Tor-Jubel bei Union rund um Sebastian Polter (Quelle: Imago/Herbert Rudel)

Aufstiegscheck 1. FC Union Berlin - Ist die eiserne Elf bundesligatauglich?

Banges Zittern, längst nicht mehr nur in Köpenick: Die Fußball-Saison ist auf der Zielgeraden und Union mischt mit im Aufstiegsrennen. Aber sind die Eisernen überhaupt erstligatauglich? rbb|24 vergleicht mit den direkten Konkurrenten und den Aufsteigern der letzten Jahre. Teil drei: die Mannschaft.

Fünf Spieltage vor Saisonschluss hat sich in der 2. Bundesliga ein heißer Vierkampf zwischen Union Berlin, dem VfB Stuttgart, Hannover 96 und Eintracht Braunschweig um die zwei direkten Aufstiegsplätze sowie den Relegationsplatz entwickelt. Neben den direkten Konkurrenten muss sich Union im rbb|24-Aufstiegscheck auch mit den Aufsteigern der letzten Jahre in der jeweiligen Aufstiegssaison messen: SC Freiburg, RB Leipzig (beide Aufsteiger 2016), FC Ingolstadt 04, SV Darmstadt 98 (beide Aufsteiger 2015), 1.FC Köln, SC Paderborn (beide Aufsteiger 2014) sowie dem Stadtrivalen Hertha BSC (Aufsteiger 2013).

Nach dem Stadion und den Fans geht es im dritten Teil des rbb|24-Aufstiegschecks um den sportlichen Kern, die Mannschaft.

Wo ordnet sich die Elf von Trainer Jens Keller in dem Vergleich ein?

Teil 3: die Mannschaft

"Elf Freunde müsst ihr sein", so lautet eine Fußball-Weisheit. Elementar für einen erfolgreichen Aufstieg sind natürlich die Fußballer. Doch heutzutage sind das mehr als nur elf. Aber wie kann man messen, ob ein Team die nötige Qualität hat?

FC Union Berlin jubelt nach seinem Tor (Quelle: imago/Laci Perenyi)

Wettquote

Am Anfang steht eine Quote. Nach der Sommerpause, wenn die Kader zusammengestellt sind und sich die Auf- und Absteiger in ihren neuen Ligen einsortiert haben, wird in der Regel nach Aufstiegsfavoriten gefahndet. Und dabei landet man schnell bei den noch frischen Absteigern.

Am Ende der Saison sind dann natürlich alle klüger. Da hat dann auch mal ein vermeintlicher oder wirklicher Underdog den Aufstieg geschafft. Wir haben historische Daten des Buchmachers mybet ausgewertet: Wie standen die Quoten für die späteren Aufsteiger bzw. das jetztige Spitzenquartett jeweils zu Saisonbeginn?

Dabei fällt zuallererst der SC Paderborn auf. Eine vermeintliche Überraschungmannschaft, die es aus heutiger Sicht als einmaligen Ausrutscher in die 1. Bundesliga gespült hat. Doch der aktuelle Drittligist, dem gerade sogar ein Abstieg in die Regionalliga droht, wurde von den Buchmachern vor der Saison 2013/14 tatsächlich als hoher Favorit auf einen Aufstieg eingeschätzt.

Der jetzige Bundesligist Ingolstadt war dagegen die größte Überraschung unter den Aufsteigern der letzten Jahre: Für 100 Euro Wetteinsatz hätte man 750 Euro ausgezahlt bekommen, wenn man den Aufstieg richtig vorhergesagt hätte. Wenn man den Wettquoten glaubt, war der Aufstieg von RB Leipzig im Jahr 2016 dagegen schon vor Saisonbeginn nahezu sicher. Nur 150 Euro hätte man aus 100 Euro Einsatz machen können.

In der aktuellen Saison war der VfB Stuttgart der große Favorit, gefolgt von Hannover und dicht dahinter bereits der 1. FC Union Berlin. Eintracht Braunschweig ist demnach schon die deutlich größere Überraschung.

Marktwert

Jeder hat seinen Preis, heißt es. Bei Fußballern um so mehr: Millionenbeträge werden als Ablösesummen zwischen Vereinen hin- und herüberwiesen. In der Regel wird vertraglich aber Stillschweigen über den genauen Kaufpreis vereinbart. Die Webseite transfermarkt.de hat deshalb ein ausgeklügeltes System entwickelt, in dem eine Vielzahl an Experten und Internetnutzern den Marktwert der Fußballer ermittelt. So hat man zumindest annäherungsweise einen vergleichbaren Richtwert.

