Jens Keller (Quelle: imago/Sportfoto Rudel)
Audio: Inforadio | 18.03.2017 | Stephanie Baczyk

Fußball | Union gegen Nürnberg - Erst Angstgegner schlagen, dann Tabellenführung feiern

Neues Kapitel im Aufstiegsmärchen des 1. FC Union? Da Stuttgart gepatzt hat, könnten die Berliner am Montag mit einem Sieg gegen Nürnberg Tabellenführer werden. Doch gegen die Franken tut sich Union schwer. Das soll sich mit Mettbrötchen ändern. Von Stephanie Baczyk

Den Ruf als Serienbrecher hat sich Unions Coach Jens Keller hart erarbeitet: Sein Team hat fünf Siege in Folge geholt, zuletzt erstmals drei Punkte auf St. Pauli erspielt – und ist auf dem Weg Richtung Bundesliga. Aller Köpenicker Zufriedenheit über die lauschige zweite Liga zum Trotz. Kellers Erfolgsliste ist lang. Auch, wenn er sie auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg runterspielt. "Ich rede nicht über Serien, das interessiert mich überhaupt nicht. Null", sagt er.

Polter und die Mettbrötchen

Umso amüsanter, dass Keller am Montag schon die nächste Statistik widerlegen kann: Gegen Nürnberg konnten die Eisernen in der Zweiten Liga noch nie gewinnen. Für Stürmer Sebastian Polter eine willkommene Herausforderung. "Wir haben diese Saison schon so viele Serien gebrochen", sagt er mit Blick auf die Heimstärke der Unioner. "Der zwölfte Mann ist wichtig, weil es Vertrauen gibt in gewissen Situationen. Wir wollen die Fans wieder mitnehmen."

Polter ist in Topform. Vier Tore und drei Assists gehen auf sein Konto. Der 25-Jährige harmoniert auf dem Platz im Zusammenspiel mit den Teamkollegen, steigert seine Leistung seit der Rückkehr aus England kontinuierlich. Im Verein kursiert mittlerweile das nicht ganz ernstgemeinte Gerücht, dass er immer dann trifft, wenn auf der Pressekonferenz Mettbrötchen serviert werden. "Ich esse gerne Mettbrötchen und stibitz mir auch mal eins", gibt Polter zu und lacht. "Aber man muss auch sehen, dass die Mannschaft zurzeit sehr positiv spielt und meine Form deshalb so gut ist. Sie helfen mir beim Toreschießen."

"Müssen weiter konstant gute Leistungen bringen!"

Sollte er auch gegen seinen Ex-Klub Nürnberg treffen, könnten es sogar historische Tore sein. Die Eisernen haben mit einem Sieg die Chance, Tabellenführer zu werden – weil der aktuelle Spitzenreiter Stuttgart an diesem Wochenende verloren hat. "Wir schauen natürlich darauf, was die Konkurrenz macht", sagt Polter. "Aber wir müssen in erster Linie auf uns selbst achten, konstant gute Leistungen bringen und punkten, dann werden wir weiter da oben stehen."

Union-Coach Keller warnt zudem davor, den 1. FC Nürnberg zu unterschätzen. "Sie haben einen neuen Trainer, da wird sich sicherlich das eine oder andere verändern", sagt er mit Blick auf den Rauswurf von Alois Schwartz Anfang März. Unter Michael Köllner, der aktuell als "Cheftrainer bis auf weiteres" bei den Franken agiert, hat die Mannschaft am vergangenen Wochenende gegen Bielefeld gleich mal drei Punkte geholt.

Die T-Frage: Busk oder Mesenhöler

Klar ist: Die Verletzten Jakob Busk und Kristian Pedersen sind gegen Nürnberg noch nicht wieder im Kader. Klar ist damit auch: Daniel Mesenhöler bleibt die vorläufige Nummer eins im Tor des 1. FC Union. "Er hat seine Sache bislang sehr gut gemacht", lobt Keller den 21-Jährigen, wohlwissend, dass er spätestens nach der Länderspielpause eine Entscheidung auf der Torhüterposition wird treffen müssen. "Jakob war aber auch stark. Das wird 'ne Bauchentscheidung, keine Frage."

Keine einfache Situation – aber Mesenhöler sieht sie pragmatisch. "Im Fußball passiert es halt mal, dass die eine oder andere Entscheidung getroffen werden muss, und damit muss dann auch klargekommen werden", sagt der gebürtige Engelskirchener, der zuletzt mit starken Paraden überzeugt hat. Dass die Stimmung innerhalb des Teams unter einer möglichen Torwartdiskussion leiden könnte, davor hat er keine Angst. "Jakob und ich haben uns vorher schon gegenseitig gepusht und auch neben dem Platz gut verstanden. Er wünscht mir nach wie vor Glück und sagt auch nach dem Spiel, wie es war. Da hat sich jetzt nichts geändert."

"Müssen uns über harte Arbeit definieren!"

Gegen Nürnberg winkt Mesenhöler und Co. auf frisch verlegtem Rasen im Stadion an der Alten Försterei der sechste Sieg in Folge. Sollte es so kommen, werden in der Fankurve sicherlich wieder Plakate á la "Scheiße, wir steigen auf" auftauchen – wie zuletzt nach dem Heimerfolg gegen Würzburg. Sebastian Polter muss, darauf angesprochen immer noch schmunzeln. "Da war natürlich auch Sarkasmus drin, um allen zu zeigen: Kleines Union, Arbeiter-Union - wir können tatsächlich aufsteigen", sagt er. "Aber ich glaube, dass wir uns weiter darüber definieren müssen. Dass wir uns alles erarbeiten, wie auch die ganze Region hier."

Beitrag von Stephanie Baczyk

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