Füchse Berlin Trainer Velimir Petkovic (Quelle Archivbild: imago/Peter Hartenfelser)
Audio: Inforadio | 18.05.2017 | Stephanie Baczyk

Füchse Berlin im Europapokalfinale - Personell angeschlagen, aber hungrig auf den Titel

Einmal haben sie den EHF-Pokal schon gewonnen. An diesem Wochenende wollen die Handballer der Füchse Berlin ihren Erfolg von 2015 wiederholen und beim Final-Four-Turnier in Göppingen überzeugen. Notfalls ohne ihren wichtigsten Spieler. Von Stephanie Baczyk

Als die letzten Spielsekunden laufen an diesem 17. Mai 2015 in der Berliner Max-Schmeling-Halle, singen die Fans bereits. "Oh, wie ist das schön" dröhnt es von den Rängen – und dann brechen alle Dämme. Schluss. Aus. Die Füchse Berlin gewinnen das Finale um den EHF-Pokal mit 30:27 gegen den HSV Hamburg. Die Profis auf der Platte reißen die Arme hoch, die anderen stürmen von der Bank aus die Spielfläche - bis am Ende nur noch ein feierndes Knäuel übrig ist.

"Ich war damals noch nicht fest im Kader, noch sehr aufgeregt", erinnert sich Rückraumspieler Paul Drux und grinst: "Es war einfach ein affengeiles Wochenende." Drux ist 20, als er Europapokalsieger wird. Heute, mit 22, möchte er den Erfolg gerne wiederholen. "Man weiß ja, wie es ist. Man weiß, wie es sich anfühlt und man will es natürlich gerne nochmal erleben. Aber wir wissen auch, dass das sehr schwer wird. Man muss da realistisch, aber auch optimistisch rangehen."

Petkovic: "Saint-Raphaël ist eine Topmannschaft!"

Während im ersten Halbfinalspiel das Team von Frisch Auf Göppingen auf den SC Magdeburg trifft, müssen die Berliner Füchse gegen den französischen Vizemeister Saint-Raphaël ran. "Vor uns steht eine richtig schwere Aufgabe", sagt Trainer Velimir Petkovic. "Das ist eine Top-Mannschaft." Und die Franzosen sind für die Berliner keine Unbekannten, bereits in der Gruppenphase hat es die Paarung gegeben. Bilanz aus Sicht der Füchse bisher: Ein Sieg, eine Niederlage.

Ein schwerer Gegner also – da bereitet sich der Coach gleich doppelt vor. Petkovic ist lange im Geschäft und bestens vernetzt in der Handballwelt. Er hat seine Kontaktmänner überall. "Ich weiß, was in den letzten Tagen in den französischen Zeitungen stand. Und was beim Training passiert", sagt er und lacht. "Ich weiß, wer angeschlagen und wer verletzt ist. Das hilft mir, weil ich Zeit spare. Ich muss keine gegnerischen Spieler analysieren, die dann nicht dabei sind. Deshalb ist es wichtig, gute Informationen zu bekommen."

Hinter dem Einsatz von Nenadic steht ein Fragezeichen

Für Petkovic ist das Final Four in diesem Jahr überhaupt besonders, er tritt mit den Füchsen in seiner alten Heimat an. Knapp zehn Jahre hat er Göppingen trainiert – ist zweimal mit dem Verein EHF-Pokalsieger geworden. "Diese Stadt lebt den Handball", sagt der 60-Jährige. "Und die Halle ist gut gebaut. Perfekt, um dem Gegner richtig Druck zu machen. Gott sei Dank spielen wir nicht im Halbfinale gegen "Frisch Auf"."

Die Berliner reisen mit viel Selbstbewusstsein zum Final-Four-Turnier, bangen aber um ihren besten Mann. Petar Nenadic hat sich im Ligaspiel der Füchse beim THW Kiel einen doppelten Bänderriss zugezogen, sein Einsatz steht auf der Kippe. "Ich kenne ihn, seinen Charakter, seine Mentalität", sagt Trainer Petkovic. "Wenn die Möglichkeit von einem Prozent besteht, dass er zurückkommt und uns helfen kann, dann steht er am Samstag auf dem Parkett." Nenadic selbst hat angekündigt, er wolle auf jeden Fall mitfahren und auf der Bank sitzen. "Ich denke jetzt nur darüber nach, dass ich hoffentlich spielen kann", so der Serbe.

Mit Teamgeist und Selbstbewusstsein ins Final-Four-Turnier

Petkovic allerdings probt den Ernstfall, er hat einen Plan B in der Tasche – ohne Nenadic. "Wir werden entsprechend trainieren, versuchen, taktische Sachen umzusetzen und umzustellen – ohne Petar", sagt er und lobt den Teamgeist seiner Mannschaft: "Ich habe großes Vertrauen, dass Steffen Fäth, Fabian Wiede, Paul Drux oder Kent Robin Tönnesen alles geben. Unser Angriff ist auch ohne Petar erfolgreich und effektiv."

Der Trainer will den Pokal holen – auch, weil er weiß wie sich das anfühlt. "Im ersten Moment wird dir nicht bewusst, was du eigentlich erreicht hast. Du guckst die Leute an, die freuen sich. Die Spieler tanzen, umarmen dich", beschreibt er seinen letzten Europapokalerfolg 2012 mit Göppingen. "Aber erst, wenn du unter der Dusche bist, quasi in zivil, dann kommen diese Gefühle. Dann denkst du: Phänomenal, du hast etwas erreicht."

Beitrag von Stephanie Baczyk

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