Der Kader, mit dem der VfB Stuttgart in diesem Jahr noch um den Aufstieg zittert, thront in unserem Vergleich mit 42 Millionen Euro an der Spitze. Nicht einmal Hertha, Köln oder im Vorjahr Leipzig waren in ihrer Zweitligasaison wertvoller. Gleich 17 Stuttgarter Spieler werden mit mindestens einer Million Euro taxiert, wobei der von Sporting Lissabon ausgeliehene 23-jährige Portugiese Carlos Mané mit 4,5 Millionen Euro der wertvollste ist.

Union Berlin wird mit rund 19 Millionen Euro taxiert, die Mannschaft ist also offiziell nicht einmal die Hälfte der Stuttgarter wert. Doch sportlich gleichen das die Eisernen bislang allemal aus. Und Paderborn und Darmstadt haben sogar mit einem Kader, der gerade mal auf 12 Millionen Euro Marktwert geschätzt wurde, den Aufstieg geschafft.

Etat

Ein weiterer finanzieller Indikator ist der Lizenzspieleretat. Im Gegensatz zum Marktwert, der relativ spekulativ ist, weil zum Beispiel junge, entwicklungsfähige Spieler mit langer Vertragslaufzeit höher taxiert werden als sportlich äquivalente, aber deutlich ältere Profis am Ende ihrer Karriere, sagt dieser Wert aus, wieviel sich die Vereine ihre Mannschaften de facto kosten lassen.

Auch hier liegt Stuttgart vorn, gefolgt vom aktuellen Konkurrenten Hannover und Leipzig im Vorjahr. Union kommt hier erneut mit dem halben Budget aus und agiert auch sparsamer als Braunschweig und Hannover. Allerdings haben auch in dieser Kategorie Paderborn und vor allem Darmstadt gezeigt, dass sogar mit noch billigeren Mannschaften ein Aufstieg gelingen kann.

Die Spieler des 1. FC Union Berlin bejubeln ein Tor

Leistungen

Eine Mannschaft kann natürlich noch so hoch gewettet und taxiert werden. Am Ende muss sie auch auf dem Platz liefern. Zahlreiche Medien bemühen sich um eine faire Bewertung der wöchentlichen Leistungen, wobei natürlich auch die Erwartungshaltung immer ein wenig mitspielt.

Eine Instanz bei der Spielerbewertung, auch in der 2. Bundesliga, ist der "kicker". Glaubt man den Kritikern des Fußballmagazins, hätten sich die Unioner in dieser Saison den Aufstieg verdient. Nur Ingolstadt 04 und der SC Freiburg wurden durchschnittlich besser benotet (und kamen zudem auf mehr Einberufungen in die Elf des Spieltags). Interessant, dass Hannover und Stuttgart in dieser Kategorie abgeschlagen liegen.

Fazit

Die Mannschaft von Union Berlin wurde in den letzten Jahren kontinuierlich aufgebaut und auch mit Spielern mit gehobenem individuellen Format verstärkt (Felix Kroos, Sebastian Polter). So waren die Eisernen mit gestiegenen Ansprüchen in die Saison gestartet und auf jeden Fall ein Geheimfavorit, wenn nicht sogar schon ein Mitfavorit auf den Aufstieg.

Trotzdem rangiert Union sowohl bei der Aufstiegsquote als auch bei Marktwert und Lizenzspieleretat in unserem rbb|24-Aufstiegscheck eher auf den hinteren Plätzen. Aber die Mannschaft liefert ab und spielt eine starke Saison.

Eine Sensation wie bei Darmstadt 98 im Jahr 2015 wäre ein Aufstieg sicher nicht, aber gerade im Vergleich mit den Aufstiegskonkurrenten aus Hannover und Stuttgart immer noch eine Überraschung. Die beiden arrivierten Absteiger und großen Favoriten auf den Wiederaufstieg tun sich oft schwer und agieren bei weitem nicht so überlegen, wie es der Marktwert, Lizenzspieleretat und die Wettquote hätten vermuten lassen. Und dann mischt da ja auch noch Braunschweig mit, die sich mit überraschenden Aufstiegen unter Trainer Torsten Lieberknecht auskennen: 2013 schafften es die Niedersachsen schon einmal in die 1. Bundesliga.

Aufstiegscheck

Stadion an der Alten Foersterei (Quelle:Imago/Michael Taeger)

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Union-Fans in "An der Alten Försterei" (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)

Teil 2: - Können die Union-Fans erste Liga?

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