zeitung steht. Ich zum Beispiel lasse mir nicht den Krieg erklären. Nicht von der "Bild" und schon gar nicht von halbwüchsigen Kriminellen, die im Streben um maximale Anerkennung und unter Vorspiegelung einer angeblich religiösen Sache, Menschen töten und unsere freiheitliche demokratische Lebensweise angreifen. Natürlich ist niemand gegen gezielt angewandte selbstmörderische Gewalt immun. Auch das weltoffene Berlin nicht, das bislang davon verschont geblieben ist.

Dafür gibt es Gründe: Zum Beispiel, dass Deutschland sich weniger aktiv in der militärischen Auseinandersetzung mit dem sogenannten "Islamischen Staat" engagiert als andere Länder, die bereits vom Terror betroffen sind. Auch ist es den hiesigen Nachrichtendiensten bislang gelungen, Terrorpläne in Deutschland aufzuklären, bevor sie umgesetzt werden konnten. Und allmählich scheint das zivilgesellschaftliche Bemühen um die Milieus zu greifen, in denen sich junge Männer - auch in Deutschland, auch in Berlin - zu glühenden Islamisten radikalisieren. Dennoch werden sie immer mehr.

Früher ins Stadion

Aber das Ansinnen dieser irregeleiteten jungen Männer, unsere Werte zu bedrohen, verfängt bei mir nicht. Ich bin froh darüber, mit zahlreichen Menschen in einer Stadt zu leben, die wie ich nicht daran denken, ihnen unsere Angst zu schenken. In Berlin leben Menschen aus 190 Nationen und vielen unterschiedlichen Religionen (oder auch aus keiner) ziemlich friedlich zusammen.

Zehntausende dieser Menschen werden am Samstag gemeinsam mit mir ins Olympiastadion gehen - um sich ein Fußballländerspiel anzuschauen: Deutschland gegen England. Meine Karte liegt seit Wochen neben mir in der Schreibtischschublade, und ich freue mich auf das Spiel. Daran hat sich nichts geändert.

Natürlich werde ich vor diesem Spiel etwas früher zum Stadion fahren als gewöhnlich: wegen der größeren Sicherheitsvorkehrungen. So habe ich es auch vor dem ersten Bundesligaspiel gemacht, das nach dem wegen einer Terrorwarnung im Herbst abgesagten Länderspiel stattfand. Und so werde ich es notfalls immer wieder tun.

Bezogen auf das Spiel am Samstag bleibt meine größte Sorge deshalb die Gesundheit von Marco Reus - so wie vor jedem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft. Warum sollte es dieses Mal auch anders sein?

Beitrag von Olaf Sundermeyer

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